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Rama Abdad Baki erhält den DAAD-Preis 2025

Rama Abdad Baki, Studentin der Sozialen Arbeit an der HAW Hamburg, erhält den diesjährigen DAAD-Preis. Ausgezeichnet werden die sehr guten Studienleistungen und das langjährige gesellschaftliche Engagement der syrischen Studentin. Die mit 1.000 Euro dotierte Auszeichnung wurde am zweiten Oktober 2025 beim Welcome Dinner für die neuen internationalen Studierenden von Vizepräsident Prof. Dr. Peter Wulf überreicht. Die Auswahl traf eine Kommission unter dem Vorsitz der Präsidentin der HAW Hamburg Prof. Dr. Ute Lohrentz.

Rama Abdad Baki, DAAD-Preisträgerin 2025© Rama Abdad Baki

Rama Abdad Baki, DAAD-Preisträgerin 2025

Von der Flucht zum Studium: „Mein Schicksal selbst in die Hand nehmen“

Aufgewachsen im Krieg in Syrien erlebte Rama Abdad Baki Einschränkungen, Unsicherheit und Gefahren. Mit 20 Jahren traf sie die wohl schwerste Entscheidung ihres Lebens: zu fliehen und ihr Leben aktiv neu zu gestalten. „Ich wollte mein Schicksal selbst in die Hand nehmen und eine Zukunft aufbauen, die größer ist als die Umstände des Krieges um mich herum.“

Nach mehreren gescheiterten Versuchen gelang ihr schließlich die Überfahrt mit einem Boot von der Türkei nach Griechenland. In Deutschland orientierte sich neu, ließ ihr Abitur anerkennen und entschied sich für den Studiengang Soziale Arbeit an der HAW Hamburg. Ausschlaggebend für die Studienwahl war die Praxisnähe des Studiengangs: Theorie werde hier konsequent mit Anwendung verbunden. Sie sagt: „Hamburg als vielfältige Stadt bot zudem die Chance, mich in verschiedenen sozialen Kontexten zu engagieren, mit unterschiedlichen Altersgruppen und Kulturen zu arbeiten und meine Kompetenzen kontinuierlich zu erweitern. Ich habe gelernt, dass es völlig normal ist, verschiedene Dinge auszuprobieren, bevor man den richtigen Weg findet.“ Aus ihrem bisherigen Lebensweg hat sie die folgenden Schlussfolgerungen gezogen: „Vergleiche dich nicht mit anderen, sondern mit dir selbst von gestern. Zeit, die du ins Ausprobieren investierst, ist keine verlorene Zeit – sie schafft Klarheit, und du darfst jederzeit neu wählen. Erfolg ist in vielen Branchen möglich; wirklich kreativ und glücklich bist du nur in der Branche, die du liebst.“

Der DAAD-Preis ist für mich eine tiefe Bestätigung nicht nur meiner eigenen Anstrengungen, sondern auch des Weges, den viele internationale Studierende gehen. Er steht für Mut, den Glauben daran, dass Bildung Brücken baut, selbst unter schwierigsten Bedingungen.

Rama Abdad Baki

Engagement, das Wirkung zeigt

„Mein früheres ehrenamtliches Engagement, auch in Syrien, zeigte mir, dass ich im sozialen Bereich konkrete Veränderungen bewirken kann, insbesondere für Menschen mit ähnlichen Erfahrungen.“ Konsequent setzt Frau Abdad Baki diese Einsichten in Hamburg und Umgebung um: Im Stadtteilmütter-Projekt der Diakonie Hamburg-Altona unterstützt sie Mütter mit Migrationserfahrung und setzt dabei ihr fachliches Wissen gezielt ein. Sie ist Mitgründerin einer mehrsprachigen digitalen Lerninitiative für Kinder und Jugendliche und dort seit mehreren Jahren als Nachhilfelehrerin aktiv. Darüber hinaus engagiert sich Frau Abdad Baki in verschiedenen Projekten der Caritas, darunter im Containerprojekt für obdachlose Frauen in Hamburg und im Caritas-Sozialwerk St. Elisabeth in Vechta. Ihre Schwerpunkte liegen in der Begleitung geflüchteter und zugewanderter Frauen und Jugendlicher.

Besonders hervorzuheben ist ihre Weiterentwicklung hin zu unternehmerischer Verantwortung im sozialen Bereich: Derzeit baut sie gemeinsam mit ihrer Schwester eine Nachhilfeinitiative auf, deren Konzept sie so erläutert: „Die Initiative befähigt Kinder und Jugendliche mit Migrationserfahrungen, ihr individuelles Potenzial zu identifizieren, sich gesehen und wertgeschätzt zu fühlen und passende Bildungs- und Lebenswege zu erschließen.“ Darüber hinaus bringt sie sich mit Redebeiträgen für Fridays for Future und Amnesty International in gesellschaftspolitische Debatten ein.

"Bildung, die Brücken baut"

Der DAAD-Preis stellt für Frau Abdad Baki eine Bestätigung ihres bisherigen Lebenswegs dar und veranschaulicht für sie die Bedeutung von Bildung: „Der DAAD-Preis ist für mich eine tiefe Bestätigung nicht nur meiner eigenen Anstrengungen, sondern auch des Weges, den viele internationale Studierende gehen. Er steht für Mut, den Glauben daran, dass Bildung Brücken baut, selbst unter schwierigsten Bedingungen. Für mich ist er zudem eine wichtige Motivation und eine ständige Erinnerung, engagiert und fokussiert zu bleiben, um weiterhin einen Beitrag zu leisten. Ich wünsche mir, dass andere Studierende in diesem Preis eine Ermutigung sehen.“ Sie fährt fort und wendet sich mit einer Ermutigung an die neuen internationalen Studierenden: „Egal, woher du kommst. Du kannst Wirkung entfalten – und du hast das Recht auf Teilhabe und Mitgestaltung. Es geht nicht ums Müssen, sondern um die Chance und das Recht mitzuwirken. Es ist deine Möglichkeit und dein Recht, Schritt für Schritt deinen Weg zu gehen und sichtbar zu sein.“

Bedeutung für Hochschule und Stadt

Mit ihrer Geschichte, ihrem Studium und ihrer Haltung steht Frau Abdad Baki exemplarisch für internationale Studierende, die akademische Leistung mit gesellschaftlichem und interkulturellem Engagement verbinden. Ihre Arbeit wirkt sichtbar in die Hochschule hinein und in die Stadtgesellschaft hinaus. Abschließend betont Rama Abdad Baki: „Und für die Stadtgesellschaft hoffe ich, dass diese Auszeichnung daran erinnert, wie bereichernd internationale Perspektiven für Hamburg und die Hochschule sind.“

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Zum DAAD-Preis

Seit 1995 verleiht die HAW Hamburg den mit 1.000 Euro dotierten DAAD-Preis. Der jährlich vergebene Preis macht die Vielfalt unserer internationalen Studierenden sichtbar und gibt ihren Lebenswegen eine Stimme. Der DAAD-Preis wird jährlich vergeben und wurde ursprünglich ins Leben gerufen, um den vielen internationalen Studierenden an deutschen Hochschulen ein Gesicht zu verleihen und etwas über ihre Lebensgeschichten zu erfahren. Mit dem Preis werden internationale Studierende ausgezeichnet, die nicht nur herausragende Leistungen erbringen, sondern sich auch umfangreich gesellschaftlich oder interkulturell engagieren.

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Text: Ines Tobis / Foto: Kawkab Abdolbake

Kontakt

Ines Tobis
Leitung International Office
HAW Hamburg

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