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Menschen respektvoll begegnen - Ein Glossar zu Selbstbezeichnungen

Mit Selbstbezeichnungen wehren und ermächtigen sich gesellschaftlich  marginalisierte Gruppen gegen stigmatisierende und  ausgrenzende Begriffe, mit denen sie oft bezeichnet werden (Fremdbezeichnungen). Es steht Marginalisierten frei, wie sie sich bezeichnen. Aus der Position der Mehrheitsgesellschaft (siehe auch: Norm) ist es aber sehr wichtig, politische Selbstbezeichnungen zu respektieren und zur Bezeichnung von gesellschaftlichen Gruppen zu verwenden.

 

Selbstbezeichnungen

Antwort auf/zuklappen Cis

Cis bezeichnet das Pendant zu trans*. Damit werden Personen bezeichnet, die sich mit dem bei der Geburt zugeschriebenen Geschlecht identifizieren können. Cis-Frauen und cis-Männer genießen gegenüber trans*, inter* oder nicht-binären Personen Privilegien. Denn unsere Gesellschaft ist fast immer auf eine Einteilung in zwei medizinisch normierte Geschlechter ausgerichtet. Die binär getrennten Toiletten sind ein Beispiel für die Priviligierung von Cis. „Cis- und Begriffe wie cis-Gender, wurden von der Trans*Bewegung eingeführt, um auch Begriffe zu haben, welche die Norm selbst sichtbar machen" (quix kollektiv glossar).

Antwort auf/zuklappen FLTI*

FLTI* steht als Abkürzung für Frauen, Lesben, Trans*, Inter* und wird oft für (Schutz-)Räume verwendet, zu denen Cis-Männer keinen Zutritt haben. Der Schutz besteht in diesem Fall vor sexistischen, homophoben sowie inter- und transfeindlichen Verhaltensweisen und Strukturen. Dadurch soll ein empowerender Rahmen geschaffen werden der in der normalen Gesellschaft nicht besteht.

Das Sternchen "*" am Ende der Abkürzung dient als Platzhalter zur Inklusion (Einbeziehung) von allen nicht-binären Geschlechtsidentitäten.

Antwort auf/zuklappen inter*

 

In unserer Gesellschaft werden bestimmte körperliche Merkmale als männlich (z.B. Y-Chromosom) oder weiblich (z.B. X-Chromosom) definiert. Inter* umschreibt die gelebte Erfahrung, mit einem Körper geboren zu sein, der den medizinisch normierten Vorstellungen von männlich/Mann und weiblich/Frau nicht entspricht. Inter* Personen haben Geschlechtsmerkmale, die sich zwischen dem bewegen, was als weiblich oder männlich definiert wird. Dies führt noch heute zu Diskriminierungen und Menschenrechtsverletzungen, wie z.B. geschlechtsverändernde Eingriffe ohne Einwilligung der betroffenen Person. "Inter* ist kein drittes Geschlecht, denn die Realitäten von Menschen mit angeborenen Variationen der Geschlechtsmerkmale sind vielfältig. Sie können, wie alle Menschen, eine männliche, weibliche, trans* oder nicht-binäre Identität haben. Manchmal bezeichnen Inter*-Personen ihre Geschlechtsidentität auch als Inter*, Herm, Zwitter oder Zwischen-geschlecht". (Quelle: https://oiigermany.org/)

Mehr zu Inter*

Antwort auf/zuklappen Nicht-binär

Nicht-binär oder (engl.) non-binary bezeichnen sich Menschen, die sich weder männlich noch weiblich identifizieren, "die sich also z.B. zwischen diesen beiden Geschlechtern verorten, oder ganz außerhalb davon, oder auch gar kein Geschlecht haben (agender)".

Mehr dazu aufQueer Lexikon.

