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Das HAW-Forscher-Team zu FLEDERWIND: v.l.n.r.: Prof. Dr. Veit Dominik Kunz, Prof. Dr. Carolin Floeter und Doktorand M. Eng. Jannes Kreutzfeldt stehen vor dem Messcontainer auf der Windparkfläche in Curslack. Foto: Janine Becker/CC4E

Forschungsprojekt FLEDERWIND: Windenergieanlagen sollen umweltverträglicher für Fledermäuse werden

15.09.2016

Das Ziel der Bundesregierung ist klar formuliert: Bis zum Jahr 2022 ist der Atomausstieg geplant. Damit dies gelingen wird, müssen erneuerbare Energien umweltverträglicher gestaltet werden, damit Mensch und Natur im Einklang mit nachhaltigen Technologien leben können. Unter der Leitung von Prof. Dr. Carolin Floeter arbeitet ein Forschungsteam am Technologiezentrum Energie-Campus des Competence Centers für Erneuerbare Energien und Energieeffizienz (CC4E) der HAW Hamburg am Projekt FLEDERWIND.

Das Projekt verfolgt das Ziel, die Anzahl der durch Windenergieanlagen verendenden Fledermäuse auf dem Festland zu reduzieren. Im Fokus des Forscherteams steht hier die Erforschung der Ursachen –  Warum ist die Dichte von Fledermäusen in der Nähe von Windenergieanlagen (WEA) höher als in der weiteren Umgebung? Welche effektiven Risikominderungsmaßnahmen können entwickelt werden? Diese Fragen werden praxisnah im geplanten Windpark Curslack erforscht.

Fledermäuse stehen nach europäischem und nationalem Recht unter strengem Artenschutz. Trotzdem sterben jährlich circa 230.000 Fledermäuse durch Windenergieanlagen in Deutschland. Im Vergleich dazu überwintern 24.000 Fledermäuse in der Kalkberghöhle in Bad Segeberg. „Auch wenn die Hochrechnungen mit sehr großer Unsicherheit behaftet sind, sind es sehr viele Tiere, die in Deutschland mit Windenergieanlagen kollidieren“, sagt Floeter. Somit steht die europäische Zielvorgabe zum Ausbau der Windenergie im Konflikt zur international verpflichtetenden Erhaltung der Biodiversität.

Warum treten Fledermäuse vermehrt in der Nähe von Windenergieanlagen auf?

Eine Hypothese des FLEDERWIND-Projekts ist, dass das Licht der Anlagen Fledermäuse anzieht – direkt oder indirekt über die Anziehung ihrer Beutetiere, der Insekten. Die Auswirkungen von Licht auf das Flugverhalten von Fledermäusen werden im Rahmen des Projekts auf Testfeldern zukünftig in Curslack untersucht.

Wie aber verenden Fledermäuse an Windenergieanlagen? Die Tiere kollidieren mit den Rotorblättern der Anlagen oder sterben unter anderem durch das „Barotrauma“. Dieses Trauma entsteht durch den veränderten Luftdruck in der Nähe der Rotorblätter, sodass die inneren Organe der Tiere zerrissen werden.

Bisher ist es schwierig, Art und Anzahl der kleinen Fluggesellen räumlich zu erfassen. Hierfür sind biologische und elektrotechnische Kenntnisse erforderlich. Deshalb ist neben der Biologin Floeter der Elektrotechniker Prof. Dr. Veit Dominik Kunz im Projekt FLEDERWIND engagiert. Prof. Kunz ist zuständig für die technische Erfassung der Fledermäuse mit Batcorder, Wärmebildkamera und Radaranlage. Diese Arbeit wird unterstützt von der HAW-geförderten Promotion von M. Eng. Jannes Kreutzfeldt. Verstärkt wird das Team ab Anfang 2017 durch einen weiteren Doktoranden aus BMBF-Fördergeldern.

Ein weiterer wichtiger Partner in diesem interdisziplinären Projekt ist die Promotions-Kooperationsuniversität Leibniz Universität Hannover, die durch Prof. Dr. Michael Reich vertreten wird – eine Koryphäe auf dem Gebiet des Arten- und des Biotopschutzes.

Das Forschungsthema ist von hoher Relevanz

Prof. Floeter verweist darauf, dass die Relevanz des Themas auch von hohem Interesse für die Hamburger Behörde für Umwelt und Energie (BuE) ist. Dort begleiten zwei Referate das Projekt: das Referat für Naturschutz und das Referat für Erneuerbare Energien. Weitere Partner, auch aus der Industrie, sind ebenfalls in das Projekt eingebunden.

„Ich profitiere sehr von unserem interdisziplinär aufgestellten Forschungsteam. Wir haben unterschiedliche Perspektiven auf unseren Forschungsgegenstand, ergänzen uns mit unseren Expertisen großartig und verfolgen das gemeinsame Ziel, Windenergieanlagen umweltverträglicher für Fledermäuse zu gestalten“, so Floeter.

Eine erste Finanzierung kam aus dem Projekt Technologiezentrum Energie-Campus mit einer EFRE-Finanzierung (Europäischer Fond Für Regionale Entwicklung). Eine Anschlussfinanzierung wird durch das im Sommer 2016 gewonnene BMBF-Forschungsvorhaben X-Energy sichergestellt.

„Ohne die Plattform des Energie-Campus der HAW Hamburg hätte es das Projekt FLEDERWIND so nicht gegeben. Ich bin sehr glücklich, wie erfolgreich der bisherige Projektverlauf ist. Einige abgeschlossene Studien-, Bachelor- und Masterarbeiten sind dabei bereits entstanden. Ich freue mich auf die Forschungsergebnisse, die wir im Windpark Curslack erzielen werden“, sagt Carolin Floeter.

Prof. Dr. Carolin Floeter ist studierte Diplom-Biologin und Umweltrechtlerin. Sie promovierte an der TU Hamburg-Harburg. Seit 2011 ist Floeter als Professorin an der Fakultät Life Sciences der HAW Hamburg tätig und seit September 2016 stellvertretende Leiterin des Departments Umwelttechnik. (Autorin: Wega Wilken)

Kurzfilm über das Projekt FLEDERWIND

Information zu X-Energy

Kontakt FLEDERWIND:

HAW Hamburg:
Fakultät Life Sciences
Stellv. Leitung Department Umwelttechnik
Prof. Dr. Carolin Floeter / Professorin für Biologie, Umweltrisikobewertung und Umweltrecht
T +49.40.428 75-6105
carolin.floeter(@)haw-hamburg.de

Kontakt CC4E:
HAW Hamburg
CC4E - Competence Center Erneuerbare Energien & Energieeffizienz
Wega Wilken / Öffentlichkeitsarbeit & Veranstaltungsmanagement
T +49.40.428 75-9850
wega.wilken(@)haw-hamburg.de

www.cc4e.de

Letzte Änderung: 18.07.16

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