Wie lassen sich die Flexibilitäten von steuerbaren Verbrauchern wie Ladestationen und Wärmepumpen nutzen, um möglichst effizient Netzengpässe im Verteilnetz aufzulösen? Das ist die Kernfrage des Förderprojekts FARFALLE, in welchem ein Fairness Faktor für eine praxisgerechte Steuerung im kurativen Engpassmanagement entwickelt wird. Dieser birgt das Potenzial den Netzausbaubedarf zu senken und somit die Kosten der Energiewende zu reduzieren.
Mit Einführung des §14a EnWG ist es Verteilnetzbetreibern (VNB) erlaubt die Leistung von steuerbaren Verbrauchern wie Ladestationen und Wärmepumpen temporär zu reduzieren, um Netzengpässe aufzulösen. Dabei erfolgt die Leistungsreduktion im gleichen Maße über alle steuerbaren Verbraucher im betroffenen Netzgebiet. Im Anschluss an einen solchen Eingriff besteht für den VNB die Pflicht zum Netzausbau.
Im Projekt FARFALLE (Fairness Faktor für intelligentes Engpassmanagement) entwickeln die Förderpartner Hamburger Energienetze GmbH (HNE), die Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg (HAW) sowie hySOLUTIONS gemeinsam einen sogenannten Fairness Faktor anhand dessen nur exakt die steuerbaren Verbraucher in einem Netzstrang gedimmt werden müssen, die zur Behebung des jeweiligen Netzengpass am besten geeignet sind. Der Fairness Faktor ist dabei eine Kennzahl, die jedem einzelnen steuerbaren Verbraucher einen Wert zuweist, welcher die Eignung der jeweiligen Anlage zur Behebung des kritischen Netzzustands ausdrückt und welcher dabei einerseits die Effizienz und andererseits die Fairness einer möglichen Steuerungshandlung berücksichtigt.
Für jeden potenziellen Netzengpass entsteht so eine Priorisierungslogik, welche lediglich genau die Anlagen dimmt, die zur Stabilisierung des Netzes beitragen und tatsächlich zur Behebung des Netzengpasses notwendig sind. Kurative Steuerungshandlungen lassen sich durch den Verteilnetzbetreiber dadurch gezielter und intelligenter durchführen und sorgen dafür, dass möglichst wenig Kunden von der Leistungsdimmung betroffen sind. Dies erhöht die Akzeptanz bei den Nutzerinnen und Nutzern, da Eingriffe nachvollziehbar und fair erfolgen.
Die Entwicklung des Fairness Faktors erfolgt im Rahmen von FARFALLE aus vier Perspektiven:
- Technisch/konzeptionell - hierbei steht die Entwicklung des Fairness Faktors im Mittelpunkt. Dabei werden unterschiedliche Einflussfaktoren für effiziente und gleichzeitig diskriminierungsfreie Steuerungshandlungen ermittelt und deren Wirksamkeit zur Behebung von Netzengpässen bewertet.
- Gesamtwirtschaftlich - Ziel ist es, das gesamtwirtschaftliche Optimum zu ermitteln, welches Steuerungshandlungen der VNB unter Anwendung des Fairness Faktors und gegebener Systemstabilität und Versorgungsqualität optimiert.
- Sozial – Um eine gesellschaftliche Akzeptanz des Fairness Faktors zu erzielen, ist es daher, bei der Entwicklung des Fairness Faktors auch soziale Aspekte einzubeziehen und zielgruppenspezifische Anreize und Tarifmodellvorschläge für Netzkunden mit steuerbaren Verbrauchseinrichtungen zu entwickeln
- Regulatorisch - Zur Beschleunigung des Praxistransfers werden Empfehlungen an die Regulatorik sowie für technische Anpassungen gegeben.
Hierbei liegen die Schwerpunkte der HAW Hamburg auf der technischen Erprobung und Validierung der entwickelten Regelungsmechanismen mit Fairness Faktor sowie die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem ökonomischen Nutzen und der Kundenakzeptanz.
Das interdisziplinäre Projektkonsortium umfasst neben den Förderpartnern mit den vier assoziierten Organisation Stadtwerke Saarlouis GmbH, EWE NETZ GmbH, Westfalen Weser Netz GmbH sowie den NGN Netzgesellschaften Niederrhein mbH weitere Akteure aus dem Energiesektor, welche Ihre spezifischen Anforderungen im Laufe der Projektlaufzeit einbringen werden.
FARFALLE wird im Rahmen des 8. Energieforschungsprogamms mit rund 1,9 Millionen Euro vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie gefördert.