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Informationen für:

Fakultät Technik und Informatik
Department Maschinenbau und Produktion
Fakultät Technik und Informatik

Doktorand Mohamed Cherif Aidara misst die die saisonale Verschmutzung von Solarpaneelen und die daraus resultierenden Wirkungsgradeinbußen; Foto: Anna Kerstin Usbeck

Grünflächen auf dem Hochschulecampus der Cheikh-Anta-Diop-Universität, Dakar (UCAD); Foto: Anna Kerstin Usbeck

Eingang zur Direktion der École Supérieure Polytechnique; Foto: Anna Kerstin Usbeck

Copyshop auf dem Campus der UCAD in der Nähe der École Supérieure Polytechnique; Foto: Anna Kerstin Usbeck

Die verantwortlichen Studierenden für den 3D-Druck aus den einzelnen Entwicklungsteams mit Prof. Usbeck (Mitte); Foto: Anna Kerstin Usbeck

Studierende der Elektrotechnik im Seminar "Mechatronisches Design"; Foto: Anna Kerstin Usbeck

Prof. Usbeck mit Prof. l. Thiaw, Departmentleiter der Elektrotechnik im Labor für Erneuerbare Energien des Departments; Foto: Anna Kerstin Usbeck

Prof. Usbeck mit M. Sc. Fatima Lachheb, Doktorandin der Erneuerbaren Energien vor der Direktion der ESP; Foto: Anna Kerstin Usbeck

„Irgendwie ticken alle Ingenieure gleich“ – Interview mit Professorin Anna Kerstin Usbeck

05.01.2018

Die Professorin am Department Maschinenbau und Produktion verbringt ein Jahr an der Universität in Dakar/Senegal und hat dort einen Lehrauftrag zur Entwicklung mechatronischer Produkte unter Einbindung von 3D-Druck.

Als Dr.-Ing. Anna Kerstin Usbeck den Senegal im Jahr 2000 zum ersten Mal besuchte, erkannte die Professorin für Produktentwicklung und CAD an der HAW Hamburg das Potential Erneuerbarer Energien in dem westafrikanischen Land. Nun verbringt die Ingenieurin ihr Sabbatical in der Hauptstadt Dakar. Im Interview berichtet Usbeck von ihrer Arbeit an der École supérieure polytechnique (ESP) der Cheikh-Anta-Diop-Universität und über ihre Pläne für eine mögliche Zusammenarbeit der Hochschule mit der HAW Hamburg.

Warum haben Sie sich für den Senegal und Dakar für Ihren Auslandsaufenthalt entschieden?

Was mich am Senegal besonders reizt, ist die Aufgeschlossenheit der Menschen anderen gegenüber. Die afrikanische Kultur gemischt mit den Ritualen der weitgehend muslimischen Bevölkerung, die es schafft, sich zwischen Globalisierung und Radikalisierung in einer friedlichen Demokratie weiterzuentwickeln. Das Wirtschaftswachstum beträgt etwa 6 Prozent, die Industrialisierung schreitet voran, Ingenieure werden gebraucht, aber es fehlt an Erfahrungswissen. Es bietet sich also an, ein solches Land zu wählen: unsere angewandte Wissenschaft wird hier dringend benötigt, was mir sowohl in der Deutschen Botschaft, als auch bei der Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit bei Gesprächen vor Ort bestätigt wurde. Auch der DAAD möchte Senegal als bildungspolitischen Standort nutzen, um die Zusammenarbeit mit schwierigeren Ländern, wie beispielsweise dem benachbarten Mali, vorantreiben zu können. Senegal ist also bildungspolitisch eine strategische Wahl, wenn es um die „Bekämpfung der Fluchtursachen“ geht, die die jungen Menschen von zuhause vertreiben.

Wie sieht Ihre Arbeit in Dakar konkret aus?

Ich habe im Department Elektrotechnik einen Lehrauftrag zur Entwicklung mechatronischer Produkte unter Einbindung von 3D-Druck erhalten. Hier unterrichte ich aktuell einmal und ab Januar zweimal wöchentlich „mechatronisches Design“. Weiterhin betreue ich eine angehende Doktorandin des Institutes für Solarenergie als Zweitbetreuerin, die ein Produkt für solare Anwendungen entwickeln soll, auf dem Gebiet der Produktentwicklung. Außerdem wurde ich von einer Gruppe Studierender gebeten, einen Roboterclub mit aufzubauen. Es gibt viele Ideen, vornehmlich von Studierenden der Elektrotechnik. Es fehlt aber bisher an Projekterfahrung, so dass ich hier die Funktion eines „Coaches“ einnehme. Wichtig ist mir vor allem aber der Auf- und Ausbau bildungspolitischer Kontakte mit der deutschen Botschaft, dem Deutschen Akademischen Austauschdienst und der Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit.

Wie nutzen Sie Ihre Lehr- und Forschungserfahrung von der HAW Hamburg bei Ihrer Arbeit in Dakar?

Meine Lehrerfahrung der HAW Hamburg ist von großer Bedeutung, da wir sehr anwendungsorientierten Unterricht mit Laboren durchführen. Durch das Lehren des Moduls Mechatronisches Design, das ich hier in abgewandelter Form unterrichte, kann ich sehr genau einschätzen, welcher Student und welche Studentin welche Kenntnisse mitbringt und kann dieses Fachwissen gezielt in den Unterricht integrieren. Auch die Schulungen zur Kompetenzorientierung, die ich an der HAW Hamburg besucht habe, sind eine gute Grundlage, den Unterricht an den Bedürfnissen der Studierenden auszurichten und ihnen gleich am Anfang zu vermitteln, welche Kompetenzen sie in meinem Modul erwerben sollen.

