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Prof. Dr. Adelheit Iken, Professorin für Interkulturelle Kommunikation; Foto: privat

"Sharing knowledge and experiences": Flüchtlinge schreiben sich als Gasthörer an der HAW Hamburg ein

Jeorgakopulos/Iken15.09.2015
Studierende des Department Wirtschaft haben ein Konzept entwickelt, das es zirka 30 jungen Flüchtlingen ermöglicht, als Gasthörer/innen an ausgewählten, in englischer Sprache abgehaltenen Veranstaltungen der HAW Hamburg teilzunehmen. Am 15. September erfolgt jetzt die offizielle Einschreibung auf dem HAW-Campus Berliner Tor 5, Raum 2.10. Die Organisatorin des Gasthörer-Programms "Sharing knowledge and experiences" für Flüchtlinge ist Prof. Dr. Adelheid Iken, Professorin für Interkulturelle Kommunikation am Department Wirtschaft der HAW Hamburg. Im Interview mit News-Online spricht sie über das Vorhaben:

Was ist Ihre persönliche Motivation, sich als Professorin für interkulturelle Kommunikation für diese Gruppe von Flüchtlingen einzusetzen?
Ich habe mich immer als Brückenbauerin zwischen Menschen aus verschiedenen Kulturen gesehen. Dabei ist es mein Wunsch, Grundlagen zu vermitteln, die es ermöglichen eine Basis der Verständigung zu entwickeln, um Gemeinsamkeiten auszuloten und zu lernen, mit den Unterschieden umzugehen. Die Vorstellung, dass junge Menschen ihr Land verlassen, ihr Studium aufgeben und mit all ihren Ressourcen und Wünschen für die Zukunft nun hier oft monatelang tatenlos warten, beschäftigt mich als Professorin dabei besonders.

Welche Rolle spielt Ihrer Ansicht nach die HAW Hamburg?
Es liegt doch nahe, dass wir uns als Hochschule in dem Bereich engagieren, in dem wir gut sind und viel anzubieten haben, nämlich junge Menschen auszubilden. Es ist zwar nur der berühmte kleine Tropfen auf dem heißen Stein, wenn in diesem Semester 30 junge Flüchtlinge bei uns als Gasthörer einige Seminare belegen können. Aber es ist dennoch ein Beitrag damit Flüchtlinge in unserer Gesellschaft ankommen können. Und wenn es uns beispielsweise darüber hinaus gelingt, dem Flüchtling die Wartezeit zu verkürzen, bis der eine oder andere ein Studium aufnehmen kann und dann schon einmal weiß, wie das Lehren und Lernen hier funktioniert, ist das doch ein erster Schritt.

Inwieweit müssen sich Ihrer Meinung nach Lehrangebote in Ihrem Lehrgebiet Außenwirtschaft/Internationales Management mit dieser neuen Situation auseinandersetzen?
Wenn ich Ihre Frage aus einem globalen Blickwinkel heraus betrachte, wird sich durch die Anwesenheit von jungen Flüchtlingen an der Lehre an sich nichts ändern, zumal wir uns als eine internationale Hochschule verstehen. Der Studiengang Außenwirtschaft/ Internationales Management ist dabei ein gutes Beispiel für ein international ausgerichtetes Lehrangebot. Ein großer Teil unserer Studierenden hat zudem Auslandsbezüge durch Praktika und Auslandssemester, fühlt sich in mehr als in einer Kultur beheimatet oder hat eine eigene Migrationsgeschichte. Daraus ergibt sich ja bereits die Herausforderung, zu schauen, wie wir mit dieser Vielfalt umgehen und vor allem, wie wir die damit verbundenen Ressourcen in der Lehre nutzen können. Auch können Flüchtlinge, die vielfach aus Kulturen kommen, über die wir wenig wissen und mit denen wir wenig vertraut sind, sicher Impulse geben, die dazu beitragen, unsere Curricula zu internationalisieren. Spontan fallen mir da kurze Fallstudien ein, die ein interkulturelles Missverständnis behandeln und in die Erfahrungen von Flüchtlingen einfließen können. Oder die Durchführung von Simulationen in denen Studierende üben, verschiedene Perspektiven einzunehmen.

Wie kann man sich ein entsprechendes Screening der Flüchtlinge vorstellen, um die passenden Gasthörer/innen zu identifizieren?
Neben den Teilnahmevoraussetzungen wie Aufenthaltsstatus, englische Sprachkenntnisse und Studienerfahrung stand für uns vor allem im Vordergrund wie wir aus der Projektidee ein Projekt machen, an dem Studierende der HAW Hamburg beteiligt sind. Und in dem es zu einer Begegnung und einem Austausch zwischen den hiesigen Studierenden und den Flüchtlingen kommt. Da konnten wir natürlich wunderbar auf Erfahrungen zurückgreifen, die wir mit internationalen Studierenden machen. Und was uns auch wichtig war, die Studierenden in die Planung unmittelbar einzubinden, sozusagen in der Praxis lernen zu lassen. Die Studierenden haben beispielsweise Interviews mit Professoren und Professorinnen geführt, die Eingangsvoraussetzungen abgefragt und ein Modulhandbuch zusammengestellt, das in die verfügbaren Veranstaltungen einführt. Aus diesem Handbuch suchen sich Flüchtlinge im nächsten Semester vier Veranstaltungen heraus und im Rahmen eines ‚Matchings‘ werden dann Interessen und vorhandene Kapazitäten zusammengeführt. Wir werden aber mit Sicherheit auch noch viel lernen müssen und haben daher bewusst in der Mitte des Semesters eine Zwischenevaluation eingebaut, die uns helfen wird mit allen Beteiligten zu schauen, was gut läuft, aber auch was man vielleicht anders machen sollte.

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(Das Interview führte Dr. Katharina Jeorgakopulos)

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