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Auszeichnung Department Design

Sonderpreis für Professorin Anke Feuchtenberger

Mit Anke Feuchtenberger wird eine außergewöhnliche Künstlerin und Professorin am Department Design der HAW Hamburg mit dem Max und Moritz-Preis für ihr Lebenswerk ausgezeichnet. Die Jury würdigt den enormen Einfluss einer Künstlerin, die in Werk und Lehre immer "ein Labor" für die Erforschung von narrativem Neuland sieht.

Der Max und Moritz-Preis wird durch eine von der Stadt Erlangen berufene unabhängige Fachjury vergeben und trägt seit bald 40 Jahren wesentlich zur künstlerischen und gesellschaftlichen Anerkennung des Comics in Deutschland bei. Mit dem Preis wird die Arbeit herausragender Künstlerinnen und Künstler gewürdigt, verdienstvolle Verlagsarbeit bestärkt, auf Nachwuchstalente aufmerksam gemacht und die qualitative Auseinandersetzung mit grafischer Literatur gefördert.

Der 19. Internationale Comic-Salon Erlangen, der vom 11. bis 14. Juni 2020 stattgefunden hätte, musste aufgrund der Corona-Pandemie abgesagt werden. Der Max und Moritz-Preis, die wichtigste Auszeichnung für grafische Literatur und Comic-Kunst im deutschsprachigen Raum, wird in diesem Jahr dennoch vergeben.  Anke Feuchtenberger wird mit dem Sonderpreis für ein herausragendes Lebenswerk ausgezeichnet, Julia Bernhard für das beste deutschsprachige Comic-Debüt. Für die weiteren Kategorien haben Jury und Publikum 25 Titel nominiert.

Nominiert für den Publikumspreis ist auch die Arbeit "Über Spanien lacht die Sonne" der Masterstudentin Kathrin Klingner. Hier kann abgestimmt werden.

Die Preisträgerinnen und Preisträger werden am 10. Juli 2020 in Form eines Videostreams bekannt gegeben. An diesem Tag startet der „Digitale Comic-Salon“, eine neue Social-Media-Plattform für die deutschsprachige Comic-Szene.

Der Jury gehören in diesem Jahr an: Christian Gasser (Autor, Dozent an der Hochschule Luzern – Design & Kunst), Andrea Heinze (Journalistin, Berlin), Andreas C. Knigge (Journalist und Publizist, Hamburg), Katinka Kornacker (Geschäftsführerin COMIX – Comicbuchhandlung Hannover), Isabel Kreitz (Comic-Zeichnerin, Hamburg), Christine Vogt (Leiterin der Ludwiggalerie Schloss Oberhausen) und Bodo Birk (Leiter des Internationalen Comic-Salons Erlangen).

