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Fakultät Life Sciences
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Ulrike Arens-Azevêdo und Claus-Dieter Wacker (Foto: Ina Nachtweh)

Ulrike Arens-Azevêdo und Claus-Dieter Wacker (Foto: Ina Nachtweh)

Ulrike Arens-Azevêdo und Claus-Dieter Wacker (Foto: Ina Nachtweh)

Ulrike Arens-Azevêdo und Claus-Dieter Wacker (Foto: Ina Nachtweh)

„Lachen hat immer viel geholfen.“

Jeorgakopulos / Nachtweh23.09.2015

Prof. Dr. Ulrike Arens-Azevêdo und Prof. Dr. Claus-Dieter Wacker werden Ende September gleichzeitig in den Ruhestand gehen. Beide haben über viele Jahre in der Fakultät Life Sciences gewirkt und waren gemeinsam als Vizepräsidentin und Vizepräsident in einer turbulenten Zeit in der Hochschulleitung tätig. All dies hat sie freundschaftlich sehr verbunden, so lag ein gemeinsames Gespräch zum Abschied auf der Hand.

News: Frau Arens-Azevêdo, Herr Wacker, wir wollen einen Blick zurückwerfen. Was waren die prägendsten Momente Ihrer Amtszeit als Vizepräsidentin beziehungsweise Vizepräsident der HAW Hamburg?

Arens-Azevêdo: Das war insgesamt eine äußerst schwierige Zeit! Die Hochschule stand damals sehr im Umbruch, auch durch das Dohnanyi-Gutachten 2003 – fast ungeachtet der Leitungssituation. Hinzu kam 9/11, ein schreckliches Datum für die HAW. Beides fiel in unsere Amtszeit als Vizepräsidenten.

Wacker: Weil Senator Jörg Dräger auf Vorschlag des Dohnanyi-Gutachtens massive Veränderungen plante, war die Hochschule in großer Unruhe. Wir sollten unsere Baufachbereiche für die Ausgründung einer eigenständigen Bauakademie abgeben. Ebenfalls stand im Raum, den Fachbereich Gestaltung an die Hochschule für Bildende Künste zu verlieren. Es bestand also die große Gefahr, dass sich die verschiedenen Fachbereiche der HAW Hamburg durch Gründung von Schools oder Kooperation mit anderen Hochschulen abgespalten hätten und so aus der ehemaligen Fachhochschule wieder eine reine Ingenieurschule geworden wäre. Und es gab damals zusätzlich große Ängste, denn die Strukturreformen hätten die Ausbildung der HAW möglicherweise auf reine Bachelor-Studiengänge reduzieren können.

Arens-Azevêdo: Hinzu kam der Abgang des damaligen Präsidenten, so dass wir als Vizepräsidenten die Leitung als „Vizepräsidium“ übernahmen. Es gab sogar Post an diese Adresse aus der Behörde! (beide lachen)
Und dann schied im Frühjahr auch noch der damalige Kanzler aus seinem Amt, so dass wir weitgehend den Überblick über die Finanzen verloren haben; ungeheuerlich wenn man sich das heute einmal vorstellt! Und fast ganz nebenbei wurde dann auch noch das Bachelor/Master-System flächendeckend eingeführt.

Wacker: Der Fachbereich Naturwissenschaftliche Technik hat diese Entwicklung ein bisschen vorausgesehen und auch vorweggenommen. Mit Herrn Appel zusammen hatte ich dort bereits 1999 parallel zum Diplom Bachelor- und Masterstudiengänge geplant, die 2001 tatsächlich eingeführt wurden. Und das gegen den erklärten Willen der BWF! Wir haben damals bereits die großen Chancen dieser Abschlüsse für eine Fachhochschule gesehen. Sie tragen zur Vereinheitlichung des europäischen Hochschulsystems bei und befördern so die Internationalisierung. Zudem fiel beim Masterabschluss der Zusatz „FH“ fort. Dieser Abschluss ist analog zur Universität, ein entscheidender Entwicklungssprung für die Fachhochschulen. Jetzt fehlt nur noch das Promotionsrecht, wofür ich von Anfang an hart gekämpft habe.

