Woher stammt die Idee für deine Abschlussarbeit?
Jana Konrad: Eine Freundin von mir ist seit ihrer Geburt blind. Wir kennen uns schon seit der Grundschule. Ich konnte ihr nie gut erklären, was Grafikdesign ist, was ich als Grafikdesignerin mache, was Gestaltung bedeutet. Ich konnte ihr erklären, an was für einer Aufgabe ich arbeite. Aber der Prozess selbst, der für mich sehr intuitiv ist, blieb für sie immer abstrakt. Gerade die Frage, warum man etwas gestaltet und weshalb bestimmte Entscheidungen wichtig sind, lässt sich kaum vermitteln.
Daraus ist meine zentrale Fragestellung entstanden: Wie kann ich Grafikdesign so gestalten, dass auch Menschen mit Sehbehinderung daran teilhaben können? Für mich ist Barrierefreiheit keine Einschränkung, sondern eine wichtige gestalterische Herausforderung.
Wer oder was hat dich inspiriert?
Jana Konrad: Auf der Suche nach Vorbildern oder vergleichbaren Ansätzen stieß ich schnell an Grenzen. Zwar gibt es Museen, die mit 3D-Drucken experimentieren, um Bilder haptisch erfahrbar zu machen, und auch im Produktdesign finden sich spannende Beispiele. Ein wirklich konsequent inklusives Grafikdesign lässt sich jedoch kaum finden.
In der Theorie wird viel über Teilhabe gesprochen, in der Praxis wird Grafikdesign jedoch selten zu Ende gedacht. Deshalb habe ich mich stärker in der Kunst umgesehen und meinen Fokus auf den taktilen Zugang verlagert: Wie lässt sich Gestaltung über einen zweiten Sinn, das Fühlen, erforschen?
Ursprünglich wollte ich eine Website konzipieren. Im Verlauf des Prozesses wurde jedoch deutlich, dass sich echte Barrierefreiheit im Design nur schwer rein digital erfassen lässt – sie muss greifbar werden. Aus der digitalen Idee entwickelte sich daher ein analoges Projekt.Ich begann zu experimentieren, um Wege zu finden, visuelle Gestaltung auch haptisch erfahrbar zu machen. Damit versuche ich, eine Lücke zu adressieren, die im Design bislang kaum konsequent bearbeitet wurde.