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Fakultät Technik und Informatik
Department Fahrzeugtechnik und Flugzeugbau
Fakultät Technik und Informatik

Prof. Markus Linke, Foto: privat

Die "Escuela Técnica Superior de Ingeniería del Diseño"/UPV in Valencia, Foto: privat

Was ist ein Forschungssemester? Im Gespräch: Markus Linke, Professor für Leichtbau

05.04.2018

Was machen unsere Professoren in einem Forschungssemester? Wir haben nachgefragt bei Dr. Markus Linke, Professor für Leichtbau und Technische Mechanik am Department Fahrzeugtechnik und Flugzeugbau. Er ist Experte für Leichtbaustrukturen. Wenn er einmal nicht lehrt, dann forscht er an Faserverbundkunststoffen. Mehr dazu erfahren Sie hier:

Wie haben Sie Ihre Zeit im Forschungssemester verbracht?

Ein Forschungssemester ist eine großartige Gelegenheit, sich intensiv mit einzelnen Forschungsfragen zu beschäftigen, wozu im Lehralltag sonst wenig Zeit bleibt.

Während meines Forschungssemesters im Wintersemester 2017/18 habe ich mich hauptsächlich mit Carbonfaser verstärkten Kunststoffen beschäftigt, die immer häufiger in der zivilen Luftfahrt in tragenden Strukturen zum Einsatz kommen. In den Flugzeugtypen Boeing 787 oder Airbus 350 sind bereits mehr als 50 Prozent der Strukturmasse aus diesem Werkstoff.

Speziell habe ich ein Reparaturverfahren näher untersucht, das wesentlich schneller und ressourcenschonender ist als gewöhnliche Reparaturen. Es geht darum, den Schadensbereich nicht mehr aufwendig zu entfernen und mit einem sogenannten Reparaturpflaster zu ersetzen, sondern den Schaden mit Hilfe eines Harzes zu reinfiltrieren, also zu verkleben. Das ist quasi die „Carglass“ Autoglas-Reparatur für tragende CFK-Bauteile der Luftfahrt.

An diesem Thema arbeiten wir zusammen mit unserer Partnerhochschule, der Universitat Politècnica de València, die es mir glücklicherweise ermöglichte, zwei Monate vor Ort in Spanien zu forschen.

Warum das Forschungssemester an der UPV in Valencia, Spanien?

Zwischen der HAW Hamburg und der UPV besteht seit 2013 eine Promotionskooperation. Zur Anbahnung von gemeinsamen Forschungsaktivitäten sind damals HAW-Angehörige an die UPV gereist. Daraus hat sich in meinem Forschungsgebiet ein reger wissenschaftlicher Austausch mit Professor Juan Antonio Garcia-Manrique entwickelt. Er schlug vor, dass ich bei ihm am Institute of Design and Manufacturing forsche; der Einladung bin ich natürlich sehr gerne nachgenommen.

Die UPV ist genauso wie wir eine stark anwendungsbezogene Hochschule mit hervorragend ausgestatteten Laboren. Im Bereich Faserverbundkunststoffe gibt es eine Reihe interessanter Kooperationen mit der Industrie, unter anderem mit der Windkraftbranche, die Faserverbundkunststoffe in den Rotorblättern einsetzt. Auch die Stadt Valencia mit seiner Lage am Meer und den langen schönen Stränden, das südländische Flair sind sehr attraktiv. Es war daher sehr verlockend, dem Hamburger Winter zumindest ein Stück weit zu entkommen.

Wie sieht der Alltag an der Universität in Valencia aus?

Der Hochschulalltag beginnt morgens meist mit einem geselligen Austausch bei einem spanischen Frühstücksklassiker, dem Café con Leche zusammen mit einer Tostada con Tomate, also einem getoasteten Weißbrot, das mit pürierten Tomaten und Olivenöl serviert wird. Dabei werden dann die Themen diskutiert, die jeden bewegen. Das ist die spontane Version eines Kolloquiums.

Die UPV ist auf einem großen, schönen Campus angesiedelt mit vielen Sportmöglichkeiten. Die Studierenden wirken auf mich hoch motiviert. Es herrscht eine offene Lernatmosphäre. Die Größe der Lerngruppen mit 15 bis 20 Studierenden im Master ist sehr angenehm. Über die übliche Ausstattung hinausgehend finden sich in vielen Räumen an allen Sitzplätzen PCs mit geeigneter Lehr-Lern-Software, mit der man Aufgaben für die Lehrveranstaltung erstellen kann. Haben die Studierenden die Aufgaben gelöst, bekommt man als Dozent gleich Feedback. Im Vergleich zu den Lernmitteln wie Clickers oder Kahoot!-Learning Games, die ich an der HAW Hamburg einsetze, ermöglicht diese Lösung eine differenzierte Ergebnisauswertung, die auch ein individuelles Feedback erlaubt.

Gibt es Pläne zur weiteren Zusammenarbeit?

Wir tragen jetzt die erzielten Forschungsergebnisse zusammen, um sie dann zu veröffentlichen. Das Thema CFK-Reparatur treiben wir durch eine gemeinsame Promotion sowie Austauschstudierende voran. Außerdem haben wir einen gemeinsamen Forschungsantrag gestellt, ein weiterer soll noch in diesem Jahr folgen.

Gleichzeitig würde ich mich sehr freuen, wenn die angestoßenen Aktivitäten mit der UPV zu einem verstärkten Studierendenaustausch führen würden. Für die Entwicklung unserer Studierenden halte ich es für wichtig, dass man über den berüchtigten Tellerrand blicken lernt. Eine gute Chance dazu bietet ein längerer Auslandsaufenthalt.

Was nehmen Sie aus dem Forschungssemester mit?

Ich finde es immer wieder faszinierend, wie andere Herangehensweisen zu vergleichbaren Ergebnissen führen. Diese zu entdecken und für mich nutzbar zu machen, empfinde ich als bereichernd. Konkret heißt das, dass ich die eine oder andere Lernmethode von der UPV an der HAW Hamburg ausprobieren werde.

(Das Interview wurde von Dr. Kathrina Jeorgakopulos redigiert)

Kontakt:
Department Fahrzeugtechnik und Flugzeugbau
Prof. Dr.-Ing. Dipl.-Kfm. Markus Linke
markus.linke(@)haw-hamburg.de

Letzte Änderung: 31.05.13

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