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Der weltweite Flugverkehr nimmt jedes Jahr um etwa fünf Prozent zu.

Kann der Flugverkehr klimafreundlicher werden?

Scholz/Borgerding26.06.2014
Allein mit neuen Technologien wird die Luftfahrt in den nächsten Jahren nicht klimafreundlicher. Das ist die Hauptbotschaft aus einem Vortrag, den Dr. Antony Evans vom Energy Institute des University College in London am 12. Juni an der HAW Hamburg gehalten hat. Rund 50 Luftfahrtinteressierte waren der Einladung des Praxis-Seminars-Luftfahrt gefolgt, um die spannenden Ausführungen des Gastdozenten zu hören. Das Thema seines Vortrags: "Mitigating the Climate Impact of Aviation - Is Technology Enough?".

Dr. Antony Evans wies zwar darauf hin, dass zukünftige Technologien die negativen  Auswirkungen der Luftfahrt auf das Klima abmildern können. Sie werden aber in keiner  Weise allein ausreichen, um die Klimawirkung der Luftfahrt auszugleichen. Das liegt  vor allem daran, dass der Luftverkehr voraussichtlich auch in den nächsten  Jahrzehnten mit etwa 5 Prozent pro Jahr wachsen wird. Demgegenüber steht ein mögliches Einsparungspotenzial durch neue Technologien von nur einem Prozent pro Jahr.

Diesen Zahlen machen deutlich, dass neue Technologien das erwartete Wachstum nicht  kompensieren können. Insbesondere auch deshalb nicht, weil die weltweite Flotte der  Flugzeuge, bestehend aus älteren Flugzeugen, erst langsam durch neue effiziente  Modelle ersetzt werden kann. Die Nachrüstung älterer Flugzeuge mit neuen  Technologien ist oft nicht möglich oder unwirtschaftlich.

Zum anderen kommt der sogenannte Rebound-Effekt zum Tragen: Wirkungsgradsteigerungen  durch neue Technologien führen zu verringertem Kraftstoffverbrauch. Dies wurde in  der Vergangenheit in Form von preiswerteren Tickets an die Passagiere weitergegeben.  Dadurch steigt die Nachfrage nach Flügen, so dass der weltweite Kraftstoffverbrauch  am Ende steigt und nicht wie erhofft sinkt.

Auch der Einsatz sogenannter Biokraftstoffe wird laut Dr. Antony Evans nicht zu einem klimafreundlicheren Luftverkehr führen. Angestrebt wird eine Mischung aus 50  Prozent Kerosin und 50 Prozent Biokraftstoff. Unter Berücksichtigung von Wachstum  und Technologien könnten durch die Einführung von Biokraftstoff die CO2-Emissionen  für knapp 20 Jahre konstant gehalten werden. Danach würde der Effekt des  Biokraftstoffes durch das Wachstum bereits wieder aufgezehrt.

Die International Air Transport Association (IATA) strebt erst für das Jahr 2020 ein Wachstum der Luftfahrt an, dass ohne ein weitere Steigerung der CO2-Emmissionen  auskommt. Das kann laut IATA aber nur durch Kompensationszahlungen erreicht werden.  Die Fluggesellschaften müssten dann einen von den Emissionen abhängigen  Klimaschutzbeitrag zahlen. Dieser wird dazu verwendet, erneuerbare Energien in  Entwicklungsländern auszubauen. Doch es ist unklar, ob die Fluggesellschaften zu  diesen Zahlungen überhaupt bereit sein werden.

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