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Absolventin Kommunikationsdesign

Wie fühlt sich Rot an?

Design wird meist über das Auge gedacht. Doch wie nimmt ein blinder Mensch Gestaltung wahr? Jana Konrad konnte ihrer blinden Freundin nicht erklären, was sie im Studium Kommunikationsdesign eigentlich macht. Für ihre Bachelorarbeit hat sie das Herausfordernde dieser Frage angenommen und nach Wegen gesucht, Grafikdesign fühlbar zu machen.

Barrierefreiheit wird im Design oft nur als technisches „Add-on” für Websites verstanden. Jana Konrad war das zu wenig. In ihrer Abschlussarbeit „Experiments in_visibility“ erforscht sie, wie man den Entdeckungsprozess von Grafikdesign fühlbar machen kann. © Jana Konrad

Kommunikationsdesignerin vor ihre Arbeit „Experiments in_visibility“, mit der sie ihren Bachelor an der HAW Hamburg machte.

Barrierefreiheit wird im Design oft nur als technisches „Add-on” für Websites verstanden. Jana Konrad war das zu wenig. In ihrer Abschlussarbeit „Experiments in_visibility“ erforscht sie, wie man den Entdeckungsprozess von Grafikdesign fühlbar machen kann. 

Woher stammt die Idee für deine Abschlussarbeit? 
Jana Konrad: Eine Freundin von mir ist seit ihrer Geburt blind. Wir kennen uns schon seit der Grundschule. Ich konnte ihr nie gut erklären, was Grafikdesign ist, was ich als Grafikdesignerin mache, was Gestaltung bedeutet. Ich konnte ihr erklären, an was für einer Aufgabe ich arbeite. Aber der Prozess selbst, der für mich sehr intuitiv ist, blieb für sie immer abstrakt. Gerade die Frage, warum man etwas gestaltet und weshalb bestimmte Entscheidungen wichtig sind, lässt sich kaum vermitteln.
Daraus ist meine zentrale Fragestellung entstanden: Wie kann ich Grafikdesign so gestalten, dass auch Menschen mit Sehbehinderung daran teilhaben können? Für mich ist Barrierefreiheit keine Einschränkung, sondern eine wichtige gestalterische Herausforderung.

Wer oder was hat dich inspiriert? 
Jana Konrad: Auf der Suche nach Vorbildern oder vergleichbaren Ansätzen stieß ich schnell an Grenzen. Zwar gibt es Museen, die mit 3D-Drucken experimentieren, um Bilder haptisch erfahrbar zu machen, und auch im Produktdesign finden sich spannende Beispiele. Ein wirklich konsequent inklusives Grafikdesign lässt sich jedoch kaum finden.
In der Theorie wird viel über Teilhabe gesprochen, in der Praxis wird Grafikdesign jedoch selten zu Ende gedacht. Deshalb habe ich mich stärker in der Kunst umgesehen und meinen Fokus auf den taktilen Zugang verlagert: Wie lässt sich Gestaltung über einen zweiten Sinn, das Fühlen, erforschen? 
Ursprünglich wollte ich eine Website konzipieren. Im Verlauf des Prozesses wurde jedoch deutlich, dass sich echte Barrierefreiheit im Design nur schwer rein digital erfassen lässt – sie muss greifbar werden. Aus der digitalen Idee entwickelte sich daher ein analoges Projekt.Ich begann zu experimentieren, um Wege zu finden, visuelle Gestaltung auch haptisch erfahrbar zu machen. Damit versuche ich, eine Lücke zu adressieren, die im Design bislang kaum konsequent bearbeitet wurde.


                                Barrierefreiheit wird im Design oft nur als technisches „Add-on” für Websites verstanden. Jana Konrad war das zu wenig. In ihrer Abschlussarbeit „Experiments in_visibility“ erforscht sie, wie man den Entdeckungsprozess von Grafikdesign fühlbar machen kann.

Mir wurde dabei deutlich, dass Barrierefreiheit nicht als „zu kompliziert“ abgetan werden sollte. Vielmehr ist sie eine grundlegende gestalterische Aufgabe, die konsequent mitgedacht werden muss.

Worauf bist du besonders stolz?
Jana Konrad: Rückblickend liegt der Kern der Arbeit vor allem darin, dass ich mich auf ein Thema eingelassen habe, für das es kaum Referenzpunkte gibt. Ohne bestehende Konzepte, an denen man sich orientieren konnte, war der gesamte Prozess ein ständiges Experimentieren. Ich bin super froh, dass ich mich von dieser Ungewissheit nicht habe abschrecken lassen. 

Was wäre beinahe schief gegangen? 
Jana Konrad: Eigentlich ist nichts im klassischen Sinne schiefgegangen. Trotzdem gab es einen Moment, in dem ich mich gefragt habe: „Was mache ich hier eigentlich?“ Ich hatte das Gefühl, mich in ein Thema zu begeben, von dem ich selbst noch zu wenig verstand, und musste mir vieles erst Schritt für Schritt erarbeiten. 
Während der Recherche hat mich besonders die Realität von Barrierefreiheit überrascht und auch ernüchtert. Obwohl es gesetzliche Vorgaben gibt, die digitale Barrierefreiheit einfordern, bleibt die Umsetzung in der Praxis oft lückenhaft. Für blinde und sehbehinderte Menschen wird die digitale Welt dadurch nicht unbedingt zugänglicher: Betriebssysteme sind nicht durchgängig barrierefrei, Screenreader sind auf zusätzliche Software angewiesen, und selbst neue Technologien wie KI lösen diese Probleme bisher nicht zuverlässig.

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