Staatsrätin für Gesundheit referiert in der Ringvorlesung

Prof. Dr. Ute Lohrentz, Dekanin der Fakultät W&S eröffnete im Rahmen der vom Competence Center Gesundheit (CCG) der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg ausgerichteten Ringvorlesung mit dem Thema „Aktuelle Gesundheitspolitik: Gesetze für die Praxis?“ eine Vorlesung mit der Staatsrätin für Gesundheit Melanie Schlotzhauer. Der Vortrag der Staatsrätin beschäftigte sich mit der „Gestaltung von Gesundheitspolitik und dem Zusammenspiel der Akteure des Bundes und der Länder in Zeiten der Corona-Pandemie“. Besondere Aktualität erhielt der Beitrag an diesem Abend zusätzlich, da zeitgleich die Bundeskanzlerin und die Ministerpräsidentinnen und Ministerpräsidenten der Bundesländer über gemeinsame Maßnahmen im Sinne eines eingegrenzten Lockdowns zur Eindämmung der sich im exponentiellen Wachstum befindlichen Inzidenzen berieten. Frau Schlotzhauer wies gleich zu Beginn ihres Vortrages darauf hin, dass sie weitere Maßnahmen angesichts der aktuellen Lage für notwendig erachtet. Diese sind u. a. notwendig, um den Gesundheitsämtern die Nachverfolgung von Kontakten weiter zu ermöglichen.
Der Vortrag von Frau Schlotzhauer bot einen umfassenden Überblick über den organisatorischen Aufbau der kommunalen Gesundheitspolitik in Hamburg und ermöglichte einen detaillierten Einblick in die Zusammenarbeit der Aktions- und Entscheidungsträger. Aufgrund der aktuellen Situation verbanden sich allgemeine Informationen zu gesundheitspolitischen Gremien, Kooperationspartnern und Institutionen mit den pandemiebedingten Maßnahmen und den daraus resultierenden Ausnahmesituationen für Bund und Länder. Während und nach ihrem Vortrag moderierte Dr. Andreas Meusch die Diskussionen, die sich u.a. auch kritisch mit der derzeitigen politischen Vorgehensweise auseinandersetzte.
Die kommunale Gesundheitspolitik führte bis zum Ausbruch der Pandemie laut Frau Schlotzhauer ein Schattendasein. Durch das Auftreten von Covid-19 sei die Bedeutung des Öffentlichen Gesundheitsdienstes (ÖGD) wieder in den Vordergrund getreten. Ähnliches räumt sie dem inzwischen oft diskutierten und kritisch hinterfragten Infektionsschutzgesetz ein, dessen enorme Tragweite kaum jemandem vor Eintritt der Pandemie bewusst war.
Die relevanten Herausforderungen ihrer Behörde bleiben jedoch neben der Pandemie nach wie vor der demografische Wandel sowie der Klimawandel, die Digitalisierung und die Globalisierung, was eine Aufstockung der Ressourcen im Sinne des Paktes für den Öffentlichen Gesundheitsdienst – personell, finanziell aber vor allem auch infrastrukturell – zwingend notwendig macht. Dabei werden die personellen Ressourcen nicht mehr allein auf die medizinischen Professionen beschränkt. Im Gegenteil, Berufsfelder wie die der Public Health oder der Gesundheitswissenschaften sollten in die Gestaltung von Strategien und Handlungskonzepten ebenso mit einbezogen werden. Auf der Agenda von Frau Schlotzhauer steht, neben der Bewältigung der pandemischen Situation auch die weitere Vertiefung der Zusammenarbeit zwischen den Arbeitsbereichen der ehemals getrennten Sozial- und Gesundheitsbehörde. Ziel hierbei sei, Angebote für vulnerable Gruppen bis auf die Quartiersebene zu übersetzen, zu verschränken und zu vernetzen, um sie effizienter und zielgruppenspezifischer einsetzen zu können.
Darüber hinaus widmet sich Frau Schlotzhauer der Zukunft des Krankenhauses Groß Sand.  Wie ist es um die Gesundheitsversorgung einer Region bestellt, wenn ein so bedeutender Akteur aufgrund einer instabilen finanziellen Situation in solch unruhiges Fahrwasser gerät? Besonderen Wert legt die Staatsrätin auf den sektorenübergreifenden Interventionsansatz im Sinne von „Health in all Policys“, um ein Handeln auf landes- und kommunaler Ebene miteinander zu verbinden.
Auf die (kommunale) Gesundheitspolitik kommen große Herausforderungen zu, denn das politische System muss im Sinne der Corona-Maßnahmen „auf Sicht fahren“, d.h. Maßnahmen schnell umsetzen, ihre Wirksamkeit überprüfen und ggf. nachsteuern. Bis zum Ausbruch der Pandemie war diese Handlungsweise keine geübte Option, doch nun ist sie die wichtigste geworden. Frau Schlotzhauer nennt in diesem Zusammenhang als erschwerenden Faktor die sogenannte „VUKA“-Welt (ein Akronym aus den Wörtern Volatilität, Unsicherheit, Komplexität und Ambivalenz, bezogen auf die Arbeitswelt), die schnell, kompliziert und unvorhersehbar ist und somit Schwankungen und Unsicherheiten unterliegt. Corona hat diese Faktoren vervielfältigt und die Akteure der kommunalen Gesundheitspolitik vor viele zu bewältigende Herausforderungen gestellt.

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