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Competence Center für Erneuerbare Energien und Energieeffizienz
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Foto: Paula Markert

Interview mit Prof. Dr. Hans Schäfers

„Aus der freien Verfügbarkeit von Erneuerbaren Energien werden wir einen großen wirtschaftlichen Vorteil schöpfen“

Im Interview mit Herrn Prof. Dr. Hans Schäfers geht es um die Schwerpunkte seiner neuen Professur und die Herausforderungen der Energiewende für das Technologiezentrum Energie-Campus in Hamburg-Bergedorf und Deutschland im Allgemeinen.

Wilken: Guten Tag Herr Professor Schäfers, seit September 2017 sind Sie wieder zurück an der HAW Hamburg. Sie sind berufen worden als Professor für intelligente Energiesysteme, was genau steckt hinter dieser Bezeichnung und welche Vorlesungen halten Sie an der HAW Hamburg?

Schäfers: Hallo Frau Wilken. Zunächst mal Danke für die Gelegenheit, mich hier im Interview für den CC4E Newsletter vorstellen zu dürfen. Ich bin von der FH Lübeck zurück an die HAW gerufen worden und darf jetzt hier als Professor die Themen intelligente Energiesysteme und Energieeffizienz an der Fakultät Life Science vertreten. Die Professur adressiert diese zwei Aspekte. Mit intelligenten Energiesystemen ist dabei vor allem die stärker werdende IT-seitige Vernetzung beim gerade erfolgenden Umbau des Energiesystems gemeint. Das bedeutet, dass im Rahmen der Energiewende die Elemente des Energiesystems viel stärker als bisher miteinander kommunizieren. Wir nennen das dann gerne „Smart Grids“.

Das zweite Kernthema meiner Professur ist Energieeffizienz. Das ist gerade auch von besonderer Brisanz, denn Deutschland wird vor allem wegen den Versäumnissen im Bereich der Energieeffizienz seine selbst gesetzten Klimaschutzziele für 2020 deutlich verfehlen. 

Mit meiner Professur sollen diese beiden Themen verstärkt in das Umwelttechnik-Studium eingebracht werden. Es ist übrigens die Nachfolgeprofessur von Professor Dildey, der im Rahmen seiner Tätigkeit ja vor allem auch die Solarenergie am Department Umwelttechnik vertreten hat. 

Mein Auftrag ist nun, die Studierenden durch Vorlesungen wie z. B. „Systemintegration von Erneuerbaren Energien“ das richtige Handwerkszeug zu vermittlen, um für die zukünftigen Phasen der Energiewende gerüstet zu sein.

Wilken: Welche Vorlesungen kann man noch bei Ihnen hören?

Schäfers: Dieses Semester halte ich neben der Vorlesung „Systemintegration von Erneuerbaren Energien“ die Grundlagenvorlesung „Elektrotechnik“ und ich biete die Fächer „Energieträger und Umwelt“ und „Energie aus Biomasse“ an. Im Master „Renewable Energies“ (im Department Maschinenbau und Produktion) halte ich den Teil „virtuelle Kraftwerke“ in der Gemeinschaftsvorlesung „Umweltmanagement, -wirtschaft und virtuelle Kraftwerke (UMWVK)“. 

Wilken: Sie selbst haben an der HAW Hamburg studiert. Wie fühlt es sich an dort eine Vorlesung zu geben, wo man selbst einmal als Student gesessen hat?

Schäfers: Das ist wirklich ein super Gefühl, einfach vertraut. Ich hatte eine wirklich tolle Studienzeit an der HAW in Bergedorf und habe mich da immer sehr wohl gefühlt, war auch meine ganze Studienzeit im Fachschaftsrat dabei. Wenn ich jetzt das Gebäude betrete, dann löst das sofort wieder so eine alte vertraute Grundstimmung aus. Klar, viel ist in den Jahren seit meinem Studium auch passiert und da ist es dann auch spannend zu sehen, was sich alles wie verändert hat. Aber einiges ist halt auch wirklich noch genauso wie vor 25 Jahren (lacht).

Wilken: Haben Sie sich bestimmte Ziele und Vorsätze als Professor gesetzt?

Schäfers: Ja. Ich möchte vor allem eine zeitgemäße Didaktik in meinen Vorlesungen anwenden. Weg von der Frontallehre hin zum interaktiven Arbeiten mit den Studierenden. Dadurch erhoffe ich mir bessere Lernergebnisse und eine motivierende Stimmung im Hörsaal, aber ich merke auch: Es ist gar nicht so einfach, aus dem gewohnten „Power Point Trott“ rauszukommen. Und ich bin wirklich froh, dass ich hier an der HAW an einer Hochschule bin, die dieses Thema besonders vorantreibt.

Wilken: Welche Forschungsthemen interessieren Sie besonders?

