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Blue Engineering

Ethik in der Wissenschaft: Ein Wahlpflichtmodul bringt Klarheit

Für welchen Zweck forschen und arbeiten wir? Woher kommen unsere täglichen Ressourcen und unter welchen Bedingungen werden sie gewonnen? Was hat das mit Ethik und gesellschaftlicher Verantwortung der Wissenschaft zu tun? Studierende der HAW Hamburg erarbeiten eigene Lehreinheiten und suchen nach Antworten im interdisziplinären Seminar "Blue Engineering".

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Logo Blue Engineerig by Till Teenck

Ob Design, Wirtschaft, Pädagogik oder Ingenieurwesen, das Seminar "Blue Engineering" ist für alle Studierende der Fakultäten und Departments der HAW Hamburg geöffnet. Es wird von der gleichnamigen AStA-AG seit dem Sommersemester 2020 an der Hochschule angeboten. Dabei hat das neu eingeführte Wahlpflichtmodul mit "Blaumachen" wenig zu tun, das Gegenteil ist der Fall.

In dieser besonderen Lehrveranstaltung, initiiert und organisiert von Studierenden für Studierende, wollen die Teilnehmer*innen gemeinsam die Verantwortung der Wissenschaft gegenüber der Umwelt und der Gesellschaft erkennen und dieser auf den Grund gehen. Dazu beschäftigen sie sich in interaktiven Workshops mit sozialen, ökologischen und ethischen Zusammenhängen technischer Entwicklungen. Aktuelle Themen sind beispielsweise: Rohstoffgewinnung, Recycling, Industrie 4.0, Open Source Ecology, virtuelles Wasser, Gender Diversity, Rüstungsindustrie und Waffenexporte sowie materielle und soziale Voraussetzungen von Technik.

Wir haben darüber mit den beiden AStA-Referentinnen Isabelle Masuch und Iris Tsantilas gesprochen. Isabelle Masuch ist beim AStA Referentin für Ökologie und Nachhaltigkeit. An der Fakultät Technik und Informatik studiert sie Maschinenbau und Produktion. Die Blue Engineering AG hat sie vor etwa 1,5 Jahren ins Leben gerufen. Iris Tsantilas ist Studierende der Medizintechnik, Seminartutorin und beim AStA Referentin für Öffentlichkeitsarbeit.

Wie ist das Seminar entstanden?
Masuch: Blue Engineering wurde an der TU Berlin im Wintersemester 2008/2009 als Idee für ein Referat im Seminar „Soziologie des Ingenieurberufs" erarbeitet und vorgestellt. Seitdem wird das Konzept an vielen Hochschulen und Universitäten umgesetzt und nun auch an der HAW Hamburg in Form eines Wahlpflichtmoduls.

Wie wurde die Idee umgesetzt, Blue Engineering an der HAW Hamburg anzubieten?
Masuch: Uns haben die ökologischen, sozialen und gesellschaftspolitischen Themen im Studium total gefehlt. Blue Engineering ist zwar nur ein Anfang diese zu integrieren, aber da es sehr gut bei den Studierenden ankommt, bin ich optimistisch, dass es in Zukunft noch mehr Angebote dieser Art geben wird.

Welche Themenfelder werden im Seminar bearbeitet?
Masuch: Blue Engineering befasst sich mit ökologischer Nachhaltigkeit, sozialen Fragen, Ethik und weiteren politischen Themen. Vieles davon in Bezug auf Ingenieurwissenschaften, da es ursprünglich an einer technischen Universität entwickelt wurde.

Was sind die Lernziele?
Tsantilas: Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer dazu anzuregen, den Kopf offen zu halten und über den Tellerrand zu schauen.

Was ist die schwierigste Aufgabe, die die Studierenden bewältigen müssen?
Tsantilas: Die schwierigste Aufgabe ist es, sich kritisch mit Themen aus verschiedenen Perspektiven zu beschäftigen. Vieles in einem technischen Studium ist bereits vorgegeben, so dass das selbstständige, kritische Denken gefordert werden muss. Das ist im ersten Moment für einige neu und ungewohnt. Zudem ist das Erarbeiten eines Thema-Bausteins*, in dem Technik, Nachhaltigkeit, Ethik und Soziales miteinfließen, eine schwierige Aufgabe.

Was macht das Seminar besonders?
Masuch: Die Interdisziplinarität und die Möglichkeit, sich mit Kommilitoninnen und Kommilitonen aus anderen Studiengängen über die Fächergrenzen hinweg auszutauschen.

Wie viele Studierende machen mit?
Masuch: In der Blue Engineering AG, die das Seminar initiiert und realisiert, sind aktuell zehn Studierende aktiv. Für das Seminar in diesem Semester haben sich rund 120 Studierende angemeldet, davon konnten wir nur 50 Plätze vergeben.

Aus welchen Studiengängen kommen die Teilnehmer*innen und in welchem Semester sind sie?
Tsantilas: Sie kommen aus verschiedenen Studiengängen und Semestern im Bachelor- und Masterbereich. Hierbei sind die Departments der Fakultät Technik und Informatik noch am meisten vertreten, aber auch Life Sciencs, Design, Medien, Information und Wirtschaft und Soziales sind dabei.

Gibt es Änderungen in der Planung, Durchführung und in den Abläufen durch die Corona-Krise?
Masuch: Die Workshops sind grundsätzlich für die Durchführung in Präsenz entwickelt. Die Inhalte können zwar online behandelt werden, aber die Methoden häufig nicht, also müssen wir Wege finden, um auch online einen interaktiven Austausch umzusetzen.

(Interview: Aleksandra Doneva)

*Im Blue Engineering Seminar entwickeln Studierende mit der Gruppe eigene Lehreinheit zu einer ausgewählten Fragestellung, "Bausteine" genannt, und führen diese eigenständig im Seminar durch. Dafür wird eine entsprechende Leistung in Form von Creditpoints angerechnet.

WEITERE INFORMATION

Betreuende Professoren: Prof. Dr. Benno Radt, Prof. Dr. Martin Lapke
Tutorinnen: Marleen Kaiser, Iris Tsantilas
Mehr Infos: http://www.blue-engineering.org/wiki/HAW-HH:Start
Kontakt via Mail: haw-hamburg (@) blue-engineering.org
Website: www.asta.haw-hamburg.de/blue-engineering-wahlpflicht-seminar-f%C3%BCr-alle.-melde-dich-jetzt-an!.html

Kontakt

Fakultät Technik und Informatik
Department Informations- und Elektrotechnik
Aleksandra Doneva
Öffentlichkeitsarbeit
T +49 40 428 75-8302
aleksandra.doneva (@) haw-hamburg.de

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