Mit Mechatronikstudierenden der HAW Hamburg habe ich eine Messwerterfassung entwickelt und eine Masterarbeit zur Energieversorgung betreut. Diese beiden Arbeiten habe ich an der ESP vorgestellt. Ausgewählte Studierende arbeiten hier jetzt weiter an diesen Themen. Gleich zu Beginn meines Aufenthaltes habe ich dazu einen Einführungskurs in einer Objektorientierte Software gehalten, die mir für diese Zwecke für ein Jahr kostenlos zur Verfügung gestellt wurde.

Wie unterscheidet sich der Lehr-, Lern- und Forschungsalltag an der Universität in Dakar von dem an der HAW Hamburg?

Als großen Unterschied erlebe ich, dass es in Dakar nicht selbstverständlich ist, zu studieren. Ich habe es mit den gebildeten jungen Menschen zu tun, die in einer Welt von Analphabeten und Menschen ohne höheren Schulabschluss die Minderheit der Bevölkerung darstellen. Sie wollen mehr für ihr Land erreichen und hoffen, durch ihr Studium voranzukommen. Studieren ist hier ein Privileg, was sich dadurch bemerkbar macht, dass die intrinsische Motivation von vorneherein gegeben ist und man als Dozentin nicht gleich zu Anfang die Frage nach den Punkten, Noten und dem Inhalt der Klausur gestellt bekommt. Der Respekt gegenüber den Dozenten ist hier eher gegeben – auch wenn man sich schneller duzt, was der afrikanischen Landessprache „wolof“ und dem englischsprachigen Unterricht geschuldet ist, in denen man nicht zwischen „Du“ und „Sie“ unterscheidet. Trotz konservativem, sehr theoretischem  Unterricht herrscht  eine offene Lernatmosphäre, in der die Studierenden ungezwungen Fragen stellen können. Jedoch ist es auch selbstverständlich, dass einem Beamer und Schlüssel von den Studierenden organisiert und auch zurückgebracht werden, ohne dass man extra bitten muss. Insgesamt finde ich hier sehr aufmerksame Studierende vor.

Wo sehen Sie Gemeinsamkeiten?

Den deutschen und senegalesischen Studierenden gemein ist, dass ein engagierter Ingenieur ein engagierter Ingenieur bleibt: Neugier an Technik, Verständigung durch Formeln und Skizzen. Die Kollegen an der ESP meinten zu Recht, dass Ingenieure sich überall verständigen können. Die passionierten Studierenden ähneln sich in Hamburg und in Dakar sehr, sie stellen interessante Fragen und heben sich durch ihre Eigenständigkeit von der Gesamtgruppe ab. Irgendwie ticken alle Ingenieure gleich – Hautfarbe, Kultur und Sprache treten bei der Projektarbeit schnell in den Hintergrund.

Welche Pläne haben Sie für eine Zusammenarbeit der beiden Hochschulen über Ihren Aufenthalt in Dakar hinaus?

Ich plane einen weiteren Förderantrag bei der DAAD, um die Dozentur zu manifestieren und eine Förderung für meine Unternehmungen auch von deutscher Seite zu erhalten, so dass ich im Sommersemester weiter an der ESP unterrichten kann. Der Prodekan Internationales an der Fakultät Technik und Informatik, Professor Clemen, unterstützt mich außerdem dabei, eine Doktorandin aus dem Senegal an der HAW Hamburg mit zu betreuen. Außerdem ist ein Entwicklungsprojekt für die senegalesische Hochschule mit einem Konstruktionskollegen aus Hamburg in Planung. Und ich betreue ein weiteres Masterprojekt der „Erneuerbaren Energien“ in Zusammenarbeit mit meiner Kollegin Professorin Birgit Koeppen zu einer senegalesischen Fragestellung.

Und was wünschen Sie sich?

Ich wünsche mir, dass eine langfristige Kooperation zwischen der ESP in Dakar und der Fakultät Technik und Informatik an der HAW Hamburg entsteht. Die Globalisierung erfordert ein Gucken über den Tellerrand – und die Universität in Dakar ist eine erste Adresse auf dem afrikanischen Kontinent. Ich möchte den wissenschaftlichen Austausch zwischen den Ingenieursstudierenden beider Hochschulen im Rahmen von Projekt- und Masterarbeiten vertieft sehen. Dazu müssten Kurzzeitaufenthalte beispielsweise von Masterstudenten oder Doktoranden finanziert werden. Wir können die Anwendungsorientierung in die senegalesische Hochschule bringen, die senegalesische Hochschule kann uns bei dem Ausbau der wissenschaftlichen Forschung unterstützen.

(Interview: Moritz Heitmann)

Kontakt:

Fakultät Technik und Informatik
Department Maschinenbau und Produktion
Prof. Dr.-Ing. Anna Kerstin Usbeck
Professorin für Konstruktion und CAD
annakerstin.usbeck(@)haw-hamburg.de

Letzte Änderung: 31.05.13

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