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Fakultät Technik und Informatik
Department Maschinenbau und Produktion
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Herbert-Rehn-Stiftung

Die Herbert-Rehn-Stiftung unterstützt Studierende des Departments Maschinenbau und Produktion durch Vergabe von Stipendien, durch finanzielle Zuwendungen für studentische und wissenschaftliche Aktivitäten und durch Bezuschussung von Sachaufwendungen.

Herbert Rehn
Herbert Rehn

Leben und Werk des Stifters

Herbert Rehn, am 1. August 1909 in Dresden geboren, ist sein Leben lang dem Werkstoff Glas verfallen. Glas war ihm Beruf und Berufung.

Es begann so: Als er an einem Sonnabend im Alter von 6 Jahren seinen Vater, den kaufmännischen Leiter einer Glashütte, aus dem Büro abholte, durfte er einen Blick in die Glashütte werfen. Was er dort sah, rotgelbes Glas, formbar, wie ihm Gestalt gegeben wurde, beeindruckte ihn tief. Ein überwältigendes Erlebnis, das seine lebenslange Faszination vom Glas begründete.


Bei der Glashütte handelte es sich um das Unternehmen "Siemens Glas". Der Gründer und Namensgeber, Hans Siemens, ist Vater der 4 berühmt gewordenen Söhne: Werner, Wilhelm, Friedrich und Karl. Friedrich war derjenige, der das Unternehmen mit seinen Erfindungen wie Regenerativofen oder Wannenschmelzofen zur Weltgeltung brachte.

In diesem Unternehmen, allerdings nicht in Dresden, sondern in dem Werk Wirges/Westerwald trat der Schulabgänger der Mittleren Reife Herbert Rehn eine Schlosserlehre an. Zum anschließenden Ingenieurstudium ging er 1929 wieder nach Dresden zurück. Hier erlebte er die große Weltwirtschaftskrise mit Massenarbeitslosigkeit und all ihren schlimmen Folgen. Das blieb, obwohl er nicht einmal unmittelbar davon betroffen war, unvergessen und ließ nach erfolgreichen Berufsjahren den Gedanken reifen, in wirtschaftliche Not geratenen Studenten zu helfen.

Nach Studienabschluß 1932 gehörte Herbert Rehn zu den wenigen, die nicht arbeitslos waren. Bei "Siemens Glas", das inzwischen den Namen "Aktien-Gesellschaft für Glasindustrie, vormals Friedr. Siemens, Dresden" trug, fand er als Betriebsingenieur und Assistent des Chef-Ingenieurs seine erste Anstellung, bereiste die weit verzweigten Niederlassungen des Unternehmens im In- und Ausland und leitete nacheinander deren Werkstätten für den Formenbau zur Herstellung von Flaschen, zuletzt und am längsten in Berlin-Stralau.

1938 trennte er sich von diesem Unternehmen und wechselte zur Firma AMBEG, wo er als Werkstattleiter des Maschinenbaus für Ampullen- und Flaschenmaschinen tätig war. Für kurze Zeit eingezogen, wurde er als "Spitzenkraft der Wehrwirtschaft" reklamiert, erlebte Krieg und Kriegsende in Berlin und wurde von der russischen Besatzungsmacht mit der Demontage des Unternehmens beauftragt. Um ein Haar hätte er das nicht überlebt. Weil er auf Mitarbeiter angewiesen war, die, auf Grund irgendwelcher Zufälle zusammengelesen, zumeist ohne Sach- und Fachkenntnis waren, kippte vor den Augen des aufsichtführenden russischen Offiziers eine Flachschleifmaschine beim Abtransport um. Das roch nach Sabotage!

Bis zur Selbständigkeit 1949 blieb er AMBEG verbunden, indem er auf abenteuerliche Weise von Berlin nach Leverkusen zur Firma Bayer reiste, um dort aus einem Trümmerfeld zerbombte Ampullen- und Tablettengläsermaschinen wieder in Gang zu bringen nach dem Motto: aus drei mach zwei. Das ist ihm auch gelungen, so daß er anschließend noch für die Firma Oetker in Bielefeld im Auftrag der Firma AMBEG die Produktion von Aromafläschchen zum Laufen brachte und, nachdem zwei Ampullenmaschinen von Berlin nach Bielefeld durch die englische Besatzung geschleust worden waren, auch Ampullen. Danach erfolgte die Trennung von der Firma AMBEG, Berlin. 1948 konstruierte er eine neue Ampullenmaschine, die in Bergedorf gebaut wurde. Am 10. Januar 1949 erfolgte dann die Gründung der Firma Herbert Rehn Maschinenhohlglas mit Sitz in Hamburg. Es begann in den Räumen des Maizena-Hauses mit der Herstellung von 10 ml Ampullen für Dextroselösungen. Der Vertrag mit Maizena sah vor, daß an andere Kunden erst dann geliefert werden durfte, wenn der Eigenbedarf abgedeckt war. Diese Vertragsklausel war 1951 erfüllt. Von jetzt ab wurden weitere Kunden gesucht, es entwickelte sich neben der Belieferung des Inlands ein weiterer Export von über 3 Millionen Ampullen je Monat, bevorzugt in die Länder Irland, Dänemark und Schweden. Als weiteres Produkt kamen dann Glaskörper für Prüfröhrchen der Firma Dräger, Lübeck, hinzu, die ebenfalls bald in Millionenhöhe je Monat gefertigt wurden. Grund für diese Liefermengen war die hohe Qualität, insbesondere der Röhrchen, die konkurrierende Anbieter aus dem Feld schlug. Daraus resultierte die vertraglich geregelte Zusicherung, für dieses Produkt Alleinlieferant der Firma Dräger zu sein. Dieser Vertrag ist bis heute gültig.

Das dritte Erfolgsprodukt, Glaskörper für Sprinkler-Feuerlöschanlagen, wurde bereits im neuen Werk in Hamburg-Bergedorf in der Kampchaussee, wohin die Firma Rehn 1957 übersiedelte, entwickelt und ebenfalls bald in großer Menge (3.000.000 Stück/Jahr) gefertigt. Mehr noch als die anderen technischen Glaskörper erforderte dieses Produkt Erkenntnisse und Erfahrungen mit Spannungen und Festigkeiten von Hohlglas im 100 bar-Bereich, basierend auf dem in vielen Jahren erarbeiteten Fachwissen.

Im Alter von 70 Jahren ist Herbert Rehn am 31.12.1979 aus dem von ihm gegründeten Unternehmen ausgeschieden. Um von ihm entwickelte Patente zu nutzen, im Laufe seines Berufslebens hatte er es auf eine stattliche Anzahl eigener Patente gebracht, aber nicht nur deshalb, gründete er im unmittelbaren Anschluß daran eine neue Firma, die "L.S.G. Regeltechnik, H. Rehn GmbH, Hamburg", die sich mit berechenbarer Steuerung von Brennern für Maschinen zur Bearbeitung und Formgebung von Glas befaßt.

"Ein Leben für Glas und die Entwicklung von Maschinen zu seiner Formgebung und zur präzisen Gestaltung."

Letzte Änderung: 28.06.19

An die Redaktion

Stiftungsvorstand

Prof. Dr.-Ing. Dietmar Pähler  (HAW Hamburg, Department Maschinenbau und Produktion)


Wolfram Bernt (Commerzbank AG)