Arens-Azevêdo: Wir waren dann übrigens auch die erste Fachhochschule, die vollständig auf den  Bologna-Prozess setzte – trotz vieler Widerstände seitens einiger Fachbereiche. Viel schmerzhafter für die Hochschule war aber das Herausreißen der Baustudiengänge. Ich wollte diese Lücke immer wenigstens teilweise kompensieren und so konnten wir das „Public Management“ aus der Fachhochschule für öffentliche Verwaltung bei uns ansiedeln. Glücklicherweise wurde von der Behördenseite und durch die Bund-Länder-Kommission genügend Geld für die Integration zur Verfügung gestellt.

News: Eine Frage zu Ihrer Motivation. Warum haben Sie das Amt der Vizepräsidenten damals angetreten, in einer Zeit mit solch großen Spannungen und Problemen?

Wacker: Wir sind beide angesprochen worden. Leicht ist mir der Weggang aus Bergedorf damals nicht gefallen, aber ich wollte der Hochschule aus einer Notsituation helfen. Es gab kein Vertrauen mehr in die Leitung der Hochschule. Dieses Vertrauen wollte ich wieder herstellen.

Arens-Azevêdo:
Ich habe dieses Amt damals übernommen, weil ich dachte, dass es jemanden geben muss, der den „Karren wieder flott macht“. Ich habe mich verantwortlich gefühlt. Wir haben zwar nicht die damalige Leitung stabilisiert (was ja eigentlich geplant war), die Hochschule aber schon und vor allem wertvolles Vertrauten wieder aufgebaut, das war wichtig! Lachen hat in dieser dramatischen Situation immer viel geholfen!

News: Was würden Sie wiederholen, was lassen, wenn Sie heute zurückblicken?


Wacker: Die Fakultätenbildung, die ja auch im Dohnanyi-Gutachten angelegt war, hat der Hochschule unglaublich gut getan. Die damals dreizehn Fachbereiche waren zersplittert und ihre Zusammenlegung in fünf, später in vier Fakultäten war sinnvoll und richtig. Es bewirkte eine höhere wirtschaftliche Flexibilität und jetzt konnten auch dezentral Entscheidungen getroffen werden. Plötzlich waren Dinge möglich, die vorher nicht möglich waren. Als Fakultät konnten wir so Entwicklungen selbst in die Hand nehmen, was wir selbstverständlich immer im Schulterschluss mit dem Präsidium getan haben. Allerdings sind teilweise zwischen und in den Fakultäten gewisse Unwuchten entstanden. Hier hätte der Blick von Anfang an auf der Herstellung einer stärkeren Einheitlichkeit liegen müssen.

Arens-Azevêdo:
Also, heute denke ich, dass die Umstellung auf BA/MA einfach zu schnell ging für einige Fachbereiche. Das hat sie überfordert und unnötige Gegenwehr hervorgerufen. Ebenfalls bin ich wie Claus-Dieter Wacker der Meinung, dass der Zuschnitt der eigentlich überaus sinnvollen Fakultäten hätte anders sein müssen. Die große Fakultät Technik & Informatik am Berliner Tor hätte so nicht bleiben dürfen, weil die Menschen bei diesem Zuschnitt nicht aus ihrer Fachkultur herauskamen, sondern weitermachten wie bisher. Ebenso wage ich zu behaupten, dass die Fakultät Wirtschaft & Soziales eine kühne Kombination darstellt, in der die Pflegestudiengänge nicht so recht hineinpassen. Heute aber muss ich sagen, dass diese Union für das Soziale doch sehr hilfreich war. Ansonsten stehe ich voll und ganz hinter dieser Entwicklung zu Fakultätsstrukturen und finde die Lösung mit hauptamtlichen Dekanen und Geschäftsführern überaus sinnvoll.

