| Pressemitteilung

Junge Engagierte unter Druck

Eine aktuelle Studie von Dr. Gunda Voigts, Professorin für Kinder- und Jugendarbeit an der HAW Hamburg, zeigt: Für junge Menschen wird es zunehmend schwieriger, sich ehrenamtlich zu engagieren. Dagegen formulieren die Autor*innen zwölf Handlungsempfehlungen.

Gruppe junger Menschen© DBJR @ Fuchs & Funke/Robert Funke und Kevin Fuchs

Ehrenamtlich engagierte junge Menschen (hier vom Deutschen Bundesjugendring) thematisieren immer mehr fehlende Freiräume, hohe bürokratische Hürden und ungleiche Zugangschancen.

Jugendverbände sind wichtige Orte gesellschaftlicher Teilhabe: Hier übernehmen junge Menschen Verantwortung, sie organisieren Gemeinschaft und gestalten demokratisches Miteinander. Doch für viele wird es zunehmend schwieriger, sich ehrenamtlich zu engagieren, wie eine jetzt veröffentlichte Studie der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg (HAW Hamburg) zeigt.

„Ehrenamtliches Engagement junger Menschen in Jugendverbänden. Ein Praxisforschungsprojekt zur Zukunft von Jugendverbandsarbeit nach Corona“, so der Titel der Studie, durchgeführt gemeinsam mit dem Deutschen Bundesjugendring (DBJR) und gefördert von der Stiftung Jugendmarke e. V. „Junges Engagement steht unter Druck, das zeigen die empirischen Daten deutlich“, resümiert Prof. Dr. Gunda Voigts, Leiterin der Studie und Professorin für Kinder- und Jugendarbeit an der HAW Hamburg.

Zwar erlebten junge Menschen ihr Engagement als sinnstiftend und bereichernd, etwa wenn sie Projekte mit Kindern und Jugendlichen eigenständig gestalteten und dafür positive Rückmeldungen erhielten. Doch zugleich fehle es ihnen häufig an Zeit, Unterstützung und gesellschaftlicher Anerkennung. „Sie engagieren sich mit großer Motivation, sehen sich aber durch Schule, Studium und steigende Anforderungen zunehmend eingeschränkt“, so Voigts.

Die Studie basiert auf einem breiten methodischen Ansatz: Die Autor*innen haben Gruppendiskussionen mit Jugendleiter*innen und Expert*inneninterviews durchgeführt, bundesweite JULEICA-Daten (Jugendleiter*in-Card) ausgewertet und 1.389 junge Engagierte im Alter von 15 bis 27 Jahren online befragt. Die benennen deutliche Hindernisse: fehlende Freiräume, hohe bürokratische Hürden, ungleiche Zugangschancen sowie wachsende pädagogische Anforderungen. Diese Spannungen haben sich seit der Corona-Pandemie weiter verschärft, so die Studie. 

„Jugendverbände müssen neue Wege finden, um junge Menschen für langfristiges Engagement zu gewinnen“, betont Voigts. „Dazu brauchen sie aber auch den Rückenwind aus Politik und Gesellschaft, um verlässliche Rahmenbedingungen zu schaffen.“ Daniela Broda, Vorsitzende des Deutschen Bundesjugendrings, ergänzt: „Die Studie macht sichtbar, was wir in der Praxis seit Jahren beobachten. Sie liefert eine wichtige Grundlage, um die Interessen junger Engagierter stärker in politische Entscheidungen einzubringen.“

Auf Basis der empirischen Ergebnisse formulieren die Autor*innen zwölf Handlungsempfehlungen für die Zukunft des Engagements junger Menschen – von mehr zeitlichen Freiräumen und gesellschaftlicher Anerkennung über bessere Förderstrukturen bis hin zu weniger Bürokratie.  


 

Kontakt

Prof. Dr. Gunda Voigts
Professorin für Grundlagen der Wissenschaft und Theorien Sozialer Arbeit sowie Theorie und Praxis der (offenen) Kinder- und Jugendarbeit
T +49 40 219 04-2531
gunda.voigts (at) haw-hamburg (dot) de

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