„Unser Gesundheitssystem ist nicht so inklusiv, wie wir es gerne hätten“, sagt Prof. Dr. Sabine Wöhlke, examinierte Krankenpflegerin, promovierte Medizinanthropologin und Professorin für Gesundheitswissenschaft und Ethik. Zusammen mit Co-Autor und Kulturanthropologe Manuel Bolz zeigt sie in einer aktuellen Studie, dass trans* Kinder und Jugendliche aufgrund von psychopathologischen Zuschreibungen im Versorgungsalltag strukturelle Benachteiligung und Stigmatisierung erleben – oft subtil und häufig unbeabsichtigt, doch tief verankert im Gesundheitswesen.
„Wir müssen uns vor Augen führen, dass es hier nicht um das Verhalten einzelner Ärzte oder Pflegekräfte geht“, erklärt Wöhlke. „Wir müssen das Gesamtsystem betrachten. Hier muss ein Umdenken stattfinden, das die Vielfalt der Patient*innen in den Vordergrund stellt und sensibilisiert für die Bedürfnisse transgeschlechtlicher Kinder und Jugendlicher.“
Um dieser Entwicklung entgegenzuwirken, stellen die beiden Autoren didaktisches Material für Pflegende bereit. Denn auch diese sind eine Berufsgruppe, die sich kontinuierlich auch zu diesen Themen weiterbilden sollten. Die Autoren plädieren für eine Verantwortungsübernahme von Pflegenden und das Auflösen von Machthierarchien. Wöhlke und Bolz empfehlen außerdem, einen Diversitäts-Kompetenz in Ausbildung und Praxis aufzubauen, um moralische Haltungen zu reflektieren und Strukturen im Gesundheitssystem zu verändern – beispielsweise indem Formulare inklusiver und Kommunikationsstandards sensibler werden.
Hier geht es zu den Ergebnissen der qualitativen Studie und zum didaktischen Material