Antwort auf/zuklappen People of Color (PoC)

 

"Ist eine Selbstbezeichnung, die in englischsprachige Ländern geprägt wurde. Als politischer Begriff findet er sich zum ersten Mal Mitte der 1960er Jahren im Kampf Schwarzer, indischer und anderer nicht-weißer Südafrikaner_innen gegen das rassistische weiße Apartheidregime. Zu Beginn der 1980er Jahre setzte er sich in den USA und in Großbritannien durch. Seit Mitte der 1990er Jahre wird der Begriff auch in Deutschland verwendet. Das Konzept „People of Color“ setzt voraus, dass Menschen, die nicht weiß sind, zwar sehr verschiedene Hintergründe und Herkünfte haben können, aber trotzdem gemeinsame, Erfahrungen in einer weißen, von Rassismus geprägten Gesellschaft teilen. Unterschiedliche Menschen und Communities können sich deshalb zusammenschließen und ihre Interessen besser vertreten.

Der Begriff „People of Color“ ist nicht zu verwechseln mit dem Begriff „Colored“ („farbig“/“Farbige“), der eine von weißen gewählte, diskriminierende koloniale Bezeichnung darstellt und dazu dient, Menschen nach „Hautschattierungen“ zu unterscheiden, um sie auf- oder abzuwerten“. (Quelle: Homestory Deutschland. Der Jugendreader, 2012)

Antwort auf/zuklappen queer

 

Als queer oder bezeichnen sich Menschen, die ihre sexuelle Orientierung und/oder ihr Geschlecht als quer zu vorherrschenden, gesellschaftlichen Vorstellungen verstehen. Menschen kritisieren damit eine Einordnung in Entweder oder Kategorien, im Hinblick auf Sexualität, Geschlecht oder Begehren.

Entstanden ist der Begriff in den USA in den späten 80er Jahren. Das englische Wort queer bedeutet unter anderem merkwürdig oder seltsam (vgl. Hark, 2003, S. 109). Es wurde verwendet, um trans*, inter*, schwule und lesbische Personen abzuwerten. Insbesondere richtete sich diese Gewalt gegen trans*, inter*, schwule und lesbische Personen der Schwarzen Queer-Community und der Queer-Community of Color. Dieser erniedrigende Begriff wurde sich durch verschiedene Befreiungskämpfe um die „Stonewall Riots“ (Aufstände in der Nacht zum 28. Juni 1969 vor dem „Stonewall Inn“ in New York) und Gay liberation Bewegungen als positve Selbstbezeichung zurück-angeeignet. Mehr zu Queer Theory und Queer Politics

Antwort auf/zuklappen Roma_nja

 

"Roma ist sowohl eine Selbstbeschreibung als auch der Oberbegriff für eine heterogene Gruppe von Menschen, die vor über 1.000 Jahren, vermutlich aus Indien, nach Europa ausgewandert ist. Im männlichen Singular spricht man von Rom (Plural: Roma), im weiblichen Singular von Romni (Plural: Romnja). Bis in die 1970er war die verunglimpfende Bezeichnung „Zigeuner“ in Deutschland gängig". (Quelle:Glossar der Neuen deutschen  Medienmacher S. 14)

Stellungnahme des Zentralrat Deutscher Sinti und Roma


Antwort auf/zuklappen Schwarz

 

„Schwarz ist eine Selbstbezeichnung von Menschen mit afrikanischer Herkunft oder afrikanischem Erbe. Er bezieht sowohl Afrikaner_innen als auch in der „Schwarzen Diaspora“ lebende Personen ein. Angelehnt ist er an das englische „Black“, das aus der schwarzen Bürgerrechts- und der Black-Power-Bewegung der 1960er und 1970er Jahre in den USA hervorging. Wie „Black“ wird auch „Schwarz“ großgeschrieben. Damit soll deutlich gemacht werden, dass es sich um einen politischen Begriff handelt, der verschiedensten soziale Erfahrungen, Lebensrealitäten und Widerstandstraditionen von Schwarzen Menschen in weißen von Rassismus geprägten Gesellschaften einschließt und miteinander verbindet. So bedeutet Schwarz-Sein in diesem Kontext nicht, einer tatsächlichen oder angenommenen ‘ethnischen Gruppe‘ zugeordnet zu werden, sondern ist mit der gemeinsamen Rassismuserfahrung verbunden, auf eine bestimmte Art und Weise wahrgenommen zu werden“

"In Abgrenzung hierzu sollte der Begriff „farbig“ nicht verwendet werden. Der Begriff ist eine von europäischen Kolonialist_innen geschaffene Fremdbezeichnung und hat bis heute eine rassistische Bedeutung. Rassistisch ist der Begriff, weil er dazu dient, Menschen nach Hautschattierungen“ zu unterscheiden, um sie auf oder abzuwerten". (vgl. Homestory Deutschland. Der Jugendreader, 2012).

