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Blick in den Newsroom von FINK am Campus Finkenau. Foto: CCCOM

Ein Tag im Newsroom von FINK.HAMBURG: Qualitätsjournalismus und maximaler Praxisbezug im Master – Geht das?

06.08.2018
Der Masterstudiengang Digitale Kommunikation startete 2017. Mittlerweile ist der zweite Jahrgang in dem Newsroom auf dem Campus Finkenau eingezogen und produziert ein tägliches Online-Stadtmagazin mit Geschichten aus der Hochschule und Hansestadt. Wir haben die Redaktion für einen Tag besucht und erfahren, was das Besondere an diesem Master ist.

An einem Freitagmorgen um kurz nach neun herrscht im zweiten Stock des Kunst- und Mediencampus in der Finkenau schon geschäftiges Treiben. In der Raummitte sitzt eine kleine Gruppe zur Besprechung während sich rundherum die Studierenden an ihren Arbeitsplätzen einfinden, quatschen und Kaffee trinken.

Die kleine Gruppe sind die zwei Chefs vom Dienst (CvD) Anika Schnücke und Eric Recke, die in dieser Woche die Rolle der Redaktionsleitung innehaben sowie weitere vier News- und Social Media Redakteure. Gemeinsam gehen sie den Tag durch und besprechen welche Nachrichten und Themen Platz in ihrem Online Magazin www.fink.hamburg finden sollen.

Um 9.30 Uhr beginnt dann die große Redaktionskonferenz mit allen 26 Studierenden. Anika und Eric leiten die Besprechung, in der es nicht nur um aktuelle Themenideen geht, sondern auch darum organisatorische Fragen zu klären. Wie und wann üben wir Kritik? Muss ich jeden Morgen Bescheid sagen, wenn ich fünf Minuten zu spät komme? Wer übernimmt die letzte Schicht beim Rundgang Finkenau? Die Dozentin Dr. Hanna Klimpe ist zu diesem Zeitpunkt zwar noch nicht im Newsroom – aber der Redaktionsalltag verläuft dennoch reibungslos.  

Der Redaktionsalltag

Was sich anhört wie ein normaler Morgen in einer Zeitungsredaktion, ist für zwei Semester Alltag im Masterstudiengang Digitale Kommunikation, der vor etwa einem Jahr unter der Leitung von Prof. Dr. Christian Stöcker an der HAW Hamburg startete. Der Newsroom und der Redaktionsalltag sind zentraler Bestandteil des Lehrkonzepts, das an das amerikanische Modell der „teaching hospitals“ angelehnt ist. Seit März wird der große, helle Raum am Campus Finkenau von dem zweiten Jahrgang besiedelt und www.fink.hamburg bunt bespielt. So erlernen die Medienschaffenden von morgen ihr Handwerkszeug unter realistischen, professionellen Bedingungen.

Jeder der Studierenden übernimmt im Laufe des Semesters einen „Schicht-Dienst“ und wird somit für eine Woche Chef vom Dienst, übernimmt die Newsticker oder die Social-Media-Kanäle im Newsroom von FINK. Alle übrigen Studierenden sind währenddessen Redakteure und arbeiten an ihren eigenen Geschichten, Podcasts, Videos oder anderen Projekten.

Die Studierenden verteilen sich auf die fünf Ressorts Politik, Technik, Kultur, Wirtschaft und Soziales sowie Mensch und Umwelt, die grob an die Fakultäten der HAW Hamburg angelehnt sind. Die Themen, die hier behandelt werden, dürfen allerdings auch gerne die Grenzen der Ressorts sprengen und reichen von umfassenden Datenreportagen bis hin zu den kleinen tagesaktuellen News. Meist sind es Themen über die Hochschule und Hamburg, aber immer sollten die Studierenden einen individuellen Gesichtspunkt einer Geschichte darstellen – und ihre Leser befragen, Interviews führen und fünf Tage die Woche recherchieren und telefonieren was das Zeug hält.

