Rechtlicher Code of Conduct für Studium und Lehre

Ein Mitschnitt aus der Vorlesung, Screenshots der Vorlesungsfolien oder das Hochladen von Lehrmaterialien oder studentischen Arbeiten in KI-Tools: Was technisch einfach ist, ist rechtlich und ethisch nicht automatisch erlaubt. Die Code-of-Conduct-Materialien zu Rechtsfragen in der Lehrveranstaltung der HAW Hamburg – ein FAQ, ein Foliensatz sowie Kurzvideos – schaffen Orientierung für den Hochschulalltag und machen transparent, welche Rechte, Pflichten und Grenzen für Studierende und auch Lehrende gelten.

Menschen, die mit Smartphones Bilder machen© JackF / Adobe Stock

Ein Mitschnitt aus der Vorlesung oder das Hochladen von Lehrmaterialien und studentischen Arbeiten in KI-Tools: Was technisch einfach ist, ist rechtlich und ethisch nicht automatisch erlaubt.

Die Materialien wurden von Andrea Schlotfeldt und Ellen Pflaum vom Team der Hamburg Open Online University (HOOU) gemeinsam entwickelt. „Nicht wenige Lehrende kennen es aus ihren Lehrveranstaltungen: Studierende zeichnen zum Nachhören die Vorlesung kurzerhand auf. Das kann gute Gründe haben, etwa krankheitsbedingte Abwesenheiten von Kommiliton*innen oder Sprachbarrieren. Aber oft bleibt außer Acht, ob das überhaupt erlaubt ist und welche Wirkung solche Aufzeichnungen auf das Verhalten der Lehrenden und auch Studierenden haben können, zumal wenn Aufnahmen dauerhaft gespeichert oder sogar auf Social Media geteilt werden“, so Andrea Schlotfeldt. „Lehrveranstaltungen sind ein geschützter Raum, der von Offenheit und Vertrauen lebt. Mit unseren Materialien möchten wir Studierende und auch die Lehrenden für die rechtliche Dimension der genannten Vorgänge sensibilisieren.“

Lehrveranstaltungen sind ein geschützter Raum, der von Offenheit und Vertrauen lebt. Mit unseren Materialien möchten wir Studierende und auch die Lehrenden für die rechtliche Dimension der genannten Vorgänge sensibilisieren.

Andrea Schlotfeldt, HOOU

Die Fragestellungen reichen dabei von der Aufzeichnung von Lehrveranstaltungen über das Teilen von Lehrmaterialien auf Social Media oder in Messenger-Diensten wie WhatsApp oder Telegram bis hin zum Hochladen von Skripten in KI-Tools zur Übersetzung oder Zusammenfassung. 

Aus den Materialien geht hervor, dass eigenständige Audio- oder Videoaufnahmen von Lehrveranstaltungen grundsätzlich nicht erlaubt sind. Betroffen sind dabei Persönlichkeits-, Urheber- und Datenschutzrechte von Lehrenden und, je nach Beteiligung, auch Studierenden. Sollten doch unabgesprochene Mitschnitte vorliegen, dürfen diese weder veröffentlicht noch über Social Media, Messenger oder Plattformen wie Discord oder LinkedIn geteilt werden. Bezüglich Lehrmaterialien gilt, dass diese grundsätzlich nur mit Teilnehmenden derselben Lehrveranstaltung geteilt werden dürfen. Eine Weitergabe an Außenstehende oder größere Messenger-Gruppen ist ohne Zustimmung der Lehrenden nicht erlaubt. Ausnahmen gelten bei offen lizenzierten Materialien, beispielsweise unter Creative Commons.

„Uns geht es dabei um einen gegenseitig respektvollen Umgang – denn selbstverständlich betreffen die Aspekte nicht nur Studierende. Lehrende sollten sich ebenfalls an den rechtlichen Vorgaben orientieren und beispielsweise keine Arbeiten von Studierenden in KI-Tools oder -Detektoren hochladen oder ungefragt Inhalte aus Abschlussarbeiten nutzen,“ so Schlotfeldt weiter. 

Um die jeweiligen Zielgruppen des Code of Conduct bestmöglich abzuholen, sind die Inhalte für Studierende auf der HOOU-Plattform im Lernangebot „Gute wissenschaftliche Praxis - Verantwortung von Anfang an“ abrufbar. Hier finden sie im Abschnitt „GWP konkret: Redliches und verantwortungsvolles Verhalten im Studium“ 1-2-minütige Videos, eingesprochen von Ellen Pflaum, sowie eine Aufbereitung der Fragestellungen in Textform. Für Lehrende gibt es im Webauftritt des Zentrums für Lernen und Lehren (ZLL) die PowerPoint-Präsentation mit Rechtsinformationen und Folienvorlagen, die Lehrende in ihren Lehrveranstaltungen zur Sensibilisierung der Teilnehmenden nutzen können sowie ein FAQ mit sieben Fragestellungen.

„Wir besprechen derzeit, auf welchen Wegen und Kanälen wir zusätzlich auf das Thema aufmerksam machen können“, sagt Andrea Schlotfeldt. „Und natürlich werden sich die Materialien aufgrund der schnellen Veränderungen im digitalen Raum weiterentwickeln, so dass wir uns freuen, von Studierenden und Lehrenden weitere Aspekte zu diesem Thema zu hören, die wir aufnehmen könnten.“

Natürlich werden sich die Materialien aufgrund der schnellen Veränderungen im digitalen Raum weiterentwickeln, so dass wir uns freuen, von Studierenden und Lehrenden weitere Aspekte zu diesem Thema zu hören, die wir aufnehmen könnten.

Andrea Schlotfeldt

Die Materialen stehen zusätzlich als OER auch weiteren Hochschulen zwecks Nachnutzung zur Verfügung.  

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