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Kosten für ein T-Shirts für 4.95 Euro, Quelle: FEMNET-Broschüre

Fahrradfahren in Dänemark schafft ökonomischen Mehrwert. Folien aus Prof. Christine Lachers Vortrag „Vom Umbau der Wirtschaft" 11/2018

Prof. Lacher beim Vortrag im Saarland, Foto: privat

„Weg vom immer mehr und immer schneller"

03.12.2018
Einige Ideen, wie sich unsere Wirtschaftsweise im Sinne einer nachhaltigen Entwicklung ändern kann:

Dr. Christine Lacher ist Professorin für Volkswirtschaftslehre an der HAW Hamburg und Gründungsmitglied des Netzwerks für Nachhaltige Ökonomie. Im Rahmen einer Vortragsreihe mit dem Titel „Vom Umbau der Wirtschaft“ thematisierte sie die Herausforderung des „immer mehr und schneller“ hin zu einer neuen Wirtschaftsweise, die ökologische und soziale Entwicklungen in den Vordergrund stellt. Lacher fordert einen zügigen Umbau der Wirtschaft „unter Berücksichtigung planetarischer Grenzen und dem Anspruch auf soziale Gerechtigkeit“. Einige Wege und Ideen dieser global nachhaltigen Entwicklung stellte sie in ihrem Impulsvortrag vor.

Problemlage

Die Weltgemeinschaft hat auf UN-Ebene Ende 2015 siebzehn Nachhaltigkeitsziele verabschiedet. Ziel dabei ist es, auch für zukünftige Generationen und die Länder des Südens eine zukunftsfähige Entwicklung im ökonomischen, sozialen und ökologischen Bereich zu garantieren. Damit wird Deutschland zu einem, den anderen Ländern gleichgestellten, „Entwicklungsland“. Wie der Umweltrat 2018 für Deutschland aufzeigt, erweist sich die Energiewende im Stromsektor bisher als erfolgreich, aber es besteht ein hoher Handlungsbedarf beim Klima-, Natur- und Gewässerschutz.

Die globale Zielerreichung ist ernsthaft gefährdet, wenn es nicht gelingt, innerhalb der bestehenden Grenzen unserer Ressourcen zu wirtschaften. Der Weltklimarat weist darauf hin, dass innerhalb der nächsten zehn Jahre große Anstrengungen erforderlich sein werden, um die Klimaerwärmung bei nicht mehr als 1,5 Grad zu halten, ansonsten muss mit hohen Folgeschäden durch Überflutungen, extreme Hitzephasen und anderem gerechnet werden.

„Die Disziplin der Wirtschaftswissenschaften geht teilweise bis heute von dem vereinfachten Grundsatz aus, dass die Globalisierung unseren Lebensstandard durch mehr Produktvielfalt und billigere Preise steigert.“ Unberücksichtigt dabei bleibt, dass in internationalen Wertschöpfungsketten zum Teil hohe externe ökologische Kosten entstehen durch Wasserverschmutzung, Artensterben und Klimagase durch lange Transportwege. Ebenfalls fallen hohe externe soziale Kosten an durch fehlende existenzsichernde Löhne, fehlende Gesundheitsstandards und Kinderarbeit. „Diese sind aber in den Marktpreisen nicht verrechnet. Diese fehlende Berücksichtigung verhindert ein verantwortungsvolles Risikomanagement und Konsumverhalten“, so Lacher.

Die Professorin und Volkswirtschaftlerin Dr. Christine Lacher zeigt folgende Ziele und Arbeitsfelder für den Umbau der Wirtschaft auf:

  •  Dekarbonisierung der Wirtschaft und ein sozialverträglicher Ausstieg aus der Kohle. Damit einhergehend der Umbau energieintensiver Branchen wie der Stahlindustrie und der Ausbau der Energiewende. Die Schaffung eines Ordnungsrahmens und eine interdisziplinäre Forschung und Entwicklung ist nötig, um neben ökonomischen und ökologischen Aspekten auch die soziale Abfederung zu berücksichtigen.
  • Ausbau der ökologischen Agrarwirtschaft, gekoppelt mit einer Ernährungswende (unter anderem weniger Fleisch). Damit könnten die globalen Ressourcen- und CO2-Belastungen entscheidend reduziert und ein wichtiger Beitrag zum Schutz der Artenvielfalt geleistet werden.
  • Stärkung und Sanierung der Staatsfinanzen. Die Schaffung von Anreizen ist für ein umfassendes sozial-ökologisches Investitions- und Umbauprogramm erforderlich. Dies sollte mit einer Reform des Steuersystems einhergehen. Ein wirksames Kohlenstoff-Preissignal, der Abbau umweltschädlicher Subventionen und passende Energieinfrastruktur-Investitionen sind erforderlich.
  • Schaffung von Finanzierungsinstrumenten für eine sozialverträgliche Transformation von Wirtschaft und Arbeitsmarkt. Das meint die Bildung eines Transformationsfonds mit Förderprogrammen für vom Strukturwandel betroffene Menschen (zum Beispiel im Kohleabbau) unter Berücksichtigung der Rechtsansprüche der vom Klimawandel geschädigten Menschen.
  • Sicherstellung der erforderlichen Finanzierung des Umbaus der Wirtschaft durch die Entwicklung entsprechender Anforderungen an die Banken und den Finanzsektor sowie von Nachhaltigkeitskriterien für Kapitalanlagen.
  • Minderung des Wachstumszwangs unter anderem durch eine Reform des Aktienrechts mit Abschwächung des Shareholder Value. Das kann durch eine Verpflichtung der Vorstände zu gesamtgesellschaftlichen ökologischen und sozialen Zielen gelingen.
  • Kombinierter Einsatz der Nachhaltigkeitsstrategien Effizienz, Konsistenz (das sind neue technische Lösungen) und Suffizienz (das meint neue Lebensstile). Die Entkopplung von Lebensqualität und dem bisher dafür erforderlichen klassischen Wirtschaftswachstum ist gemeint.
  • Nachhaltige Verkehrswende setzt neue Mobilitätskonzepte voraus. Um weniger Verkehr auf die Straße zu bringen sind kombinierte Konzepte in den Bereichen Vermeidung, Verlagerung und Verbesserung von Verkehr erforderlich. Dazu gilt es gegen Lobbyismus (zum Beispiel Dieselgate) vorzugehen. Digitalisierung kann helfen, soweit richtig eingesetzt, den Verkehr zu verringern.

