Sporternährung gilt als hochmodernes Forschungsfeld. Warum sprechen Sie trotzdem von einem Gender Data Gap?
Anja Carlsohn: Weil ein Großteil unseres Wissens in der Sporternährung auf Daten von Männern beruht. Das ist übrigens in vielen gesundheitsbezogenen Disziplinen so. Forschung war historisch lange männlich geprägt, und das wirkt bis heute nach: 62 Prozent der Senior Authors in sportwissenschaftlichen Publikationen – also derjenigen, die Themen setzen – sind männlich. In Editorial Boards liegt der Frauenanteil bei nur rund 23 Prozent. Genau dort wird entschieden, welche Forschung sichtbar wird und welche nicht.
Wo liegen die Ursachen für diese Schieflage?
Anja Carlsohn: Frauen sind in Verbands- und Vereinsvorständen, in wissenschaftlichen Gremien und anderen Entscheidungspositionen noch immer in der Minderheit. Damit fehlt oft die Perspektive für geschlechterdifferenzierende Forschung – und auch das Bewusstsein dafür, wie zentral physiologische und hormonelle Unterschiede zwischen den Geschlechtern sind.

