Campusleben_HAW_Hamburg_48

Lehrende_HAW_Hamburg_14

Studierende_HAW_Hamburg_1

Informationen für:

20. Februar 2007

Das ungenutzte Potential der Medizin

Aktuelles Buch von Johannes Bircher, Karl-Heinz Wehkamp (HAW Hamburg)

 

Dr. Karl-Heinz Wehkamp, Professor im Studiengang Gesundheitswissenschaften/Public Health an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg (HAW Hamburg) hat zusammen mit Prof. em. Johannes Bircher, ärztlicher Direktor des Universitätsspitals Bern, das Buch „Das ungenutzte Potential der Medizin“ (2006) geschrieben. Prof. Wehkamp hat neben seinem Studium der Medizin auch Soziologie und Philosophie studiert, diese unterschiedlichen Perspektiven werden auch im Buch wirksam. Das Buch wirft einen kritischen und zugleich konstruktiven Blick auf Medizin, Gesundheitswesen und Gesellschaft und leistet somit einen Beitrag zur Gesundheitssystemforschung.

 

In „Das ungenutzte Potential der Medizin“ verfolgen die Autoren das ehrgeizige Ziel, die WHO-Definition der Gesundheit abzulösen bzw. weiter zu entwickeln. Ohne eine klare Definition von Gesundheit und Krankheit – so ihre Grundannahme – kann der Begriff „Medizin“ nicht geklärt werden. Und ohne diese Klärung kann keine zufriedenstellende Gesundheitspolitik praktiziert werden. Der für die Finanzierung des Gesundheitswesens zentrale Begriff des „medizinisch Notwendigen“ verlangt nach einer inhaltlichen Klärung, sowohl für die Ausrichtung der medizinischen Praxis gegenüber dem Patienten als auch zur Orientierung des Gesund­heitswesens und seiner Einrichtungen insgesamt.

 

So entwickeln Bircher und Wehkamp das so genannte „Meikirch-Modell“, das Lösungsansätze für den Abbau der steigenden Kosten im Gesundheitswesen liefert. Nimmt man die Definition des Meikirch-Modells ernst, so ergeben sich daraus für die Medizin zahlreiche Konsequenzen: Der Patient ist für seine Gesundheit selbst verantwortlich und die Verantwor­tung der Mediziner beschränkt sich lediglich auf die Qualität ihres Handelns. Das persönlich erworbene Potenzial und die Ansprüche des Lebens werden hingegen nach human­wissenschaftlichen Grundsätzen beurteilt. Sowohl die Individualmedizin – das ist die Behandlung des Einzelnen – als auch die Sozialmedizin, die sich mit der sozialen Umwelt des Patienten auseinandersetzt, benötigen eine neue präzise Definition von Gesundheit und Krankheit. Ferner wird die „Selbstverständlichkeit“ mit der medizinische Betreuung und soziale Absicherung genossen wird unter die Lupe genommen. Wichtig hier ist die Botschaft der Autoren, dass die Probleme sorgfältig auf der richtigen Systemebene gelöst werden müssen, sonst geschient dies zum Schaden des Systems.

 

Insgesamt geht es den beiden Autoren mit dem „Meikirch-Modell“ um die Schaffung eines übergeordneten Konzepts, aus dem sich klare Regeln für die Medizin ergeben. In der Medizin gab es ein solch ein Steuerungsinstrument bislang nicht, und daher – so die These der Autoren – ist es der Medizin bisher nicht gelungen, ihre Position in der Gesellschaft deutlich zu vertreten. Hierzu muss die Medizin selbst auch eine „neue“ Identität finden. Diese sollte laut Bircher und Wehkamp aus vier Elementen zusammensetzt sein: der Defini­tion von Gesundheit und Krankheit, den Zielen, der Professionalität und den Werten. Halten sich die Menschen, die mit der Medizin zu tun haben, an diesen Leitgedanken, so wird sich dieses auf die Prozesse innerhalb der Medizin und des Gesundheitswesen auswirken wie beispielsweise auf die Budgetplanung, die Interessenkonflikte oder die medizinische Ausbildung. So liest sich das Buch auch als Ratgeber für eine inzwischen selbst erkrankte Medizin. (Pressetext basiert auf der Rezension von Dr. Claudia Borchard-Tuch)

 

„Das ungenutzte Potential der Medizin“, Johannes Bircher/Karl-Heinz Wehkamp,

RÜFFER & RUB, ISBN: 3907625315. (29,80 € (D) und 30,70 € (A)

 

Kontakt:

HAW Hamburg/Fakultät Life Sciences

Gesundheitswissenschaften/Public Health

Prof. Dr. rer. pol. Dr. med Karl-Heinz Wehkamp

Tel. +49.40.428 75-6102; E-Mail karl.wehkamp(@)t-online.de

www.haw-hamburg.de

Letzte Änderung: 09.03.11

An die Redaktion