Bildung als gemeinsame Aufgabe
Begrüßt wurden die Gäste von Prof. Dr. Ute Lohrentz, Präsidentin der HAW Hamburg. Sie betonte, wie zentral die Verbindung von Forschung und Praxis, von schulischer und hochschulischer Bildung sowie von politischem und zivilgesellschaftlichem Engagement sei, um Bildungswege gerechter zu gestalten – mit der Arbeitsstelle Migration verfüge die HAW Hamburg über eine Struktur, die genau hier ansetze, langfristig handlungsfähig und zugleich krisenfest. Auch Staatsrätin Michaela Peponis (Behörde für Schule, Familie und Berufsbildung) machte deutlich, welches gesellschaftliche Gewicht das Thema hat: „Die Frage, die der Titel dieser Tagung ist, berührt einen Grundgedanken unserer Gesellschaft: Die Überzeugung, dass Herkunft nicht – oder nicht negativ – über Zukunft entscheiden darf.“ Chancengerechtigkeit sei dabei kein einmal erreichter Zustand, sondern eine fortlaufende Aufgabe – der aktuelle Bildungsbericht zeige, dass Bildungsungleichheiten früh entstehen und sich durch den gesamten Bildungsweg ziehen. „Chancengerechtigkeit ist für Hamburg kein politisches Randthema – es gehört zum Kern unseres Verständnisses von Bildung und gesellschaftlicher Teilhabe“, so Peponis weiter. Andrea Thormählen, Leiterin des AMIF-Bewilligungszentrums, unterstrich abschließend, wie innovativ und facettenreich BildungsCHANCE sei: Das Projekt baue Brücken über den gesamten Bildungsweg hinweg, erkenne mitgebrachte Kompetenzen an und fördere sie gezielt – ein modellhaftes, übertragbares Konzept, das hoffentlich auch andere Hochschulen aufgreifen werden.
Erfahrungen aus erster Hand
Wie sich dieser ganzheitliche Ansatz konkret zeigt, wurde direkt im Anschluss auf der Bühne deutlich: Teilnehmende des Projekts berichteten von ihren eigenen Erfahrungen – von der Abiturvorbereitung über die Elternberatung bis zum Vorbereitungsstudium, von der Zusammenarbeit mit Partnerorganisationen bis zur gemeinsamen Freizeitgestaltung. Diese persönlichen Einblicke machten greifbar, was Bildungschancen im Alltag konkret bedeuten können.
Anschließend öffnete Prof. Dr. Mechtild Gomolla, Pädagogische Hochschule Karlsruhe, mit ihrer Keynote zu Inklusion und Diversität als Chance und institutioneller Gestaltungsauftrag für Schule und Hochschule den Reflexionsraum für die Migrationsforschung und die Integrationspraktiken der Arbeitsstelle Migration im Projekt BildungsCHANCE.
Fünf Workshops, fünf Herausforderungen
Nach der Mittagspause ging es thematisch weiter in die Tiefe: In fünf Workshops eröffneten externe Referentinnen sowie Mitarbeitende aus dem Projekt BildungsCHANCE mit Impulsvorträgen die Diskussion zu zentralen Herausforderungen beim Hochschulzugang und -verbleib für Menschen mit Migrationserfahrung. Die Themen reichten von der Anerkennung mitgebrachter Kompetenzen über den Einsatz Künstlicher Intelligenz in Bildungsprozessen, etwa am Beispiel des Programms MyBuddy Programmieren, bis hin zur psychosozialen Stabilisierung als Voraussetzung für Bildungserfolg. Zwei weitere Workshops widmeten sich Peer-to-Peer-Konzepten für Empowerment und Teilhabe sowie der partnerschaftlichen Unterstützung von Familien in der Elternarbeit. Gemeinsam mit den Teilnehmenden wurden dabei unterschiedliche Perspektiven, Erfahrungen und erprobte Lösungsansätze zusammengetragen – aus dem intensiven Austausch entstanden Statements, die im Anschluss im Plenum vorgestellt wurden.
Gemeinsam mit den Teilnehmenden wurden in allen Workshops unterschiedliche Perspektiven, Erfahrungen und erprobte Lösungsansätze zusammengetragen – wichtiges Feedback und kritische Reflexion, welche für die Weiterentwicklung der vorgestellten Ansätze unverzichtbar sind.
Fazit: Gemeinsam weiterdenken
Im abschließenden Plenum kamen die Ergebnisse aller fünf Workshops zusammen: Die dort erarbeiteten Statements wurden vorgestellt und boten einen Überblick über die vielfältigen Perspektiven des Tages. Sie bilden zugleich den Ausgangspunkt für die weitere Arbeit: In Zusammenarbeit mit Teilnehmenden, die ihr weitergehendes Interesse an dem Thema signalisiert haben, wird daraus im Nachgang der Tagung ein Policy Brief erarbeitet.
Die Fachtagung machte deutlich: BildungsCHANCEN für Menschen mit Migrationserfahrung entstehen nicht durch einzelne Maßnahmen, sondern durch das Zusammenspiel von Forschung, Praxis und gelebter Erfahrung. Mit dem geplanten Policy Brief wirkt der Austausch des Tages über die Tagung hinaus.
Die Fachtagung und die Maßnahmen des Projektes BildungsCHANCE der Arbeitsstelle Migration werden aus Mitteln des Asyl-, Migrations- und Integrationsfonds AMIF der Europäischen Union gefördert.