Laudatio von Brigitte Helbling Berlin

"Wir stellen uns Anke Feuchtenberger vor, wie sie durch ihre nach Westen nunmehr geöffnete Stadt streift, der Sohn, Leo, ein Kleinkind im Tragetuch, ein Kunsthochschulabschluss in der Tasche, eine beunruhigend offene Zukunft vor Augen, ein Können und eine Schaffenswut in sich, die uns schon mit den allerersten Bildern förmlich ins Gesicht sprangen. Einflüsse von tschechischen Kinderbüchern, russischer Avantgarde, DDR-Graphikern wie Volker Pfüller – was für ein radikal-eigenwilliger Blick sich damals mit ihr und vielen anderen (Ost und West im glücksvollen Ineinander!) in der neu vereinten Comic- und Graphikszene auftat. Frühe Plakate, die Feuchtenberger nebst Bühnenbildern für das innovativ-experimentelle Theaterhaus Jena machte, hängen heute noch im Treppenhaus des Theaters, sofort erkennbar als ihr Werk. Erste Comic-Geschichten erschienen beim Verlag Jochen Enterprises, wo eine Zeit lang jeder und jede hinging, um dieses plötzlich neue, plötzlich grandios-eigenwillige Comic-Erzählen zu erleben – die älteren Comicfreunde nicht immer ganz sicher, ob das, was hier kam, tatsächlich noch „Comics“ waren ... Es roch nach Aufbruch, nicht nur in Berlin. Grenzsprenger*innen waren in diesen ersten Jahrzehnten um die Jahrtausendwende auch im frankobelgischen Raum, in Italien, in Finnland, in der Schweiz unterwegs, in den USA ohnehin. Und Frauen, immer mehr Frauen drangen in eine Szene, in der bislang eher die Jünglingsfantasien dominiert hatten. Eine zunehmend international vernetzte Comic-Avantgarde erschloss sich das Glück des freien Falls – und des Fliegens. Und mittendrin, oft auch vorneweg, stand Anke Feuchtenberger mit Werken wie „Mutterkuchen“, „Somnambule“ „Das Haus“, „Der Palast“, „Die Hure H.“ (mit Katrin de Vries), „Die hollandische Schachtel“ ... Jochen Enterprises gab es schon acht Jahre nach seiner Gründung 1992 nicht mehr, Feuchtenbergers weiteren Comics erschienen unter anderem bei Reprodukt und der Edition Moderne, später auch in ihrem eigenen „MamiVerlag“, dessen wunderschön gearbeitete Bücher sie ab 2007 über zehn Jahre lang mit dem italienischen Comic-Künstler Stefano Ricci herausbrachte. Seit 1997 unterrichtet Feuchtenberger als Professorin an der Hamburger Hochschule für Angewandte Wissenschaften, offiziell für Visuelle Kommunikation und Illustration, in der Praxis immer mit dem Blick auf das Comic-Erzählen. Aus dieser Lehre sind zahlreiche Comic-Künstler*innen und Comic-Innovator*innen hervorgegangen, prägende Gestalten einer nächsten „Avantgarde“, nicht wenige davon inzwischen selbst in der Lehre tätig. Michael Jordan. Birgit Weyhe. Sascha Hommer. Line Hoven. Arne Bellstorf. Jan Soeken. Marijpol. Alice Socal. Jul Gordon und viele mehr. „Niemand sonst setzt als akademischer Lehrer derzeit beim Zeichner*innennachwuchs solche künstlerischen Energien frei“, schrieb Andreas Platthaus über Anke Feuchtenberger. Das mag auch daran liegen, dass diese Künstlerin und Professorin Lehre und Austausch mit Student*innen immer als Labor für die Erforschung von narrativem Neuland nutzt. Seit längerem kreisen Feuchtenbergers Erkundungen um den von ihr so benannten „Graphic Essay“. Wie könnte ein non-lineares Erzählen in der Nachfolge Montaignes aussehen? Wie ein Weltblick, der seinen Ursprung in der Bewegung des Zeichenstifts findet? Wie ein „allmähliches Verfertigen der Gedanken beim Zeichnen“? Antworten darauf gibt Feuchtenbergers ganzes Werk, und neuerdings immer gezielter, traumhaft konkret ihre Graphic Essays aus Städten wie Rom oder Paris. Als eine andere Art von „Graphic Essay“ lässt sich auch der wabenartige, ungeheuer beeindruckende Altar „Tracht und Bleiche“ lesen, den Feuchtenberger 2018 für das Landesmuseum Münster schuf. Und demnächst, mit Neugier und Vorfreude erwartet: Das umfangreiche Werk, an dem die Künstlerin seit Jahren arbeitet: „Ein deutsches Tier im deutschen Wald“. Die Veröffentlichung steht bevor; erste Einblicke sind überwältigend. Antworten geben aber auch viel beachtete Publikationen ehemaliger Student*innen wie Nacha Vollenweider oder Magdalena Kaszuba; und aktuell – just zum nicht stattfindenden Internationalen Comic-Salon 2020 – die wunderschöne Veröffentlichung im Zeitungsformat „Cartoline Da Qui“, die internationale Teilnehmer*innen mehrerer Workshops mit Feuchtenberger und Ricci vorstellt.
4 Schaffen und Fördern. Und dabei immer die Herausforderung an sich selbst im Blick behalten, tiefer eintauchen, weitersuchen, das graphische Erzählen nochmal neu und anders denken: Die Essenz einer Laufbahn, 30 Jahre einer Comic-Künstlerin, die jetzt, hochverdient den Sonderpreis für ein herausragendes Lebenswerk der Max und Moritz-Jury erhält."

Kontakt

Department Design
Prof. Anke Feuchtenberger
Professorin für Zeichnen und Medienillustration
anke.feuchtenberger (@) haw-hamburg.de
Anke Feuchtenberger

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