Wacker: Was ich bedauere ist, dass wir bei der Promotion nicht nachgefasst haben. Das Promotionsrecht war damals bei der schwarz-grünen Regierung für ausgewählte Bereiche unserer Hochschule im Hamburger Koalitionsvertrag festgehalten. Die Chance war da und wir konnten die Gunst der Stunde nicht nutzen. Die Fakultät Life Sciences hätte hier voran gehen können; sie hatte und hat immer noch dieses Potential! Wenn wir in unseren Master-, aber auch in den Bachelor-Studiengängen hochaktuelle Lehre anbieten wollen, wenn wir den Anspruch haben, unsere Studierenden bestmöglich auszubilden, brauchen wir die Forschung und auch die Promotion! Zudem bieten die FHs Studiengänge an, die es an Universitäten nicht gibt. Ohne Promotionsrecht wird die akademische Entwicklung in diesen Fächern abgeschnitten.

Arens-Azevêdo:
Ja, es war schade, dass die Promotion nicht kam, obwohl sich Präsident Michael Stawicki sehr dafür eingesetzt hat. Wir haben eine Vielzahl von hervorragenden Forschungskooperationen mit großen Universitäten. Aber immer noch bestehen tiefe Gräben zwischen FHs und etlichen, meist technischen Universitäten. Dieses Schwarz/Weiß-Denken Anwendungsorientierung versus Grundlagenforschung hat viel kaputt gemacht. Ich frage mich wirklich, wie sich so etwas bis heute halten kann? Eine akademische Entwicklung für den Nachwuchs an den FHs wird damit quasi unterbunden.

News: Wie hat sich Ihr Fachgebiet bis heute entwickelt und was haben Sie und Ihre Fakultät dazu beigetragen?

Arens-Azevêdo: Wir konnten die Ökotrophologie – mit dem Schwerpunkt Gemeinschaftsverpflegung – durch entsprechende große Forschungsprojekte und verschiedene Geldgeber vorantreiben. Ich habe dabei den politischen Effekt und die Gesamtwirkung auf die Bevölkerung unterschätzt, nicht aber den wissenschaftlichen! (lacht!). Denn die gesundheitsfördernde Verpflegung hat sich enorm verbreitet und an Bedeutung gewonnen, denkt man nur an die Kitas, die Ganztagsschulen, die Mensen überall – oder an den gesundheitlichen Bereich wie die Krebsforschung oder Demenz etc. Mir war es dabei wichtig, der Ernährung ein anderes Gesicht zu geben. Wir müssen unser Verständnis von Ernährung ändern und bereit sein, mehr Geld für gutes Essen ausgeben. Das muss aus der Theorie in die Praxis hineingetragen werden, das ist ein langer und steiniger Weg!
Große Forschungsvorhaben machen auch ein wenig stolz. Es macht stolz, wenn man die HAW Hamburg mit ihren Studien in Drucksachen der Bundesrepublik Deutschland zum Thema Ernährung und Gesundheit liest!

Wacker: Von der Dekanatsseite aus habe ich immer versucht, die Forschung zu fördern, Forschungsflächen, Geräte und Arbeitsplätze zu schaffen. Wie aktiv die Fakultät hier ist, macht sich nicht zuletzt an dem neuen benötigten Erweiterungsbau bemerkbar. Als hauptamtlicher Dekan blieb mir seit 2005 nur der Weg in die Lehre offen. Eigenständige Forschung zu betreiben, war aus Zeitgründen nicht möglich. In der Organischen- und Biochemie, in der Pharmakologie und Toxikologie habe ich mich aber auf dem Laufenden gehalten, so dass ich mit Eintritt in den Ruhestand als Lehrbeauftragter weiter tätig sein kann.

News: Mit welchen Gefühlen scheiden Sie nun aus Ihren Professuren?