Plädoyer

„Nachhaltig zu wirtschaften ist möglich!“, sagt Lacher. „Wir sollten auf die richtige Spur kommen und Potentiale nutzen. Staaten und Unternehmen sollten Verantwortung für die Sicherstellung sozialer und ökologischer Standards in Wertschöpfungsketten übernehmen, Konsumenten können Umbauprozesse aktiv durch Verhaltensänderungen unterstützen“, resümiert die Professorin für Volkswirtschaftslehre. „In einigen Bereichen ist Wandel zwar schwieriger zu erreichen wie zum Beispiel bei Lobbyismus und energieintensiven Branchen. Aber bisher fehlt auch der entsprechende Ordnungsrahmen.“

Klimaerwärmung, und andere Risiken erfordern alternative Konzepte. „Wir sollten keine Denkverbote aufstellen in Richtung Postwachstum mit einem neuen Entwicklungsverständnis. Risikobereites Unternehmertum mit verbesserten öko-sozialen Standards sind gefordert“, so Lacher. „Zu der Entwicklung einer neuen Verantwortungskultur auf verschieden Ebenen gehört für mich auch das Überdenken von Demokratie. Aktive Zivilgesellschaften wie Umweltverbände, Gewerkschaften, Kirchen können hier auf den gesellschaftspolitischen Diskurs Einfluss nehmen.“ (Autorinnen: Christine Lacher/Katharina Jeorgakopulos)

KONTAKT:

Fakultät Wirtschaft und Soziales
Department Wirtschaft
Prof. Dr. Christine Lacher
Professur für Volkswirtschaftslehre
Tel. 040.42875-6933
christine.lacher(@)haw-hamburg.de

 

Weitere Informationen: Die Vortragsreihe wurde vom Netzwerk Entwicklungspolitik im Saarland e.V. gemeinsam mit dem Regionalverband Saarbrücken und der Kooperationsstelle Wissenschaft und Arbeitswelt der Universität des Saarlandes organisiert. In ihrem Vortrag griff Lacher unter anderem auf Kernaussagen des Netzwerks für Nachhaltige Ökonomie und deren Memorandum für eine sozial-ökologische Transformation zum Nachhaltigen Wirtschaften von 2017 in Zusammenarbeit mit der Gesellschaft für Nachhaltigkeit zurück, an denen sie mitgewirkt hatte.

Im Anschluss an den Vortrag fand eine Podiumsdiskussion mit Sarah Gillen, der Vorsitzende des Ausschusses für Wirtschaft, Arbeit, Energie und Verkehr im Landtag des Saarlandes und Petra Krenn, Geschäftsführerin der Ottweiler Druckerei & Verlag GmbH statt. Die Moderation hatte Martin Busche inne, langjähriger Journalist für Politik und Wirtschaft beim Forum-Magazin und aktuell Pressesprecher der saarländischen Arbeitskammer. Rund 50 Zuhörer folgten der Diskussion, darunter Peter Gillo, Direktor des Regionalverbandes Saarbrücken, der auch die Grußworte sprach.

Publikation: Holger Rogall et al. (Hrsg.): Jahrbuch Nachhaltige Ökonomie 2018/2019 mit dem Brennpunkt: Zukunft des nachhaltigen Wirtschaftens in der digitalen Welt. Prof. Dr. Christine Lacher war Autorin des Beitrags: „Wachstum bei Paketdiensten und Onlinehandel – innerstädtische Verkehrswende realisierbar?“. In dem Artikel geht es um die Herausforderung, Lösungswege für eine nachhaltigere Ausgestaltung des städtischen Güterverkehrs, speziell der Paketdienste, aufzuzeigen. In diesem Zusammenhang wurde auf eigene Forschungsergebnisse sowie auf Beiträge einer Master- und Bacherlorarbeit der HAW Hamburg zurückgegriffen.

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