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Flugzeuge sind mein Traum

Weidmann20.04.2004
von Heinz Jürgen Ianzer



Seit Beginn des Sommersemesters 2004 nimmt Heinz Jürgen Ianzer als Gaststudent aus Rumänien an den Vorlesungen aus dem Studiengang Flugzeugbau teil. Hier berichtet er über seine Erfahrungen.

Mein Name ist Heinz Jürgen Ianzer. Ich bin geehrt diese Zeilen schreiben zu dürfen, die sicherlich von vielen neugierigen Augen und offenen Herzen empfangen werden.




Seit November 2003 bin ich Gaststudent an der HAW-Hamburg, im Fachbereich Fahrzeugtechnik und Flugzeugbau, und mit jedem Tag der vergeht komme ich meinem Traum einen Schritt näher, doch dieser Weg war kein leichter.




Nach zehn Semestern an der Universität "Transilvania"-Brasov (Kronstadt) und einer abgeschlossenen Diplomarbeit in meinem Heimatland, Rumänien, hatte ich mich für ein zusätzliches Jahr mit einem Master-Studiengang im Flugzeugbau entschlossen, denn Flugzeuge sind mein Traum. Gleichzeitig bot sich durch Herrn Prof. Dr.-Ing. Dieter Scholz, der als Gastdozent in Brasov war, die Möglichkeit eines SOCRATES/ERASMUS Stipendiums in Deutschland. Dies war eine einmalige Gelegenheit mein Fachstudium in einem traditionsreichen und nicht so fremden Land fortzusetzen. Nach knapp zwei Monaten schwieriger Verhandlungen in Rumänien war es endlich so weit: Im Winter 2003 konnten zwei Semester an der HAW Hamburg beginnen. Für beide Semester war ein Fachpraktikum vorgesehen, das noch Zeit für den Besuch von Vorlesungen an der HAW bot.




Gleich nach meiner Einreise begann ich meine Tätigkeit in der Firma Lühmann Ingenieur AG in Buxtehude. Hier werden Fragen der Umrüstung, der Untersuchung und des Entwurfs der Innenausstattung von Flugzeugen der AIRBUS-Familie bearbeitet. Nach einer kurzen Schulung, wurden mir meine ersten Aufgaben übertragen. Stück für Stück kam ich den AIRBUS-spezifischen Datenverwaltungs-, Datentransfer- und CAD-Programmen näher. Kenntnisse aller Art, von 3D-Modellierung bis zur Erstellung interner Dokumente sind gefragt, und wenn man etwas nicht kann, dann lässt es sich erlernen!




Ein überwältigendes Erlebnis war meine erste Exkursion, die zu den AIRBUS-Werken in Norddeutschland führte. Ich hatte zum ersten Mal die Gelegenheit, Technologien und Materialien zu erleben von denen man nur träumen kann.




Die wertvollen Erfahrungen, die ich durch das Praktikum gewonnen habe, werden mir von großem Nutzen sein, ebenso die Vorlesungen im Sommersemester 2004, die ich mit Freude begonnen habe. Die Studenten in Hamburg müssen ihr Studium sehr selbstständig organisieren. Dies war mir fremd und ich hatte damit zunächst meine Schwierigkeiten. Es ist aber von großer Bedeutung, denn es fördert verantwortungsvolles Denken und Handeln.




Nicht jeder in Rumänien konnte die Bedeutung von verantwortungsvollem Denken und Handeln erkennen, denn 45 Jahre kommunistische Diktatur hinterließen tiefe Narben im Gedächtnis eines Volkes. Der pralle Wohlstand war eine dicke Lüge, und das reiche Erbe eine Illusion. Die wenigen wahrhaftig unglaublichen Leistungen beruhten auf Not, Bedrohung und Gewalt. Vor wie nach der Wende schien Rumänien enttäuscht und verbittert zu den Vergessenen zu gehören. Die schwierige wirtschaftliche Lage hat eine mehr oder weniger berechtigte Zurückhaltung ausgelöst und die Industrie stark getroffen. Der Flugzeugbau hat jetzt keine Priorität mehr so wie früher, und die Ausbildung im Flugzeugbau hat dadurch gelitten. Hervorragende theoretische Kenntnisse können nicht mehr vertieft und durch die Praxis befruchtet werden.




Das ERASMUS-Programm ist für Rumänien eine wichtige Unterstützung durch die EU, über die sich Rumänien sehr freuen kann, weil es sogar für Beitrittskandidaten gedacht ist. Es ermöglicht die Verwirklichung der Träume rumänischer Studenten und bietet den Kontakt zu einer Welt, die neue Perspektiven und Hoffnung zu bieten hat.




In tiefster Dankbarkeit wünsche ich mir, dass auch andere die gleiche Chance haben mögen, meine Erfüllung zu erfahren, und die wahre Freiheit zu erleben. Ich wünsche mir ein friedliches Zusammenleben und enges Zusammenarbeiten aller Menschen, eine Welt ohne


Grenzen und Unterschiede.




von Heinz Jürgen Ianzer, Hamburg im Sommersemester 2004

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