Wacker:
Der Mensch ändert sich nicht, auch wenn er in den Ruhestand eintritt. Ulrike Arens-Azevêdo und ich haben uns schon immer aktiv in Projekte gestürzt und wollen unsere Ziele auch erreichen, da sind wir uns sehr ähnlich. Es ist toll, dass ich jetzt immer noch die Möglichkeit habe, in der HAW tätig zu sein, sei es in der Lehre oder der Forschung. Die Fakultät hat bekanntlich Personalnot, daher werde ich im nächsten Semester vier Lehrveranstaltungen halten. Falls sich die Möglichkeit ergibt, als Chemiker oder Toxikologe in einem Forschungsprojekt mit zu arbeiten, werde ich auch das gerne tun.
Ich freue mich aber auch, dass das Privatleben ein bisschen mehr Anteil bekommt in meinem Leben und ich nicht mehr jedes Wochenende am PC sitzen muss. Das Standardprogramm ist da ganz richtig: Reisen, Lesen und Fensterrahmen streichen (lacht.

Arens-Azevêdo:
Ich scheide jetzt ebenfalls nicht ganz aus, sondern bleibe der HAW als Lehrbeauftragte erhalten und einige Forschungsprojekte müssen noch zu Ende gebracht werden. Allerdings freue ich mich auch auf arbeitsfreie Wochenenden, auf mehr Lesen, Reisen und Kochen, denn ich koche und esse sehr gerne (lacht!). Eine gewisse Freizeit ist schon garantiert, das ist auch gut so! Ich plane einen allmählichen Ausstieg, um entsprechenden Entzugserscheinungen vorzubeugen (lacht!).

Wacker: Als Chemiker sehe ich das bei uns als langsames Wegdiffundieren wie bei einem Jodkristall (gemeinsames herzliches Lachen).
(Das Tandem-Interview führten Dr. Katharina Jeorgakopulos und Ina Nachtweh und hat viel Spaß gemacht…)

Eine besonders schwierige Zeit waren für Ulrike Arens-Azevêdo und Claus-Dieter Wacker die Jahre 2001 bis 2004. Gemeinsam mit dem damaligen Präsidenten Hans-Gerhard Husung sind beide Ende November 2002 vorzeitig zum 30. Juni 2003 aus ihren Ämtern zurückgetreten. Mit diesem Schritt sollte eine entstandene Entscheidungsblockade aufgelöst und Schaden von der Hochschule abgewendet werden. Innerhalb der Hochschule war es zwischen den unterschiedlichen Leitungs- und Selbstverwaltungsgremien zu einem Stillstand gekommen, Diskussionen wurden nicht geführt und Entscheidungen immer wieder vertagt. Seinen Höhepunkt fand diese Entwicklung auf der Senatssitzung vom 21. November 2002, auf der die Präsidiumsvorlage zur Portfoliodebatte vollständig abgelehnt wurde.

Als Vizepräsidentin und Vizepräsident führten Frau Arens-Azevêdo und Herr Wacker allerdings auf Bitten des damaligen Wissenschaftssenators ihre Ämter weiter und leiteten die Hochschule kommissarisch bis zur Bestellung eines neuen Hochschulpräsidenten. Während Herr Wacker im Mai 2004, kurz vor dem Antritt von Michael Stawicki als Präsident, das Vizepräsidentenamt abgab, hatte sich Frau Arens-Azevêdo damals für noch eine weitere Periode im Amt entschieden.

Ulrike Arens-Azevêdo wurde 1989 als Professorin für Ökotrophologie an unsere Hochschule berufen. Von 1990 bis 1994 war sie Sprecherin des Fachbereichs Ökotrophologie und hatte von 1994 bis 1996 das erste Mal das Amt der Vizepräsidentin inne. Im Jahr 2001 begann Ihre zweite Amtszeit im Präsidium, gemeinsam mit Herrn Wacker. Am 28. Februar wurde sie als Vizepräsidentin vom damaligen Wissenschaftssenator Jörg Dräger aus dem Amt verabschiedet.

Claus-Dieter Wacker ist seit 1993 Professor der HAW Hamburg, damals noch Fachhochschule Hamburg. Von 1996 bis 2001 war er Sprecher am Fachbereich Naturwissenschaftliche Technik und übernahm von 2001 bis 2004 das Amt des Vizepräsidenten. Seit 2005 bis zu seinem jetzigen Ruhestand war er hauptamtlich Dekan der Fakultät Liefe Sciences.


Letzte Änderung: 15.03.11

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