Der halbe Doktortitel

Borgerding05.01.2011


Auf seinem Weg zum Doktortitel hat Kolja Seeckt einen für Deutschland unüblichen akademischen Titel erworben: Seit Oktober 2010 darf sich der 33-jährige Flugzeugbauer, der an der HAW Hamburg sein Diplom gemacht hat, sich nun auch mit der Bezeichnung Tekn. Lic schmücken. Diesen Titel hat er in Stockholm nach einigen Prüfungen und der erfolgreichen Verteidigung seiner Lizentiatsarbeit zum Flugzeugentwurf erhalten. Mit dem Lizentiat, das sich in Ländern wie Schweden und Finnland etabliert hat, ist er nun bereits ein "halber Doktor".

"Ich bin jetzt erstmal sehr froh, schon so weit gekommen zu sein", sagt Kolja Seeckt. Wenn er erzählt, wird deutlich, dass bereits eine Menge Arbeit hinter ihm liegt. " Es bedarf schon zahlreicher Absprachen, wenn man sich zwischen zwei Hochschulen abstimmen muss", erläutert der Flugzeugbauer. So wie er können auch die anderen rund 50 Promoventen der HAW Hamburg nur mit einer Partneruniversität ihren Doktor machen, da die HAW Hamburg als Fachhochschule über kein eigenes Promotionsrecht verfügt.

"In meinem Fall hatte Prof. Dieter Scholz, der mich an der HAW Hamburg betreut, gute Kontakte nach Schweden", berichtet der Ingenieur. Und so war es für Kolja Seeckt naheliegend, sein Promotionsvorhaben mit der KTH Stockholm zu verwirklichen. Die Verständigungssprache ist Englisch und die meisten Dinge können per Mail oder Telefon geklärt werden. Auch die Lizentiatsarbeit musste er auf Englisch verfassen. Für ihn kein Problem, denn bereits für seine Diplomarbeit hatte er einige Zeit im irischen Limerick verbracht.

Kolja Seeckts Lizentiatsarbeit entstammt dem Forschungsprojekt "Grüner Frachter", in dem es um die Entwicklung umweltfreundlicher und kosteneffizienter Frachtflugzeuge geht. An der HAW Hamburg hat Prof. Dieter Scholz das Projekt zwischen Oktober 2006 und April 2010 unter Beteiligung der Technischen Universität Braunschweig und von Airbus federführend betreut. Als wissenschaftlicher Mitarbeiter des Projekts musste Kolja Seeckt die Interessen aller Beteiligten so gut wie möglich berücksichtigen. Mit dem Lizentiat kamen dann auch noch die Anforderungen der schwedischen Universität hinzu. "Da sitzt man manchmal schon zwischen allen Stühlen", sagt Seeckt." Aber Spaß macht es trotzdem!"

Zurzeit muss Kolja Seeckt jetzt erst mal weitere Credit Points sammeln, um für den Doktor zugelassen zu werden. Außerdem hat er einen Lehrauftrag für den Bereich Flugzeugentwurf an der Hochschule. Er habe einfach Freude an der Lehre. Und dazu passt auch seine derzeitige Hauptbeschäftigung als Gewerbelehrer für Flugzeugtechnik in Hamburg.


Weitere Informationen:
Forschungsprojekt "Grüner Frachter"
Promotionkolleg an der HAW Hamburg

Presse und Kommunikation

news(@)haw-hamburg.de

Unser Team