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Christian Stöcker ist ab September HAW-Professor für Digitale Kommunikation. Seit 2005 ist er bei SPIEGEL ONLINE. Foto: Sebastian Isacu

Christian Stöcker von SPIEGEL ONLINE baut neuen Master Digitale Kommunikation auf

07.06.2016
Wie werden aus talentierten Digital Natives exzellente Kommunikationsprofis, die in Wirtschaft, Gesellschaft, Politik und Kultur Einfluss nehmen? Der ab März 2017 startende HAW-Master-Studiengang „Digitale Kommunikation“ setzt punktgenau an den aktuellen Veränderungen des Medienmarktes an: Journalistische Arbeit im Newsroom und Praxisprojekte mit Partnerunternehmen bereiten die HAW-Studierenden optimal auf die Herausforderungen der Digital- und Kreativwirtschaft vor.

Die Zeiten, in denen Medienschaffende ausschließlich gut schreiben mussten, sind längst vorbei; die Zeiten des Qualitätsjournalismus aber noch lange nicht: Gute Recherche, Fact Checking und ein Gespür für Themen bleiben im schnellen digitalen Medienzeitalter unabdingbare Kernkompetenzen, um Hype von Scoop zu unterscheiden.

Das am Department Informaton neu gegründeteCompetence Center Communication (CCCOM) bietet ab dem Sommersemester 2017 einen in Deutschland einmaligen Master-Studiengang an, der an den aktuellen Veränderungen des Berufsfeldes ansetzt: Unter den realistischen professionellen Bedingungen eines hochschuleigenen Newsrooms für 24 Studierende wird tagesaktuell ein eigenes Online-Magazin produziert. Die Studierenden werden individuell betreut und gefördert. Zusätzlich vermitteln Seminare inhaltliche, technische und strategische Digitalkompetenz.

Christian Stöcker, derzeit Ressortleiter "Netzwelt" bei SPIEGEL ONLINE, wird ab September 2016 als neu berufener Professor am Department Information der HAW Hamburg den Newsroom des CCCOM aufbauen und den Master-Studiengang Digitale Kommunikation leiten. Im Interview verrät er schon einmal seine Ziele:

Warum wechseln Sie vom Journalismus an die Hochschule?

Weil ich sehr gerne mit Studierenden zusammenarbeite und weil ich überzeugt bin, dass Journalisten und Kommunikatoren heute anders ausgebildet werden müssen, als das bislang in Deutschland meistens der Fall ist. In über elf Jahren in der Redaktion von SPIEGEL ONLINE, fünf davon als Leiter des Ressorts Netzwelt, war der digitale Medienwandel mein journalistisches Kerngeschäft. Ich halte es für einen logischen Schritt, das Thema jetzt auch in der Ausbildung und in der Forschung anzugehen.

Was sind die größten Auswirkungen des digitalen Wandels für den Journalismus?

Die Arten und Formen, in denen Journalismus und Kommunikation ihre Adressaten erreichen, die Verbreitung von Nachrichten und die globale Debatte über sie haben sich binnen weniger Jahre grundlegend verändert: Vom Siegeszug der Videospiele bis zum Aufstieg der YouTuber, vom Katzencontent über Anonymous bis hin zur sozial-medialen Echtzeitberichterstattung über Terror, Krieg und Katastrophen, von Mark Zuckerberg bis Edward Snowden. Medienhäuser, PR- und Werbeagenturen und auch die Marketing- und Kommunikationsabteilungen von Unternehmen und NGOs müssen umdenken. Ihnen standen noch nie so vielfältige und mächtige Werkzeuge zur Verfügung, von der Recherche bis zur Verbreitung und Diskussion ihrer Botschaften.

Welche Kompetenzen muss ein Qualitäts-Onlinejournalist heutzutage haben?

Es gibt völlig neue Wege, Informationen aufzubereiten, Geschichten zu erzählen und seine Zielgruppe zu erreichen. All das muss ein Journalist heute nicht nur wissen, sondern wirklich begreifen. Dazu gehört neben der klassischen Ausbildung zum Beispiel auch ein Grundverständnis der Funktionsweisen von sozialen Medien oder Suchmaschinen. Gleichzeitig geht es gerade in dieser Zeit nicht ohne die klassischen Tugenden, denn ohne die gibt es keine Glaubwürdigkeit und kein Publikum: Unabhängigkeit, gründliche Recherche und Verifikation, präzise, im Idealfall schöne Schreibe, souveräner Umgang mit klassischen ebenso wie crossmedialen Darstellungsformen, Hartnäckigkeit, Gespür für Themen, Verständnis für Zusammenhänge, Erklärkompetenz. Fast all das trifft übrigens auf andere Kommunikationsberufe ebenso zu wie auf Journalisten im engeren Sinne.

Was sind Ihre Ziele als Leiter des Studiengangs „Digitale Kommunikation“?


Ich will junge Leute in die Lage versetzen, in einer Medienwelt im permanenten Umbruch das Beste aus digitalen Medien herauszuholen. Wie auch immer der Journalismus und die journalistischen Plattformen der Zukunft aussehen, die Absolventinnen und Absolventen dieses Studienganges werden darauf vorbereitet sein.

(Das Interview führte Dr. Hanna Klimpe vom CCCOM: klimpe(@)haw-cc.com)



Zur Person Dr. Christian Stöcker (*1973) wurde 2016 als Professor für Digitale Kommunikation an die HAW Hamburg berufen. Ab 2005 war er Redakteur bei SPIEGEL ONLINE , zuletzt als Leiter des Ressorts Netzwelt. Er veröffentlichte die Bücher »Nerd Attack!«, »We are Anonymous« und »Spielmacher«. Stöcker gehört zu den wenigen deutschen Journalisten, die mit Dokumenten aus dem Bestand von Edward Snowden gearbeitet haben. Er ist Co-Autor investigativer Enthüllungsgeschichten über die NSA, den GCHQ und andere Geheimdienste.

Das Competence Center Communication (CCCOM) ist ein Lehr- und Forschungszentrum für digitale Kommunikation an der HAW Hamburg. In seinem Newsroom werden ab Sommersemester 2017 die Studierenden des Master-Studiengangs "Digitale Kommunikation" für die Zukunftsfelder der Medien- und Digitalwirtschaft ausgebildet.

Informationen zum Master Digitale Kommunikation

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