Kooperative Forschung an der Uni Politécnica de Valencia im Wintersemester 2025/2026

Auf den Gebieten Additive Fertigungsverfahren und Faserverbund-Reparatur existiert zwischen der Universidad Politécnica de Valencia (UPV) und der HAW Hamburg (HAW) eine intensive Forschungskooperation.

Im Wintersemester 2025/2026 hat die Composite Repair Group von Prof. Dr. Markus Linke wieder mal die bestehende Kooperation mit der UPV vor Ort in Valencia „gelebt“. Besondere Gelegenheit dazu bot auch das Forschungssemester von Markus Linke, das einen längeren Aufenthalt in Valencia ermöglichte.

Wissenschaftsmuseum „Ciutat de les Arts i les Ciènces“ © Markus Linke

Wissenschaftsmuseum „Ciutat de les Arts i les Ciènces“

CFK-Reparatur

Im Projekt FastRepair ist ein Berechungsprozess entwickelt worden, mit dem typische Reparaturen an lasttragenden Carbonfaser verstärkten (CFK-)Bauteilen der zivilen Luftfahrt automatisiert und valide als geklebte Verbindung ausgelegt werden können. Das zugrunde liegende Berechnungswerkzeug basiert im Wesentlichen auf dem kommerziellen Finite Elemente Programm Abaqus (Dassault Systemes SA, Frankreich). Mit Hilfe von experimentellen Demonstratorversuchen wird es ausgiebig validiert, und zwar indem Proben für realistische CFK-Reparaturen bis zum Bruch belastet werden. Herausfordernd sind die hohen Lasten von bis zu 500 kN. Die Experimente werden an der UPV in Zusammenarbeit mit den Instituten IDF (Institute of Design and Manufacturing) und ICITECH (Institutot de Investigación de Ciencia y Tecnología del Hormigón) durchgeführt. Die Demonstratorversuche stellen einen wesentlichen Baustein der Doktorarbeit von Arold Nzeke Zedom dar, der über das strukturierte Doktorandenprogramm zwischen der UPV und der HAW promoviert.

Doktorandenkolloquium zu additiver Fertigung und CFK-Kleben

Die aktuellen Forschungsthemen der beiden Forschungsgruppen von Prof. Dr. Antonio Garcia Manrique (UPV) und Prof. Dr. Markus Linke (HAW) wurden in einem Kolloquium am 9. Dezember 2025 intensiv diskutiert. Es handelt sich zum einen um den Bereich der additiven Fertigungsverfahren von großen Faserkunststoffverbundstrukturen. Schwerpunkt sind derzeit Recycling-Verfahren wie auch der Einfluss von Prozessparametern auf die Fertigungsqualität und die mechanischen Eigenschaften. Zum anderen wurde das Thema Kleben in der Luftfahrt behandelt, das intensiv hinsichtlich des Designs, der Berechnung und des experimentellen Nachweises erforscht wird. Die Vortragenden sind in verschiedenen Studienprogrammen an der UPV, der HAW und der École nationale supérieure d'Arts et Métiers (ENSAM) in Paris, Frankreich, eingeschrieben. Die Vortragenden und Präsentationen des Kolloquiums waren:

  • “AI applications for UAVs and composites large format additive manufacturing” von César García Gascón (Doktorand im Doppelabschluss-Programm zwischen ENSAM und UPV)
  • "Fast and reliable design of adhesively bonded Carbon Fiber Reinforced Plastics (CFRPs) repair for primary civil aircraft structures" von Arold Nzeke Zedom (Doktorand im strukturierten Promotionsprogramm der HAW und UPV)
  • “Experimental and numerical investigations on the layup specific behavior of composite bonded joints” von Philip Rose (Doktorand im strukturierten Promotionsprogramm der HAW und UPV)
  • "Finite Element analysis of the influence of the loading angle on the properties of 3D printed structures” von Anton Gnutzmann (Masterstudent an der HAW, online zugeschaltet)
  • “Digital twin for large format additive manufacturing” von Pablo Castello Pedrero (Doktorand im Doppelabschluss-Programm zwischen ENSAM und UPV)
  • “Recycling process in large format additive manufacturing” von Javier Bas Bolufer (Doktorand an der UPV, online zugeschaltet)

Das nächste Doktorandenkolloquium der beiden Forschungsgruppen ist für September 2026 in Hamburg geplant. Wer Interesse hat, mal hineinzuschnuppern, möge sich bei Prof. Dr. Markus Linke (Mail) melden. 

