Kurz innehalten, sacken lassen, ankommen. Bevor es gleich schon wieder weitergeht. Habe ich noch Zeit, wenn ich nicht weiß, wohin? Woran halte ich fest bei instabilem Boden?
In der Gruppenausstellung "HALT" begegnen sich drei fotografische und konzeptionelle Positionen, die sich auf unterschiedliche Weise mit inneren und äußeren Räumen des Menschseins auseinandersetzen. Zwischen gesellschaftlichen Strukturen, psychischen Landschaften und der Suche nach Zugehörigkeit, eröffnen die Arbeiten intime Perspektiven auf Identität, Verletzlichkeit und Selbstverortung.
Mit dem Projekt Stillgestanden untersucht die Fotografin Teresa Halbreiter, wie sich junge Frauen innerhalb einer Institution positionieren, die von Disziplin, Hierarchie und Männlichkeit geprägt ist. Ihre Arbeit stellt die Frage, inwiefern militärische Strukturen Identität formen oder begrenzen – und wie sich Vorstellungen von Weiblichkeit und Individualität im Spannungsfeld einer sicherheitspolitisch zunehmend aufgeladenen Gegenwart behaupten.
David Löffler setzt sich künstlerisch mit den Grenzen der Sprache auseinander, wenn es um die Beschreibung depressiver Erfahrungen geht. In seinem Projekt Brücken und Barrieren erforscht er das Potenzial von Metaphern, das Unsagbare erfahrbar zu machen. Anhand von Fotografien, Videos und Installationen übersetzt Löffler diese inneren Bildwelten in künstlerische Formen. Das Projekt versteht sich als Versuch, die Grenzen des Sagbaren auszuloten, die Vielfalt und Subjektivität depressiver Erfahrungen sichtbar zu machen und Außenstehenden einen Zugang zu diesen komplexen Gefühlswelten zu eröffnen.
In 6 Jahre, 10 Umzüge, 5 Städte, 2 Länder, 9 Betten erforscht die Fotografin Mailine Reicke das Gefühl von Zuhause als wandelbares Konstrukt zwischen Ort, Beziehung, Erinnerung und innerem Erleben. Aufbauend auf ihrer Auseinandersetzung mit den psychosozialen Konsequenzen von Scheidungserfahrungen fragt sie, was es bedeutet, sich zugehörig zu fühlen – und wie sich dieses Gefühl formt, verschiebt oder auflöst. Ihre fotografische und psychologische Recherche macht sichtbar, wie sehr das Zuhause weniger ein geografischer Ort als vielmehr ein vielschichtiges inneres Gefüge sein kann.
Gemeinsam zeichnen die drei Positionen ein Bild menschlicher Identität: geformt durch äußere Strukturen, innere Brüche und die stete Suche nach einem Ort – physisch oder mental –, an dem man sich selbst begegnen kann.
Eröffnung:
13.02. ab 19 Uhr
Ausstellungszeitraum:
14.02. - 15.02. täglich 10:00 bis 18:00 Uhr
Mit ihren Arbeiten schließen die drei ihren Master Kommunikationsdesign mit Schwerpunkt Fotografie an der HAW Hamburg ab. Mehr zum Studium Kommunikationsdesign.