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Studiengangsleiter Prof. Dr. Christian Stöcker

Christian Stöcker, Ex-Ressortleiter "Netzwelt" und Kolumnist bei SPIEGEL ONLINE, leitet den neuen Master-Studiengang Digitale Kommunikation. Im Interview verrät er seine Ziele.

Warum wechseln Sie vom Journalismus an die Hochschule?

Weil ich sehr gerne mit Studierenden zusammenarbeite und weil ich überzeugt bin, dass Journalisten und Kommunikatoren heute anders ausgebildet werden müssen, als das bislang in Deutschland meistens der Fall ist. In über elf Jahren in der Redaktion von SPIEGEL ONLINE, fünf davon als Leiter des Ressorts Netzwelt, war der digitale Medienwandel mein journalistisches Kerngeschäft. Ich halte es für einen logischen Schritt, das Thema jetzt auch in der Ausbildung und in der Forschung anzugehen.

Was sind die größten Auswirkungen des digitalen Wandels für den Journalismus?

Die Arten und Formen, in denen Journalismus und Kommunikation ihre Adressaten erreichen, die Verbreitung von Nachrichten und die globale Debatte über sie haben sich binnen weniger Jahre grundlegend verändert: Vom Siegeszug der Videospiele bis zum Aufstieg der YouTuber, vom Katzencontent über Anonymous bis hin zur sozial-medialen Echtzeitberichterstattung über Terror, Krieg und Katastrophen, von Mark Zuckerberg bis Edward Snowden. Medienhäuser, PR- und Werbeagenturen und auch die Marketing- und Kommunikationsabteilungen von Unternehmen und NGOs müssen umdenken. Ihnen standen noch nie so vielfältige und mächtige Werkzeuge zur Verfügung, von der Recherche bis zur Verbreitung und Diskussion ihrer Botschaften.

Welche Kompetenzen muss ein Qualitäts-Onlinejournalist heutzutage haben?

Es gibt völlig neue Wege, Informationen aufzubereiten, Geschichten zu erzählen und seine Zielgruppe zu erreichen. All das muss ein Journalist heute nicht nur wissen, sondern wirklich begreifen. Dazu gehört neben der klassischen Ausbildung zum Beispiel auch ein Grundverständnis der Funktionsweisen von sozialen Medien oder Suchmaschinen. Gleichzeitig geht es gerade in dieser Zeit nicht ohne die klassischen Tugenden, denn ohne die gibt es keine Glaubwürdigkeit und kein Publikum: Unabhängigkeit, gründliche Recherche und Verifikation, präzise, im Idealfall schöne Schreibe, souveräner Umgang mit klassischen ebenso wie crossmedialen Darstellungsformen, Hartnäckigkeit, Gespür für Themen, Verständnis für Zusammenhänge, Erklärkompetenz. Fast all das trifft übrigens auf andere Kommunikationsberufe ebenso zu wie auf Journalisten im engeren Sinne.

Letzte Änderung: 11.07.17

An die Redaktion

Studiengangsleiter Prof. Dr. Christian Stöcker

Christian Stöcker, geboren 1973, studierte Psychologie in Würzburg und Bristol und promovierte 2003 in kognitiver Psychologie. In München studierte er anschließend an der bayerischen Theaterakademie Kulturkritik und schrieb parallel unter anderem für die Süddeutsche Zeitung, Die Zeit und SPIEGEL ONLINE. Seit Februar 2005 arbeitet er bei SPIEGEL ONLINE in den Ressorts Wissenschaft und Netzwelt, seit Februar 2011 Ressortleiter Netzwelt.