„Die Studierenden lernen im Master die ganze Spannbreite der digitalen Kommunikation und einen realistischen Redaktionsalltag kennen“, sagt Hanna Klimpe, „zusätzlich können sie direkt sehr große Verantwortungen übernehmen, indem sie zum Beispiel sogar die Rolle des CvD übernehmen.“

Was ist das besondere an FINK?

Eine journalistische Grunderfahrung haben bereits alle Studierenden – ob mit einem eigenen Mode- oder Gamingblog oder durch Mitarbeit und Praktika in Redaktionen oder Pressestellen. Doch die thematischen Hintergründe der Studierenden sind vielfältig. „Das Besondere an dem Master ist, dass man nicht für sich allein, sondern wirklich im Team arbeitet. Man kann sich immer gegenseitig helfen, weil hier jeder etwas Anderes weiß“, findet Melina Mork, Masterstudentin und Redakteurin bei FINK.   

Auch Anika ist von der Zusammenstellung ihrer Mitstudierenden begeistert: „Zum Glück sind wir so ein bunt zusammengewürfelter Haufen. Das ist sehr erfrischend“, sagt sie. Außerdem erzählt sie, dass die Studierenden in der Orientierungswoche im März gefragt wurden, was FINK für sie bedeutet: „FINK ist Freiheit! Die Inhalte, die hier entstehen, kommen allein von uns als Redaktion. Bei einem Thema wie zum Beispiel dem Gendern, also der geschlechterbewussten Sprache, treffen schon mal unterschiedliche Meinungen aufeinander. Aber dann diskutieren wir solange darüber bis wir eine Lösung gefunden haben hinter der wir alle stehen können.“

Die Arbeit im Newsroom ist aber nicht der einzige Bestandteil des Masters. Die ganze Breite der digitalen Kommunikation wird in wiederkehrenden Workshops und Seminaren gelehrt. Gastdozenten aus der Praxis, wie zum Beispiel Online- und Printredakteure, bringen den Studierenden das theoretische Wissen zum journalistischen Schreiben oder der Social-Media-Arbeit nahe. Aber auch technisches Know-how zur Produktion von Podcasts oder Videos wird von Experten vermittelt. 

„Das Gelernte können die Studierenden dann direkt in der Praxis anwenden. Dabei ist immer auch mindestens ein Dozent von uns vor Ort, der im Zweifel weiterhilft und in letzter Instanz auch Korrekturen vornimmt und die Texte freigibt“, erklärt Klimpe die Vorzüge des Masters.

Was kommt nach FINK?

Im ersten Masterjahr erlernen die Studierenden Fähigkeiten, die sie für den Berufsalltag in Redaktionen oder in Kommunikationsabteilungen von Unternehmen brauchen können. Im zweiten Masterjahr können sie sich dann in einem Bereich spezialisieren und für zwei bis drei Monate an kleineren Projekten arbeiten, während sie im letzten Semester mit ihrer Masterarbeit ein großes Projekt in einem Partnerunternehmen bearbeiten.

Drei Studentinnen gingen zum Beispiel für zwei Monate nach New York und arbeiteten an dem Schichtwechsel.blog – eine Multimediareportage zum Thema „New Work“, in der sie verschiedene Menschen mit Hilfe von verschiedenen Darstellungsformen portraitierten. Die Arbeit entstand in Kooperation mit der Agentur Faktor 3. Am Ende ihres Aufenthalts fassten die drei ihr Fazit in „9 Thesen zur Zukunft der Arbeit“ zusammen (auch erschienen als Gastbeitrag unter anderem bei Capital.de).

„Im Laufe des ersten Studienjahrs lernen die Studierenden viele Unternehmen und Projektmöglichkeiten kennen. Aber sie können ebenso mit eigenen Ideen auf Unternehmen zugehen und diese umsetzen“, beschreibt Klimpe.

(Autorin: Britta Sowa)

Kontakt
Prof. Dr. Christian Stöcker
Studiengangsleiter Master Digitale Kommunikation
Fakultät Design, Medien und Information
christian.stoecker(@)haw-hamburg.de

Presse und Kommunikation

news(@)haw-hamburg.de

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