Herr Prof. Lewandowski, welche Such- und KI-Tools nutzen Sie in Ihrem Arbeitsalltag?
Dirk Lewandowski: Ich teste berufsbedingt sehr viele Suchtools. Eine bewusste Auswahl ist das für mich oft gar nicht – ich schaue mir eben an, was auf dem Markt ist und probiere alles konsequent durch, denn das ist die Grundlage für unsere späteren systematischen Tests. Natürlich muss ich dabei den Überblick behalten. Und es ist sicher keine Überraschung, dass ich auch sehr viel Google benutze. Das entspricht ja dem allgemeinen Nutzungsverhalten. Grundsätzlich lassen sich Alltagsaufgaben aber mit fast jedem dieser Tools zufriedenstellend erledigen. Es gibt keine zwingende Notwendigkeit, eine ganz bestimmte Suchmaschine zu verwenden.
Das scheint die überwiegende Mehrheit der Nutzer*innen aber nicht zu interessieren. Google dominiert den Suchmaschinenmarkt nach wie vor.
Dirk Lewandowski: Dabei sollte man meinen, der Einfluss sei geringer geworden, seit Tools wie ChatGPT auf dem Markt sind, die Google angeblich das Wasser oder zumindest Marktanteile abgraben. In den Zahlen können wir das allerdings nicht sehen. Es scheint eher so, dass der Kuchen insgesamt größer geworden ist und Platz für mehr Anbieter bietet. Schaut man in die Bilanzen von Google, hat das Unternehmen im letzten Jahr mehr Geld verdient als jemals zuvor.
Und der gesellschaftliche Einfluss wächst klar weiter: Seit Google in der Lage ist, direkt im System KI-Antworten auf Suchanfragen zu geben, besteht in vielen Fällen überhaupt keine Notwendigkeit mehr, auf ein anderes System zu wechseln. Der Einfluss wächst auch deshalb, weil diese Antworten sehr überzeugend wirken und man viel seltener direkt auf die Quellen schaut. Die Information wird stark Google selbst zugeschrieben und ihr wird geglaubt, basierend auf dem ohnehin starken Vertrauen in die Suchmaschine.