Schäfers: Das sind genau die Themen meiner Professur. Wir müssen das Thema Smart Grids stärker im Studium verankern und den Blick der Studierenden für die notwenigen Schritte bei der weiteren Umsetzung der Energiewende schärfen. Das wird uns noch die nächsten Jahrzehnte beschäftigen. Dazu zählen Fragen nach der Art und Weise, wie wir unser Energiesystem umbauen müssen, damit die Energiewende gelingt. Welche Strategien müssen wir anwenden, damit die Energiewende nicht nur im Strombereich funktioniert, sondern auch in den Bereichen Wärme und Mobilität? Welche energietechnischen Anlagen brauchen wir dafür? Welche nicht? Wie müssen die Anlagen gesteuert werden? Welche Informationen werden dafür gebraucht? Welche neuen Märkte entstehen? Und wie müssen dafür die rechtlichen und der marktlichen Rahmenbedingungen organisiert werden? Denn wenn das System dann mal umgebaut ist, werden wir einen großen wirtschaftlichen Vorteil daraus schöpfen! Und langsam, manchmal zu langsam, aber doch kontinuierlich bewegen wir uns dahin:

Im letzten Jahr wurde zum ersten Mal weltweit mehr Geld in die Stromproduktion aus erneuerbaren Energien investiert als in fossile Energiesysteme. In Großbritannien gab es erste Stunden, in denen kein Kohlestrom mehr im Netz war. Zum ersten Mal seit Beginn der Stromproduktion überhaupt! Und inzwischen ist die Stromproduktion aus Wind und Sonne die preisgünstigste Möglichkeit Strom zu produzieren. Das sind wichtige Meilensteine. Aber wie wir jetzt das Energiesystem umbauen, um die Energiewende wirklich zu schaffen, das interessiert mich besonders, da möchte ich mich weiter in der Forschung und in der Lehre engagieren.

Wilken: An welcher Position steht Deutschland zurzeit in diesem Umbau des Energiesystems?

Schäfers: Lange Zeit hatten wir eine sehr starke Vorreiterrolle. Gerade in der ersten Phase der Energiewende, in der wir in einem guten Tempo erhebliche Kapazitäten gerade zur Stromerzeugung aus Erneuerbaren aufgebaut haben. Das ist uns gelungen, auch weil wir in Deutschland bereit waren, die Kosten für diese Umstellung auf uns zu nehmen. Aber jetzt verlieren wir gerade diese Vorreiterrolle, unter anderem, weil wir bisher nicht in der Lage sind, die sich daraus ergebenden neuen Anforderungen auch in neue Spielregeln, also einen für die neuen Anforderungen passenden rechtlichen Rahmen zu bringen. Da können wir uns inzwischen einiges bei unseren europäischen Nachbarn abgucken. Die machen das zum Teil deutlich besser und effizienter. Ich habe das Gefühl, da fehlt uns in Deutschland manchmal einfach die Bereitschaft mal nach rechts und links zu schauen und Lösungen von anderen zu übertragen. Aber gerade im Energiesektor bedeuten diese Wende und der Systemumbau auch erhebliche Veränderungen von Geldflüssen und das bedeutet auch immer große „beharrende Elemente“, die von solchen Veränderungen nicht profitieren, sondern verlieren.

Ein weiteres für mich sehr positives Phänomen ist die Geschwindigkeit mit der China sein Energiesystem verändert. Aber es ist eben auch deutlich einfacher in einem autoritär organisierten Staat Dinge umzustellen, als in einem pluralistischen demokratischen System.

Aber prinzipiell gilt, und zwar weltweit: Wir sind erst ganz am Anfang des Wandels. Wir müssen noch einen ziemlich langen Weg gehen und auch weiter forschen, um die benötigten Lösungen für die Energiewende nicht nur in Deutschland, sondern weltweit zu entwickeln und umzusetzen. Aber am Ende steht ein Energiesystem ohne Brennstoffkosten. Und aus dieser freien Verfügbarkeit von erneuerbaren Energien werden wir einen großen wirtschaftlichen Vorteil schöpfen. Müssen wir auch. Dringend. Wir erwarten ja für die Mitte dieses Jahrhunderts neun und für das Ende des Jahrhunderts elf bis zwölf Milliarden Menschen auf unserem Planeten. Die wollen wir mit unserem gegenwärtigen fossilen Energiesystem nicht versorgen müssen…

Wilken: Sie selbst arbeiten auch intensiv am Technologiezentrum Energie-Campus und leiten eine zehnköpfige Forschungsgruppe am Center for Demand Side Integration. Wo sehen Sie zukünftig die größten Herausforderungen für den Campus und wo sollten wir in zehn Jahren mit den Themen am Energie-Campus stehen?

Schäfers: Ja, mit knapp der Hälfte meiner Tätigkeit darf ich am CC4E und am Energie-Campus mit meinem super Team forschen. Das ist wirklich ein Privileg, das ich sehr zu schätzen weiß. Und gerade so große Projekte wie NEW 4.0, das wir ja als HAW koordinieren, sind auch sehr zeit- und arbeitsintensiv.

Für den Energie-Campus, glaube ich, ist die wichtigste Herausforderung, sich innerhalb der Hochschule bekannter und für alle verfügbarer zu machen. Wir müssen uns mit den anderen Forschungsgruppen vernetzen, was ja auch eine Kernaufgabe des CC4E ist. Die Energiewende ist eine interdisziplinäre Aufgabe und am Energie-Campus haben wir schon einige Anlagen, deren koordinierter Einsatz im zukünftigen Energiesystem fundamental wichtig wird. Das wollen wir weiter ausbauen. 

Das bedeutet, der Energie-Campus sollte, und wird hoffentlich, weiter wachsen und einige Hausnummer dazubekommen. Wir sind ja am Schleusengraben in Bergedorf und dieses Gebiet ist ja auch explizit als Forschungs- und Innovationspark der Stadt Hamburg angedacht. Ich bin gespannt, was sich alles in den kommenden Jahren dort entwickeln wird. Der Bezirk Bergedorf hat große Pläne und wir stehen da in einem engen Austausch. Als Hochschule werden wir davon sicherlich profitieren können.

Das Interview führte Wega Wilken.

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Letzte Änderung: 15.11.17

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