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Prof. Walter Leal ist Lead Author im IPCC Klimabericht

"Es wird angenommen, dass der Klimawandel nur arme Länder betrifft. Das ist nicht wahr" Klimaexperte Walter Leal im Interview zum neuen IPCC Sonderreport

20.08.2019

HAW-Professor Dr. Walter Leal warnt mit anderen führenden Klimaforscher*innen aus aller Welt in dem´aktuell veröffentlichen IPCC-Sonderbericht über Klimawandel und Landsysteme des Weltklimarates IPCC vor zunehmenden Dürren, Hitzewellen und dem Verlust von landwirtschaftlich genutzten Flächen. Prof. Walter Leal, Lead Author, beantwortet dringende Fragen:

Herr Professor Leal, inwieweit wird der Klimawandel zur Existenzfrage was den Anbau von Lebensmittel betrifft?

Prof. Dr. Walter Leal: Der Klimawandel ist bereits für viele soziale und wirtschaftliche Probleme in vielen Teilen der Welt verantwortlich, wo Temperaturanstieg in Verbindung mit Wasserknappheit die Armut intensiviert und sogar Hunger verursacht. Ungünstige klimatische Bedingungen für Nutzpflanzen bedeuten, dass sie entweder nicht gut oder gar nicht wachsen, was zu wirtschaftlichen Schwierigkeiten führt und die Ernährungsunsicherheit erhöht.

Wie können wir gegensteuern was die Übernutzung der natürlichen Ressourcen, eine optimierte Landwirtschaft und die Waldzerstörung betreffen?

Zunächst ist es erforderlich, dass wir erkennen und anerkennen, dass wir von Dienstleistungen der Natur leben. Dies bedeutet, dass wir auf natürliche Ressourcen wie beispielsweise Wasser angewiesen sind und mit solchen Ressourcen sehr vorsichtig umgehen müssen. Eine Gegensteuerung kann erfolgen, in dem wir die Nachfrage nach landwirtschaftlicher Wassernutzung besser gestalten und die Verbesserung der Wassernutzungseffizienz erhöhen. Dazu gehören eine verbesserte Wasserbewirtschaftung in den landwirtschaftlichen Betrieben und eine bessere Leistung des Bewässerungssystems. Typischerweise werden nur 30 bis 50 Prozent des für die Bewässerung eingesetzten Wassers tatsächlich von Pflanzen genutzt. Hier besteht noch ein großes Potenzial, die Produktivität des verwendeten Wassers zu steigern.

Im Bereich Wald: Wir müssen die Wälder vor dem kommerziellen Druck schützen. Derzeit werden viele Wälder für den Anbau von Produkten wie Soja oder für die Umstellung auf Viehfutter geopfert. Dies ist ein ernsthaftes Problem, insbesondere in den brasilianischen Regenwäldern, deren Gesamtgröße um über 20 Prozent reduziert wurde.

Der IPCC Bericht "Klimawandel und Land" hat sehr deutlich gewarnt, dass die derzeitig Landnutzung nicht nachhaltig ist, insbesondere um die Ernährungssicherheit zu erhalten. Da die Weltbevölkerung wächst, ist es anzunehmen, dass die negativen Auswirkungen des Klimawandels auf die Vegetation zunehmen werden.

Inwieweit ist Mitteleuropa von dem Klimawandel betroffen? Und was bedeutet dies für unsere Landwirtschaft?

Es wird angenommen, dass der Klimawandel nur arme Länder betrifft. Das ist nicht wahr. Wir in Europa sind ebenso verwundbar. Temperaturanstiege in Verbindung mit weniger Niederschlägen wirken auch in Europa als Stressfaktoren für die Landwirtschaft. Sie führen zu Ertragseinbußen und teilweise sogar zu Ernteausfällen. Und da diese Elemente kumulativ sind, ist bei einem jährlichen Auftreten der so genannten "Extremereignisse" mit langfristigen landwirtschaftlichen Verlusten zu rechnen. Und mit ihnen, höhere Preise für Gemüse, Obst und andere landwirtschaftliche Produkte.

Was wäre ein realistisches politisches Ziel, um im internationalen Klimaschutz voranzukommen? Stichwort UN Gipfel im September an dem auch die Bundeskanzlerin teilnimmt?

Wir verfügen bereits über verschiedene politische Rahmenbedingungen wie das Pariser Abkommen aus 2015 oder die im Dezember 2018 in Katowice, Polen, vereinbarten Regeln zur Umsetzung. Was wir jetzt brauchen ist ein stärkeres Engagement bei der Umsetzung. Eine Maßnahme ist die stärkere Unterstützung des Technologietransfers, die es den Entwicklungsländern ermöglicht, sich besser an den Klimawandel anzupassen. Es ist auch notwendig, die Fähigkeit von Gruppen wie die der Landwirte oder die nichtstaatlicher Organisationen in den Entwicklungsländern zu fördern, sich an den Klimawandel anzupassen. Hier können Hochschulen wie die HAW Hamburg, die über umfangreiches Know-How im Bereich Klimaanpassung verfügen, eine wichtige Rolle spielen. Ich hoffe, dass die Diskussionen in New York solche Aspekte konkret erarbeitet und berücksichtigt.

(Das Interview führte Dr. Katharina Jeorgakopulos)

Weitere Informationen zu Prof. Dr. Walter Leal Aktivität im aktuellen Bericht des IPCC: http://bit.ly/IPCCWeltklimarat
https://www.de-ipcc.de/254.php

KONTAKT
Fakultät Life Sciences
Prof. Dr. (mult.) Dr. h.c. (mult.) Walter Leal
Leiter, Forschungs- und Transferzentrum „Nachhaltigkeit und Klimafolgenmanagement"
Head of the Research and Transfer Centre „Sustainable Development and Climate Change Management"
Mobil: +49-172-7835489
walter.leal2(@)haw-hamburg.de

 

Letzte Änderung: 15.03.11

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