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Preisträgerin Kathrin Marie Schnell bei der Preisverleihung. Foto: ARD/ZDF Förderpreis/Oliver Ziebe.

Preisträgerin Kathrin Marie Schnell bei der Preisverleihung. Foto: ARD/ZDF Förderpreis/Oliver Ziebe.

Preisträgerin Kathrin Marie Schnell bei der Preisverleihung. Foto: ARD/ZDF Förderpreis/Oliver Ziebe.

Preisträgerin Kathrin Marie Schnell bei der Preisverleihung. Foto: ARD/ZDF Förderpreis/Oliver Ziebe.

Im Porträt: Kathrin-Marie Schnell, Preisträgerin des ARD/ZDF Förderpreises »Frauen + Medientechnologie« 2016

21.09.2016
Der mit 2.000 Euro dotierte 3. Preis ging an Kathrin-Marie Schnell für ihre Masterarbeit "Remote Production - Evaluierung technischer Möglichkeiten für den Einsatz im Bereich Fußball-Live-Übertragung" im Studienfach „Zeitabhängige Medien - Sound/Vision“ an der HAW Hamburg. Die Arbeit wurde von Prof. Dr. Ulrich Schmidt betreut, der für den Bereich „Vision“ in diesem Masterstudiengang verantwortlich ist.

 „Meine Idee schreibt Zukunft“ – so heißt der Slogan der Ausschreibung zu technischen Ideen im Medienbereich für junge Frauen. Eine Idee, die hält was sie verspricht – und zu der die von der HAW-Studentin Kathrin-Marie Schnell eingereichte Masterarbeit "Remote Production“ unbedingt gehört. Sie entwarf und testete ein Szenario, um Live-Mehrkamera-Übertragungen von Sportereignissen mit weniger Aufwand zu realisieren.

„Dabei hat alles anders angefangen“, erzählt Kathrin-Marie Schnell, „auf keinen Fall wollte ich etwas mit Technik machen!“ Die Tochter eines Profimusikers, die auch sehr gut singen kann, bewarb sich nach ihrem Abitur direkt beim NDR als Mediengestalterin. Dort lernte sie von der Pike auf, was es heißt „Medien mit Technik zu machen“. „Was ich beim NDR lernte, hat mir sehr gut gefallen, dennoch wollte ich mehr, wollte in die Tiefe gehen“, erzählt Schnell. So bewarb sie sich bei der HAW und absolvierte in Rekordzeit das Bachelorstudium Medientechnik an der Fakultät Design, Medien und Information. „Den Kontakt zum NDR habe ich dabei nicht abgebrochen, sondern neben dem Studium so oft gearbeitet, wie es ging.“

Aber auch das reichte der sportlichen jungen Frau nicht aus, die von ihrem Vater das Fußballspielen lernte, das sie bis zur Landesliga spielte. „Ich wollte wissen, was hinter der Technik steht, wollte wissen wie die Dinge wirklich ablaufen und funktionieren. Deshalb habe ich mein Studium begonnen. Nach dem Bachelor habe ich mich dann für den Masterstudiengang `Zeitabhängige Medien – Sound/Vision/Games´ an der HAW beworben, um fachlich möglichst viel Inhalte mitzunehmen und mich wissenschaftlich noch höher zu qualifizieren.“

„Die Aufnahmekriterien für diesen Master sind anspruchsvoll“, betont Prof. Ulrich Schmidt. Er ist einer von fünf Professoren, die den Studiengang an der HAW leiten und durchführen. „Wir setzen uns mit jedem Bewerber gründlich auseinander und führen ein längeres Gespräch mit ihm. Insgesamt nehmen wir bis zu 20 Studierende pro Jahr auf. Wir bieten mit `Zeitabhängige Medien – Sound/Vision/Games´ ein sehr breites Spektrum an. In der Regel wissen die jungen Leute genau wo sie hinwollen; dafür haben sie ja den Bachelor studiert. Bei Frau Schnell war uns sofort klar: Sie wollte innovativ und kreativ mit der Medientechnik arbeiten. Wir haben uns deshalb für sie entschieden und sie aufgenommen.“