Promotionsprüfung zu recyclierbaren Windkraftanlagenflügeln 

Rafael Carnicero Garcia hat seine Dissertation mit dem Titel „Implementación de nuevos composites basados en resinas termoplásticas fácilmente reciclables en palas de aerogeneradores“ (Einsatz neuer Verbundwerkstoffe auf Basis leicht recycelbarer thermoplastischer Harze in Windkraftanlagenflügeln) sehr erfolgreich am 25. November 2025 an der UPV verteidigt. Herr Carnicero Garcia hat nicht nur seine Forschungsergebnisse über einen recyclierten Demonstrator eines Windturbinenrotors sehr präzise und anschaulich in einem 45minütigen Vortrag präsentiert, sondern er konnte auch die intensiven und kritischen Fragen der Prüfungskommission in einem 75minütigen Prüfungsgespräch überzeugend beantworten. Die HAW Hamburg war in der Prüfungskommission als Gutachter beteiligt. Es handelt sich um das Doktorandenprogramm, das auch Studierenden der HAW Hamburg offensteht (strukturiertes Doktorandenprogramm zwischen der UPV und HAW). Von daher vielleicht für Studierende mit Promotionswunsch interessant: Nach Einreichung der Dissertation beurteilen zwei Gutachter (bei Herrn Carnicero u.a. Prof. Dr. Markus Linke der HAW), ob die Dissertation zur Prüfung zugelassen wird. Nach Zulasssung erhält der Kandidat/die Kandidatin die Möglichkeit zur Verbesserung der Dissertation. Abschließend findet die Disputation statt, auf deren Grundlage drei weitere Guachter*innen die Promotionsleistung bewerten. Die Mitglieder der Prüfungskomission dürfen nicht an der Betreuung des/der Promovierenden beteiligt gewesen sein. 

Leben in Valencia 

An das Leben in Valencia kann man sich schnell gewöhnen, nahezu das ganze Jahr herrscht gutes Wetter. Mit ungefähr 2.700 Sonnenstunden und einer Durchschnittstemperatur von ca. 19° C im Jahr ist die Stadt ein ideales Ziel, um der kalten Jahreszeit im Spätherbst und Winter in Deutschland zu entfliehen. Dieses sommerliche Klima charakterisiert hervorragend Valencianer*innen, die sich stets als freundliche und aufgeschlossene Menschen zeigen. Die Lebenshaltungskosten sind im Vergleich zu anderen europäischen Metropolen sehr gering. So gibt man für ein einfaches Frühstück aus getoastetem Baquette mit dem landestypischen Tomatenpürre und einem hervorragenden Kaffee wie Cortado oder Cafe con leche normalerweise 2,40 € aus. Die gut ausgebauten öffentlichen Verkehrsmittel kosten bei Nutzung einer 10er-Karte weniger als 60 Cent je Fahrt. Und wer lieber mit dem Rad unterwegs ist, kann dies auf gut ausgebauten Radwegen innerhalb des gesamten Stadtgebietes wie im Turia-Park tun, der sich als grüne Lunge um das Stadtzentrum auf einer Gesamtlänge von ca. 9 km legt. Nicht umsonst ist Valencia unter anderem wegen seiner vielen grünen Parks und Naturgebiete wie El Saler oder Albufera zur „Europäischen Grünen Hauptstadt 2024“ gekürt worden. Sportlich und kulturell hat Valencia natürlich auch viel zu bieten.

Studierendenaustausch zwischen HAW und UPV

Die Composite Repair Group der HAW Hamburg arbeitet seit über 10 Jahren mit der UPV zusammen. Sehr interessante gemeinsame Forschungsarbeiten sind während des Forschungsaufenthalts von Prof. Dr. Markus Linke an der UPV definiert worden, die auch von Studierenden der HAW bearbeitet werden können. Aktuelle Themen finden sich auf dem Info-Screen der Fakultät LFS. Diese Arbeiten reihen sich ein in die zahlreichen Projekt-, Studien- und Abschlussarbeiten, die in Zusammenarbeit mit der UPV in der Vergangenheit angefertigt wurden. Darüber hinaus ist ein Studiensemester an der UPV über ein Austauschprogramm möglich. Interessierte Studierende sind eingeladen, sich bei Prof. Dr. Markus Linke (Mail) zu den entsprechenden Austauschmöglichkeiten zu melden.

Text: Prof. Dr. Markus Linke

Kontakt

Prof. Dr.-Ing. Dipl.-Kfm. Markus Linke

markus.linke(@)haw-hamburg.de

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