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Christian Stöcker ist Studiengangsleiter im Master Digitale Kommunikation, Foto: Florian Büh/www.Gutes-Foto.de

KI ist kein Mythos – Podiumsdiskussion mit Christian Stöcker, Professor für Digitale Kommunikation an der HAW Hamburg

04.11.2019

Kann KI Genie? Ist sie Intelligenz, Intuition, Kreativität oder bloß reine Rechenleistung? Und muss man vor ihr Angst haben, da sie eines Tages mehr kann und weiß als die Menschen? Zu der Podiumsdiskussion am 22. Oktober auf der Kampnagel luden der DJV Hamburg und das Kulturforum ein. Ein Bericht über den spannenden Abend:

Dr. Christian Stöcker, Professor für Digitale Kommunikation an der HAW Hamburg diskutierte mit der Komponistin Dr. Konstantina Orlandatou und dem Staatssekretär im Bundesministerium für Arbeit und Soziales, Björn Böhning. Die Veranstaltung wurde vom NDR-Redakteur Mischa Kreiskott moderiert:

Dr. Christian Stöcker, Professor für Digitale Kommunikation an der HAW Hamburg, ist von Haus aus Psychologe. Er erklärt Künstliche Intelligenz als ein selbstlernendes System. Es kann ähnlich trainiert werden wie das neuronale Netzwerk im Gehirn eines Menschen, in dem man es mit Billionen von Daten füttert. Das System lernt aus Fehlern und optimiert sich dabei andauernd selbst, bis es irgendwann den gewünschten Output liefert; beispielsweise das Erkennen einer Struktur oder Essenz in einem Mega-Datensatz. „Damit“, so Stöcker, „ist es nicht regelbasiert“.

Und das ist vielleicht der Punkt wo die Maschine dem Menschen Angst macht. Einprägsames Beispiel hierfür war der Sieg eines KI-Systems über Koreas bekanntesten GO-Spieler Lee Sedol 2016. Vorher hatte der Superrechner ein halbes Jahr gegen sich selbst gespielt und dabei viel Erfahrung gesammelt. „Das japanische Brettspiel GO“, so Stöcker, „birgt dabei unvergleichlich viel mehr Züge als das Schachspiel“. Daher galt es bis dato als undenkbar, dass ein Mensch in absehbarer Zeit von einer Maschine geschlagen werden kann. Lee Sedol und mit ihm halb Korea waren nach dem Sieg von KI über ihn deshalb am Boden zerstört.

Dr. Konstantina Orlandatou, Komponistin an der Hochschule für Musik und Theater Hamburg nutzt jedenfalls diese positiven Effekte, die KI für die Komposition von Musik haben kann. „Denn wenn man über 1.048 Stunden Musik zum Beispiel für Games schreiben muss, ist das sehr praktisch. Ich sehe KI wie ein Werkzeug“, sagt sie, „ich kann mit ihm produktiver sein, ohne dass meine eigene Kreativität abnimmt.“

Diese positive Sicht insgesamt auf KI hat auch Björn Böhning, Staatssekretär im Bundesministerium für Arbeit und Soziales, der eigens für diesen Abend aus Berlin gekommen war. „KI ist nicht dazu da, die Menschen arbeitslos zu machen“, sagt er, „sondern Prozesse zu erleichtern.“ Als Beispiel bringt er die Biotechnologie, „Krebs lässt sich durch KI basierte Systeme sehr viel schneller erkennen als es vorher der Fall war und unterstützt die Diagnose enorm“, sagt er. Die Chance von KI sieht er in der Kooperation von Mensch und Maschine und nicht, indem dieser durch KI ersetzt wird. „Wir müssen den Arbeitsmarkt verändern und Fachkräfte für die Industrie 4.0 qualifizieren.“ Vorbilder sind für ihn die Berufsschulen, die diese Fähigkeiten zu KI basiertem Denken bereits unterrichten. „Informatik muss Pflichtbestandteil der Lehrpläne in den Schulen werden“, sagt er. Dazu fordert er eine Kennzeichnungspflicht für von KI produzierten Content, sei es für Texte oder Musik. „Nur wird die Grenze schwer festzulegen sein, da Datenjournalismus eben auch KI basiert ist und von Journalisten eingesetzt wird.“

Informatik als reguläres Schulfach fordert auch Stöcker, der die Bildung in Schulen immer noch bei 1.0 angesiedelt sieht. „Wir entlassen unsere Kinder unvorbereitet in diese Welt“, sagt er. „Das ist ein Skandal.“ Ein Zuschauer meldet sich: „Viele Menschen wissen nicht, dass sie von Algorithmen und Parametern gesteuert und manipuliert werden ohne es zu erkennen. Dieser Bildungs-Gap zieht sich durch die gesamte Gesellschaft.“ Am Ende der spannenden Diskussion blieb dennoch die Frage offen, wann KI zu intuitivem Wissen fähig ist; dieses ist ja bisher nur dem Menschen vorbehalten. (Autorin: Katharina Jeorgakoulos)

Weitere Informationen auf der DJV Hamburg Website

Letzte Änderung: 27.10.11

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