Im Rahmen des Projekts analysierten Wissenschaftler*innen und Praxispartner Daten der Gesetzlichen Krankenversicherung von mehr als einer Million Hamburgerinnen und Hamburgern. Ergänzt haben sie ihre Analysen durch eine groß angelegte Bevölkerungsbefragung mit rund 44.000 angeschriebenen Personen und mehr als 3.000 Rückmeldungen sowie durch Beteiligungsformate in Hamburger Quartieren zur gesundheitsbezogenen Lebensqualität.
Die Ergebnisse zeigen deutliche Unterschiede zwischen den Hamburger Stadtteilen. Menschen in Quartieren mit niedriger sozialer Lage nehmen Präventions- und Vorsorgeangebote seltener in Anspruch als Bewohner*innen sozial besser gestellter Quartiere. Dies betrifft unter anderem Zahnvorsorgeuntersuchungen, Präventionskurse der Krankenkassen, Angebote zur Gebärmutterhalskrebs-Früherkennung sowie Hebammenleistungen während Schwangerschaft und Wochenbett.
„Erstmals für Hamburg stehen gesundheitsbezogene Daten in derart kleinräumiger Auflösung und in Verbindung mit der lokalen sozialen Lage zur Verfügung. Dass Gesundheit und soziale Lage zusammenhängen, ist seit Langem bekannt. Das Ausmaß der Unterschiede zwischen den Hamburger Quartieren hat uns jedoch überrascht. Die Ergebnisse machen deutlich, dass wir Prävention und Gesundheitsförderung künftig deutlich zielgerichteter gestalten müssen, damit sie gerade die Menschen erreichen, die sie am dringendsten benötigen“, sagt Prof. Dr. Susanne Busch, Projektleiterin von „Gesunde Quartiere 2.0“ an der HAW Hamburg.
Die Ergebnisse bestätigen in vielen Bereichen das sogenannte Präventionsdilemma. Es beschreibt die paradoxe Situation, dass Menschen mit dem höchsten Bedarf an Gesundheitsförderung und Prävention entsprechende Angebote am seltensten nutzen. Dadurch bleiben gesundheitliche Ungleichheiten bestehen oder verstärken sich sogar.
Neben den Analysen identifizierte das Forschungsteam Faktoren, die den Erfolg von Gesundheitsförderung und Prävention vor Ort beeinflussen. Die Befragungsergebnisse zeigen: Ein starkes Gemeinschaftsgefühl, eine hohe Gesundheitskompetenz sowie eine nachhaltige Vernetzung lokaler Akteure und Angebote sind wichtige Voraussetzungen für erfolgreiche Gesundheitsförderung in Quartieren.
Auf dem Herbstsymposium diskutieren die Wissenschaftler*innen die Ergebnisse gemeinsam mit Vertreter*innen aus Wissenschaft, Politik, Krankenkassen, Verwaltung und Praxis. Die Erkenntnisse fließen in konkrete Handlungsempfehlungen ein, die zu mehr gesundheitlicher Chancengerechtigkeit beitragen sollen. Angesichts der aktuellen Diskussionen über die langfristige Finanzierbarkeit des Gesundheitssystems kommt den Ergebnissen besondere Bedeutung zu. Gesundheitsförderung und Prävention können nicht nur gesundheitliche Ungleichheiten verringern, sondern langfristig auch dazu beitragen, Behandlungs- und Folgekosten zu reduzieren.
2. CCG Herbstsymposium „Gesunde Quartiere 2.0“
Wann & Wo?
15. September 2026, 10:00 bis 16:00 Uhr
HAW Hamburg
Versammlungsstätte
Alexanderstr. 1
20099 Hamburg
Wer?
Die Projektpartner
- HAW Hamburg (Konsortialführung)
- Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg (stellvertretende Konsortialführung)
- HafenCity Universität Hamburg
- TK Die Techniker Krankenkasse
- AOK Rheinland/Hamburg
- DAK-Gesundheit
- Mobil Krankenkasse
- Hamburgische Arbeitsgemeinschaft für Gesundheitsförderung e. V.
Aktuelles Programm und Anmeldung
www.haw-hamburg.de/ccg/veranstaltungen/herbstsymposium26/