Noah Sow erklärt, dass „farbig so klingt „als sei weiß quasi der Normalzustand, die Ausgangsposition und als sei ein Farbiger sowas wie ein >>angemalter<< oder >>eingefärbter<< Weißer. Farbig ist also das Konstrukt einer „Abweichung von Weiß“. Um wirkliche  »Farbe«  geht  es  hier  sowieso  nicht,  denn wie uns allen sicher schon aufgefallen ist, verfügen Weiße zumeist über ein weitaus beeindruckenderes Repertoire an verschiedenen Farbnuancen ihrer Hautoberfläche“ (Sow 2008, 23).

Mit der Verbindung der Begriffe "Schwarz" und "deutsch" wird (Schwarze Deutsche) der Anspruch auf gleichberechtigte gesellschaftliche Teilehabe verdeutlicht und gefordert (vgl. Mbombi 2011, 27). Ebenfalls wird dadurch unterstrichen, dass "Schwarz" und "deutsch" kein Widerspruch ist.

Mehr zur Intiative Schwarzer Menschen in Deutschland

Mehr zu Schwarzen Organisierung in Deutschland

Mehr zu dem Begriff Schwarz

 

 

Antwort auf/zuklappen Sinte_zza

"Sinti ist die Bezeichnung für Nachfahren der Roma-Gruppen, die bereits im 14. und 15. Jahrhundert in den deutschsprachigen Raum eingewandert sind. Der weibliche Singular ist Sintiza (Plural: Sintize), der männliche Singular ist Sinto (Plural: Sinti). Eine Untergruppe der Sinti_ze sind die Manouche, die vorwiegend in Frankreich leben".(Quelle:Glossar der Neuen deutschen  Medienmacher S. )

Antwort auf/zuklappen trans*


Mit der Geburt bekommen alle Menschen ein Geschlecht zugewiesen. Dieses stimmt nicht unbedingt mit der später empfundenen Geschlechtszugehörigkeit überein. Als trans* bezeichnen sich Personen, die sich nicht oder kaum mit ihrem Geburtsgeschlecht identifizieren. Das Adjektiv trans* steht auch als Abkürzung für u.a. trans* gender oder trans* geschlechtlich.

Antwort auf/zuklappen weiß

Ist keine politische Selbstbezeichnung, sondern die Markierung einer privilegierten, also bevorzugten Gruppe. Auch hier geht es nicht um Hautfarbe, sondern um die Position in einer Gesellschaft. Weiße Menschen sind nicht von Rassismus betroffen. weiß sein ist die Norm, also „Normal“ und wird daher meistens nicht benannt. Der Begriff wird klein und kursiv geschrieben, um ihn von der politischen Selbstbezeichnung Schwarz abzugrenzen.

"Weiße Menschen haben in Bezug aufs Weiß-Sein leichtere Zugänge zum Arbeitsmarkt, Wohnungsmarkt, zu Gesundheitsversorgung und politischer Teilnahme als PoC und Schwarze Menschen. Natürlich gibt es andere Ausschlusskriterien, wie z. B. Klassenzugehörigkeit, die diese Zugänge auch bei weißen Menschen verhindern können. Deutlich wird es z. B., wenn sich Familie Müller und Familie Yilmaz beide für eine Altbauwohnung in Charlottenburg bewerben. Wir können davon ausgehen, dass beide Familien sich die Wohnung leisten können, jedoch Vermieter_innen oft Namen bevorzugen, die als 'deutscher' wahrgenommen werden" (I-Päd-Glossar).

Wir verwenden in diesem Glossar das Gender-Sternchen*= das Sternchen steht für [weitere] sexuelle und geschlechtliche Identitäten

Letzte Änderung: 19.09.19

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