Größte internationale Konferenz zu kontaminierter Luft in Flugzeugen

Die 4-tägige "Aircraft Cabin Air Conference 2021" fand mit 1600 angemeldeten Delegierten online über Zoom statt. Ausrichter war ein Verband aus Luftfahrtgewerkschaften – assoziierte Partnerin war die HAW Hamburg.

Links: unbenutzter Luftkanal. Rechts: Luftkanal nach mehr als 26.000 Flugstunden. „Die schwarzen Ablagerungen im Bild stammen von Verunreinigungen, welche die Luft aus dem Triebwerk mitführt“ so Prof. Dieter Scholz.

Auf der Konferenz sprachen über 30 Vortragende aus der Medizin sowie dem Ingenieur- und Rechtswesen. Außerdem trugen Vertreter*Innen von Crews aus dem Cockpit und der Kabine vor sowie Unternehmen, die Lösungen anbieten, um die Kontamination der Luft zu vermindern. Die Veranstaltung hatte unter anderem das Ziel, einen zeitlichen Überblick seit den 50er Jahren zum Thema kontaminierte Kabinenluft zu geben sowie auf dessen Folgen einzugehen. In Diskussionen und Studien wurden Sicherheits- und Gesundheitsrisiken thematisiert, um Politiker*Innen, die allgemeine Öffentlichkeit sowie Fluglinien samt Passagieren auf das Thema aufmerksam zu machen. Außerdem wurden Möglichkeiten besprochen, das Problem in Zukunft durch Luftfilter oder Warnsysteme zu lösen.

Der erste Fachvortrag wurde von Prof. Scholz von der Aircraft Design and Systems Group (AERO) der HAW Hamburg gehalten. Er wies darauf hin, dass kontaminierte Kabinenluft regelmäßig auftreten würde und sowohl die Flugsicherheit als auch die Gesundheit von Personen an Bord gefährden könne. „Sensoren zur Überprüfung der Kabinenluft werden zwar nach der Zulassungsvorschrift gefordert, letztendlich aber nicht in die Flugzeuge eingebaut“, so der Professor für Flugzeugentwurf, Flugzeugsysteme und Flugmechanik. Seine Argumentation untermauerte Scholz mit Untersuchungen an ausgemusterten Flugzeugen, die Ablagerungen in den Rohren der Zapfluft zeigen – auf dem gesamten Weg vom Triebwerk bis in die Flugzeugkabine. Die beiden Fotos oben stammen aus einem Passagierflugzeug des Typs BAe 146. Im Bild links wird ein neuer unbenutzter Luftkanal gezeigt. Im Bild rechts wird ein Luftkanal gezeigt nach mehr als 26.000 Flugstunden (Civil Aviation Authority, 2004). „Die schwarzen Ablagerungen im Bild stammen von Verunreinigungen, welche die Luft aus dem Triebwerk mitführt“ so Scholz. Verantwortlich dafür sei zum einen das Triebwerksöl, das im Triebwerk die Dichtungen passiere und so in den Triebwerksverdichter und in die Zapfluft gelange. Zum anderen würden auch Hydraulik- und Enteisungsflüssigkeiten über das Hilfstriebwerk am Heck des Flugzeugs in die Rohre der Klimaanlage und somit in die Kabine und das Cockpit gelangen.

Die Europäische Agentur für Flugsicherheit (EASA), die leider nicht teilnahm, wurde aufgefordert sich kritischer mit den vorgelegten Forschungsergebnissen auseinanderzusetzen. Konferenzdirektor Kapitän Tristan Loraine erklärte: „Es wäre für die EASA und die Federal Aviation Association (FAA) an der Zeit, Maßnahmen zu ergreifen, um die Besatzungen und die Passagiere vor kontaminierter Kabinenluft zu schützen und die Flugsicherheit dadurch weiter zu verbessern. Es ist nicht genug, sich darauf auszuruhen, dass die Luftfahrt statistisch gesehen die sicherste Form des Reisens ist. Die Technologie für Sensoren und Filter ist vorhanden, und die Flugunfallabteilungen fordern deren Einbau seit über 10 Jahren. Entsprechend muss jetzt gehandelt werden!"

Konferenz-Homepage: https://www.AircraftCabinAir.com
Konferenzergebnisse: https://zenodo.org/communities/aircraftcabinair
Pressemeldung, GCAQE, 23.03.2021: https://bit.ly/3cmvPzE
Pressemeldung, AERO, HAW Hamburg, 25.03.2021: www.pressebox.de/bx/1051342
Online News, Department F&F, HAW Hamburg, 09.04.2021: bit.ly/3gFz5s8
Projekt an der HAW Hamburg zum Thema: CabinAir.ProfScholz.de

Kontakt

Prof. Dieter Scholz
Department Fahrzeugtechnik und Flugzeugbau
Leiter Aircraft Design und Systems Group (AERO) / Professor für Flugzeugentwurf, Flugzeugsysteme und Flugmechanik
Berliner Tor 9
20099 Hamburg
Raum 217
T +49 40 428 75-8825
dieter.scholz (@) haw-hamburg.de

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