„Eine*n gute*n Professor*in zeichnet das echte und gelebte Interesse an den Studierenden und an ihrem Lernerfolg aus“

Seit März 2020 verstärkt Prof. Ulrike Herster das Team des Departments Informations- und Elektrotechnik an der HAW Hamburg als Professorin für Softwareentwicklung. Jetzt zieht sie ein erstes Fazit und spricht über Ihre Arbeit in der Lehre an der HAW Hamburg.

Prof. Ulrike Herster bei der Arbeit

Prof. Ulrike Herster an ihrem Arbeitsplatz. Foto: Privat

Insgesamt zwölf Jahre arbeitete Ulrike Herster bei der Lufthansa Technik Gruppe in Hamburg: Am Anfang als IT-Referentin in der Logistik, später als Projektleiterin von IT- und Forschungsprojekten und zuletzt als Gruppenleiterin für die Programm- und Kapazitätsplanung im Bereich VIP und Special Mission Aircraft. Ihr Wunsch hauptberuflich in die Lehre zu wechseln, ist im März dieses Jahres in Erfüllung gegangen. Seitdem verstärkt die gebürtige Erlangerin das Team des Departments Informations- und Elektrotechnik an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften als Professorin für Softwareentwicklung.

Bereits während ihres Studiums sammelte Herster als Tutorin Erfahrungen und leitete Übungen für Student*innen im ersten und zweiten Semester. Direkt danach ergriff sie die Möglichkeit, als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der RWTH Aachen zu arbeiten. Auch während ihrer Tätigkeit bei der Lufthansa Technik AG betreute sie Bachelorarbeiten und nahm immer wieder nebenberufliche Lehraufträge an. „Die HAW genießt als Hochschule einen ausgezeichneten Ruf. Zudem ist sie auch noch in Hamburg angesiedelt – der schönsten Stadt der Welt und meiner Wahlheimat. Die Professur an der HAW ist somit die ideale Kombination für mich“, so Prof. Herster.

Kombination aus Hard Facts und Soft Skills

Als Professorin hält Herster im Sommersemester 2020 Vorlesungen und Übungen im Rahmen von zwei Bachelorstudiengängen: Elektrotechnik und Informationstechnik und Information Engineering, ein internationaler Studiengang in englischer Sprache. Ihr Ziel für die Lehre, und was ihr dabei wichtig ist, steht in keinem Lehrbuch geschrieben. „Ich möchte meine jahrelangen Erfahrungen aus der freien Wirtschaft in die Vorlesungen einfließen lassen und in Wahlpflichtmodulen anbieten, in denen es auch um Soft Skills im Bereich Softwareentwicklung geht. Für eine erfolgreiche Arbeit in einem Unternehmen ist eine Kombination aus Hard Facts und Soft Skills essentiell“, ist Herster überzeugt. Und bevor sich hier ein weitverbreitetes Klischee einschleicht, dass sich Frauen in männerdominierten Bereichen oftmals ausgerechnet auf die Soft Skills fokussieren, stellt Herster diese These klar: „Frauen haben sowohl Vorteile als auch Nachteile in einem männlich dominierten Beruf. Fakt ist, jeder muss seinen Beitrag leisten und Leistung zeigen, besonders wenn der nächste Karrieresprung ansteht – das gilt unabhängig davon welches Geschlecht man hat.“

Die Herausforderungen in der Lehre sind selbstverständlich andere, als die in der freien Wirtschaft. Für die 41-Jährige zeichnet eine*n gute*n Professor*in das echte und gelebte Interesse an den Studierenden und an ihrem Lernerfolg aus. Zudem ist eine Offenheit für neue Methoden wichtig, um sich selbst und seine Lehre weiterzuentwickeln und nicht zu stark in Routine zu verfallen. Um das zu erreichen, holt Herster sich regelmäßig Feedback von den Student*innen ein und versucht die Anmerkungen konstruktiv umzusetzen.

Mehr Frauen im technischen Studium

Ulrike Herster stammt aus einer Medizinerfamilie. „Es lag nahe, diese Linie fortzuführen und nach dem Abitur ebenfalls Medizin zu studieren. Jedoch bekam ich keinen Studienplatz. Der Leistungskurs Mathematik fand ich sehr spannend und entschloss mich kurzfristig um, Informatik zu studieren. Diese Entscheidung bereue ich bis heute nicht. Für mich ist Informatik vielfältig, abwechslungsreich und faszinierend." Herster erinnert sich noch gut an ihr eigenes Studium. Von rund 200 Informatikstudent*innen, die im Jahr 1998 zusammen mit ihr das Studium an der FAU Erlangen-Nürnberg aufnahmen, waren es nur zehn Frauen. Aus heutiger Sicht ein extremes Verhältnis. Nach vier Semestern bestanden nur etwa 40 davon erfolgreich das Vordiplom in der Regelzeit, darunter sieben der Frauen. „Diese Quote von uns erfolgreichen Frauen war erstaunlich hoch und das hat mich tief beeindruckt.“ Heute sind es im Durchschnitt mehr Frauen als damals, die den technischen Beruf für sich entdecken und studieren, bei Weitem aber nicht so viele, um die Domäne nicht mehr als männlich zu bezeichnen. Das Kollegium aus dem Department Informations- und Elektrotechnik ist sich darüber einig: Alle werden nur davon profitieren, wenn es mehr Frauen werden, denn Elektrotechnikabsolvent*innen sind gefragt und haben heute auf dem Arbeitsmarkt hervorragende Berufsaussichten.

Ausgleich ohne ständige Verfügbarkeit

In einem permanent von Schnelligkeit und Veränderungen gezeichneten Bereich tätig zu sein, verlangt einem viel Energie und Flexibilität ab. „Ich brauche einen entsprechenden Ausgleich ohne elektronische Geräte und ohne eine ständige Verfügbarkeit. Zum Abschalten ist es am besten, einfach mal den Laptop und das Handy auszumachen und zur Seite zu legen.“ Trotz Veränderungen und Fortschritt, hat einiges in der Lehre nach wie vor Bestand. „Die Informatik hat sich in den vergangenen 20 Jahren extrem weiterentwickelt. Die Grundlagen aber, wie zum Beispiel das Programmieren in C, sind immer noch gleichgeblieben. Ich lehre in Programmieren 1 im Sommersemester 2020 genau das, was ich selbst vor über 20 Jahren im Studium gelernt habe, und das finde ich sehr positiv“, so die 41-Jährige.

Ulrike Herster erfüllt sich mit ihrer neuen Tätigkeit in der Lehre einen Berufswunsch, nur die Anfangszeit hat sie sich anders vorgestellt. „Die Corona-Pandemie ist für uns alle eine extreme private und berufliche Herausforderung. Ich glaube, dass aus der Not heraus zurzeit viele neue Online-Formate entstehen, sei es das Erstellen von Videos, Übungsaufgaben und Anleitungen, oder das Durchführen von Online-Veranstaltungen. Ich denke, dass einige dieser Formate sehr gut sind und auch zusätzlich zu Präsenzveranstaltungen in Zukunft genutzt werden können, um die Lehre noch effizienter zu gestalten.“

(Autorin: Aleksandra Doneva)

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Aleksandra Doneva
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T +49 40 428 75 8302
aleksandra.doneva (@) haw-hamburg.de

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