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Nur deine Ambitionen setzen dir Grenzen

Luciano Carricart glaubte, dass ein Studium außerhalb seines Heimatlandes Argentinien keine Option sei. Bis ihn die COVID-19-Pandemie aus seiner Komfortzone herausdrängte und auf einen Weg führte, der ihn zunächst nach Saudi-Arabien und dann nach Deutschland brachte. Im ersten Land fand er die Liebe, im zweiten seine Leidenschaft.

Male student sitting in front of a university logo© HAW Hamburg/I.Weatherall

Luciano Carricart, Information Engineering student 2026

Luciano ist Bachelor-Student im vierten Semester im Fach Information Engineering. In Argentinien hatte er sich für ein Ingenieurstudium entschieden, weil Elektronik „sein Ding“ war. Doch schon bald wurde ihm klar, dass sein eigentliches Interesse den Mikrocontrollern galt. Während er noch darüber grübelte, ob seine Studienwahl richtig gewesen war, brach die COVID-19-Pandemie aus, und der Hochschulbetrieb wurde auf Online-Unterricht umgestellt. Der Mangel an praktischen Laborarbeiten und die eingeschränkten sozialen Kontakte führten zu schlechten Studienleistungen und einem Motivationsverlust. Also traf Luciano eine ungewöhnliche, aber mutige Entscheidung: Im Jahr 2021 zog er nach Saudi-Arabien, um für ein Unternehmen der Hotellerie zu arbeiten. „Ich hatte weiter meine klaren akademischen Ziele vor Augen. Diesen Zwischenschritt bin ich gegangen, um meine Kommunikations- und Führungsfähigkeiten sowie meine Englischkenntnisse zu verbessern.“

In Saudi-Arabien nahm sein Leben dann seine erste entscheidende Wende: Er lernte die Frau kennen, die später seine Ehefrau werden sollte. Gemeinsam planten sie den neuen Lebensweg – einen, der dazu führte, dass Luciano sein Studium in Deutschland fortsetzte. „Die neue Perspektive mit meiner Frau war der Grund, warum ich mich für ein Studium im Ausland entschied. Denn erst durch das Gefühl der Sicherheit und des Vertrauens, das meine Frau in mir weckte, fühlte sich die ganze Welt in greifbarer Nähe.“

Wenn man seine Leidenschaft frühzeitig durch Reflexion und Neugier erkundet, findet man heraus, was einen wirklich antreibt.

Im Jahr 2024 zog Luciano nach Deutschland, um mit einem neuen akademischen Schwerpunkt einen Neuanfang zu wagen. Beim Information Engineering gefällt ihm besonders die Schnittstelle zwischen Hardware und Software sowie die Flexibilität des Studiengangs, die es den Studierenden ermöglicht, ihr Studium durch Projekte selbst zu gestalten: „Der Studiengang bereitet die Studierenden auf eine Vielzahl von beruflichen Spezialisierungen vor, darunter künstliche Intelligenz, Mikrocontroller, Kryptografie, Halbleiter, Luft- und Raumfahrt- sowie Automobilsysteme, Robotik, erneuerbare Energien und Softwareentwicklung. Mit anderen Worten: Nur deine Ambitionen setzen dir Grenzen.“

Zwei weitere Aspekte des Studiums sind für Luciano wichtig. Zum einen ist es das internationale Flair, da mehr als vierzig Nationalitäten in dem Studiengang vertreten sind. Zum anderen mag er die Art und Weise, wie die Professor*innen studentische Projekte fördern und interdisziplinäre Kooperationen ermöglichen. Luciano war einer von sieben Studierenden, die im zweiten Semester dem HAW Hamburg Avionics Team beitraten. Gemeinsam entwickelten sie im Rahmen eines internationalen Wettbewerbs des Kompetenzzentrums Neues Fliegen e.V einen Datenlogger für Flugzeuge. Dieses Gerät kann die Flugdaten in Echtzeit erfassen. Seine neu erworbenen Fähigkeiten führten wiederum zu einer Stelle als Werkstudent bei NXP Semiconductors, einem Hersteller von Mikrocontrollern.

Mit siebenundzwanzig ist Luciano älter als viele seiner Kommiliton*innen im Bachelorstudium. Nicht unbedingt ein Nachteil, denn durch seine Berufs- und Lebenserfahrungen weiß er, wie man erfolgreich studiert und worauf Arbeitgeber Wert legen. Aus Eigeninitiative organisiert er zusammen mit seiner Kommilitonin Jinju Ok einen wöchentlichen Stammtisch, bei dem sie Erstsemestern helfen, Aufgaben zu lösen und Prüfungen zu bestehen. Und er ermutigt andere internationale Studierende, sich auf ihre Leidenschaft zu fokussieren, indem sie an Projekten teilnehmen und praktische Erfahrungen innerhalb und außerhalb der Universität sammeln: „Wenn man seine Leidenschaft frühzeitig durch Reflexion und Neugier erkundet, findet man heraus, was einen wirklich antreibt. Gute Noten sind sehr wichtig, aber praktische Erfahrungen sind ein Muss, um den eigenen Karriereweg zu finden.“

Der Wunsch, zu seiner Frau zurückzukehren, die noch in Saudi-Arabien lebt, motiviert Luciano, gute Leistungen zu erbringen und sein Studium in der Regelstudienzeit abzuschließen. Ein Grund, warum er im Sommersemester 2026 für seine hervorragenden Noten ein Leistungsstipendium erhielt. Für Dominique da Silva, die im International Office das Leistungsstipendienprogramm koordiniert, ist Luciano ein Vorzeige-Student: “Luciano ist ein weiteres hervorragendes Beispiel dafür, wie unsere internationalen Studierenden unsere Campus-Gemeinschaft stärken und bereichern und wie ein Sprung ins Ungewisse ein Wendepunkt im Leben sein kann.” Und für Luciano hat die Entscheidung sich allemal gelohnt: „Ich kann sagen, dass es eine der prägendsten Entscheidungen meines Lebens war, ins Ausland zu gehen und so ein Teil einer Gemeinschaft zu werden. Ich hielt ein Studium im Ausland für mich für utopisch, aber man kann so viel erreichen, wenn man es nur versucht!“

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Text & Foto: Ingrid Weatherall

Leistungsstipendienprogramm der HAW Hamburg

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Ingrid Weatherall
International Office

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