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Auszeichnung im internationalen Fotowettbewerb

Absolventin Teresa Halbreiter gewinnt European Student Award bei den Sony World Photography Awards

Ausgezeichnet wurde ihr Projekt „Stillgestanden", das im Rahmen ihres Masterstudiums an der HAW Hamburg entstanden ist. Die fotografische Arbeit fokussiert Soldatinnen der Bundeswehr und bewegt sich dabei im Spannungsfeld zwischen individueller Identität und den klaren Anforderungen militärischer Strukturen. Im internationalen Wettbewerb konnte sich Teresa Halbreiter gegen Einreichungen aus mehr als 200 Ländern durchsetzen.

Teresa Halbreiter ist Absolventin der HAW Hamburg im Fach Kommunikationsdesign. © Teresa Halbreiter

Teresa Halbreiter ist Absolventin der HAW Hamburg im Fach Kommunikationsdesign.

Die Idee zu „Stillgestanden“ war zunächst gar nicht als Abschlussarbeit geplant. „Die Arbeit hat deutlich vor meinem Abschluss begonnen“, sagt Teresa Halbreiter. Ein Seminar bei Prof. Linn Schröder brachte den entscheidenden Impuls. Es ging um Wut, Protest und politische Bildsprache. Von dort führte der Weg überraschend in eine streng reglementierte Welt.
Warum ausgerechnet die Bundeswehr? Für Teresa Halbreiter war es genau diese Ambivalenz, die sie reizte und zugleich wütend machte: Einerseits hat sie eine klare Ablehnung gegenüber Militär, Waffen und Gewalt. „Andererseits hat mich die Frage nicht losgelassen, ob Gleichberechtigung dort tatsächlich angekommen ist. Und zwar 25 Jahre nachdem das wegweisende EuGH-Urteil im Fall Tanja Kreil den Weg für Frauen in alle Laufbahnen der Bundeswehr erst öffnete.“

 

Ein schwieriger Zugang
Der Weg in die Welt der Bundeswehr war alles andere als einfach. Zunächst sprach sie Soldatinnen auf dem Weg zur Kaserne an. Sie lernte, dass das Tragen der Uniform die Frauen zu Soldatinnen macht, vor Dienstantritt und nach Feierabend. 
Monatelang blieben ihre offiziellen Anfragen an die Pressestellen verschiedener Kasernen unbeantwortet. Erst ein Zufall öffnete die Tür: „Schließlich meldete sich ein Oberleutnant bei mir, vielleicht, weil er sich selbst für Fotografie interessiert.“
Die 29-jährige Fotografin stellte ihr Projekt schließlich in einer Kaserne vor rund 300 Soldatinnen vor. Der Moment war für sie einschüchternd: alle in Uniform, sie selbst in Zivil. Die Hierarchien waren unmittelbar spürbar. Teresa ließ ihre Visitenkarten vor Ort in der Hoffnung, dass sich Frauen bei ihr melden würden. „Davon hing alles ab, eine andere Möglichkeit hatte ich nicht.“ Zwei Frauen nahmen mit ihr Kontakt auf, weitere Soldatinnen kamen im Verlauf des Projektes dazu. 

Zwischen Kontrolle und Vertrauen
Was folgte, war ein Balanceakt zwischen künstlerischer Idee und militärischen Regeln. Teresa musste vor jedem Shooting die Ausbilder der Soldatinnen um Freistellung der Frauen bitten. Begleitet wurde sie außerdem von dem Presseoffizier, der ihr zeigte, in welchen Bereichen der Kaserne sie fotografieren durfte und ihr die ganze Zeit über die Schulter guckte. „Ich bin drangeblieben, habe mich nicht entmutigen lassen und meinen Weg in das Projekt gefunden“, darüber freut sie sich noch im Nachhinein. 
Es entwickelt sich eine wertvolle und respektvolle Arbeitsbeziehung zwischen den Frauen trotz der unterschiedlichen Wertvorstellungen


                                Teresa Halbreiter ist Absolventin aus dem Studiengang Kommunikationsdesign der HAW Hamburg.

Die intensive Auseinandersetzung mit den Aussagen der Soldatinnen hat es mir ermöglicht, die Inhalte in visuelle Motive zu übersetzen. Das war ein zentraler Schritt für das Projekt.

Porträts jenseits der Uniform
Im Zentrum ihrer Arbeit steht nicht die Institution oder Inszenierung, sondern die Frauen selbst. Halbreiter interessiert sich für das, was hinter der Uniform sichtbar wird: Haltung, Körpersprache, leise Unterschiede. Inspiriert von Fotografinnen wie Rineke Dijkstra und Joanna Piotrowska entwickelte sie eine reduzierte, klare Bildsprache, bewusst als Gegenentwurf zur werblichen Ästhetik der Bundeswehr.

Die Gespräche mit den Soldatinnen wurden dabei zum Schlüssel: „Ich bin stolz darauf, den Frauen eine Stimme geben zu können. In den Gesprächen wurde mir deutlich, wie groß das Bedürfnis ist, gesehen und gehört zu werden.“ 

Zweifel und Vertrauen 
Der Weg zur fertigen Arbeit war nicht geradlinig, „aber Phasen von Selbstzweifel gehören zum Prozess“. Während eines Auslandssemesters in Kopenhagen macht Halbreiter eine Pause. „Ich habe mich gefragt, ob die Bilder überhaupt stark genug sind.“ Rückblickend war die Distanz sehr hilfreich. Sie hat gezeigt, dass die Zusammenarbeit mit den Frauen funktioniert, dass sie sich vertrauen. „Eine Soldatin fragte mich nach der Pause, ob ich sie in ihrer Umstandsuniform fotografieren möchte.“

Ein Preis mit Gewicht
Nun ist „Stillgestanden“ international ausgezeichnet worden. Schon die Nominierung unter die Top Ten des International Student Award war für Teresa Halbreiter ein großer Erfolg und eine wichtige Bestätigung des Projekts. Als schließlich die Nachricht kommt, dass sie den European Student Award 2026 bei den Sony World Photography Awards gewonnen hat, hält sie die E-Mail zunächst für Spam. „Ich habe meinen Vater aus dem Mittagsschlaf geholt, damit er die Nachricht für mich checkt“, sagt sie.

Ausgezeichnet wurde sie für ein Projekt, das über klassische Dokumentarfotografie hinausgeht. „Stillgestanden“ zeigt Frauen in der Bundeswehr und macht dabei sehr differenziert Spannungen sichtbar. Im Zentrum steht die Reibungsfläche von Individualität und einem System der Anpassung, ebenso wie die gleichzeitige Präsenz von Stärke und Verletzlichkeit.

 

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