Diese Innovation wie auch der Pioniergeist stecken in ihrer prämierten Masterarbeit, die sozusagen die Krönung der bisherigen Laufbahn der 32-Jährigen ist. Kathrin-Marie Schnell testete in ihrer Masterarbeit ein Kamera-Setup, das vor Ort  – zum Beispiel in einem regionalen Stadion oder auf einer kleinen Bühne – aufgebaut wird, auf seine Aufnahmequalität hin in Echtzeit als reiner Internet-Stream. „Hier wären Ereignis, Aufzeichnung, Signalübertragung per Internet, Regie, Schnitt sowie Kommentar und Ton räumlich voneinander getrennt und fänden nicht mehr vor Ort mit einem Übertragungswagen statt“, fasst die junge Wissenschaftlerin ihre Ergebnisse zusammen. „So kann zum Beispiel das zu übertragende Fußballspiel der 3. Liga in Harsefeld/Niedersachsen stattfinden, die Regie aber in Amsterdam sitzen und der Moderator in Berlin. Wenn die Qualität des Web-Stream stimmt, es also keine Latenzen und Zeitverzögerungen in der Direktübertragung gibt, können die Regie sowie der Kommentator sogar mehrere Spiele gleichzeitig schneiden und kommentieren." Das aber ist Zukunftsmusik, da die Software wie die technischen Schnittstellen noch nicht ausgereift sind. Die Übertragungsqualität stimmt also noch nicht.

„Klassischerweise bedienen Kameraleute die Kameras und die Livesendung bzw. der Livestream eines Fußballspiels wird mit einem Übertragungswagen realisiert. In meiner Masterarbeit habe ich getestet inwiefern sich einfache IP-Kameras über das Internet fernsteuern lassen und wie gut die Signale (die IP-Streams der Kameras) sich in eine entsprechende Produktionssoftware (Produktionsplattform) einbinden lassen, um eine kostengünstige Lösung für kleine Vereine zu finden“, erläutert Schnell.

Die im Rahmen ihrer Master-Thesis getesteten Plattformen wie make.tv, Wirecast Pro und Livestream Studio zeigten, dass jede von ihnen Defizite für den Einsatz im Bereich Fußball-Live-Übertragung per Remote hat. „Ideal wäre eine Kombination der Funktionen der drei Plattformen: Die Cloud-Funktionalitäten von make.tv sind von großem Vorteil für die Remote Komponente, Wirecast bietet umfangreiche Möglichkeiten zur Inputkonfiguration und Bildbearbeitung, Livestream Studio überzeugt mit der professionellen Softwareoberfläche und Bedienbarkeit, den Funktionen zur Inputsynchronisation und der Möglichkeit, Zeitlupen aus allen Inputs zu erstellen“, beschreibt Kathrin-Marie Schnell die vorhandene technische Machbarkeit ihres gestellten Szenarios in ihrer Masterarbeit. Sie resümiert: „In Anbetracht der gewonnenen Erkenntnisse wird deutlich, dass die kostengünstige Umsetzung einer Fußball-Live-Übertragung mit Remote Production zum jetzigen Zeitpunkt mit erheblichen Einschränkungen hinsichtlich der inhaltlichen und technischen Qualität verbunden ist. Die ausführliche Betrachtung der einzelnen Komponenten hat gezeigt, wo genau die größten Schwierigkeiten liegen.“ Das sind demnach klar definierte Aufgaben für die Softwareentwickler der Zukunft, um Medien auch im regionalen Segment einsatzfähig zu machen und den Menschen vor Ort ein dezentralisiertes wie personalisiertes Fernsehen zu ermöglichen.

„Ideen, die wirklich Zukunft schreiben!“, betont ARD-Generalsekretärin Dr. Susanne Pfab, die der HAW-Absolventin Kathrin-Marie Schnell den 3. Preis im Rahmen der Internationalen Funkausstellung in Berlin (IFA) am 2. September übergab. Schnell hofft nun auf eine feste Stelle beim NDR, „gerne auch als Ü-Wagen-Leiterin“. Ein Informatikstudium will sie nicht mehr dranhängen. „Ich will jetzt loslegen“ sagt sie und lacht. (Autorin: Katharina Jeorgakopulos)

Kontakt
Fakultät Design, Medien und Information
Department Medientechnik
Prof. Dr. Ulrich Schmidt
Professor für Videotechnik, Tontechnik
Tel.: 040.428 75-7603
ulrich.schmidt(@)haw-hamburg.de

Presse und Kommunikation

news(@)haw-hamburg.de

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