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Fakultät Technik und Informatik
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1912: Dr. Heinrich Blasius

Heinrich Blasius - Im Zweifelsfall für die Lehre

"Meine lieben jungen Freunde,

Ihr habt mich überrascht. Niemand hat mir vorher von Eurem Unternehmen etwas gesagt. Ihr habt mich erfreut. Euer Fackelzug ist mir ein Beweis, daß ich auf dem rechten Weg bin. Warum unterrichte ich überhaupt noch an unserer Schule! Nicht aus fachlichem Interesse, um etwa zum 50-sten Male die Schwingungsgleichung abzuleiten; sondern aus dem Gefühl der Verbundenheit mit unserer Jugend, weil ich glaube, Euch in Eurer Ausbildung immer noch nutzen zu können.

Wir jungen Leute gehören zusammen!
"

Als Dr. Heinrich Blasius im April 1962 diese Ansprache an seine Studenten hielt, war er selbst schon 78 Jahre alt. 50 Jahre lang hatte er bereits an der Ingenieurschule am Berliner Tor unterrichtet, und zu diesem Jubiläum hatten ihn die Studenten mit einem Fackelzug durch Hamburg geehrt - wobei die Fackeln den Namenszug "Blasius" bildeten (dazu spielte die Feuerwehr-Kapelle aus Sasel).

Fackelzug zum 50-lährigen Lehrjubiläum
Fackelzug zum 50-lährigen Lehrjubiläum. Das Bild stellte Dipl.-Ing. Karl-Ernst Möller (Absolvent des Jahres 1964) zur Verfügung, der an der Organisation des Fackelzugs beteiligt war und auch den Text der von Dr. Blasius gehaltenen Ansprache aufbewahrt hat.

Gisela Lange, eine der wenigen Studentinnen zu jener Zeit, war eine der Fackelträgerinnen und erinnert sich: "Es war eiskalt an diesem Abend, und die Bläser der Feuerwehrkapelle haben sich schrecklich angehört..."

Damals war Heinrich Blasius als Lehrer bereits eine Legende, verehrt und geschätzt von seinen Studenten. Eine imposante Erscheinung mit langem, wallenden Bart, an die sich auch heute noch so mancher ehemalige Student gern erinnert.

Weniger bekannt dagegen ist sein Werdegang vor der Zeit an der Ingenieurschule: Heinrich Blasius wurde am 9. August 1883 in Berlin geboren und studierte von 1902 bis 1906 in Marburg und Göttingen. Danach wurde er einer der ersten Doktoranden und Mitarbeiter von Ludwig Prandtl, dem Vater der modernen Strömungslehre. Aus dieser Kooperation entstanden bahnbrechende Arbeiten zum Verständnis von Strömungen an Grenzschichten, auch heute noch die Grundlage der Aerodynamik von Autos und Flugzeugen.

Obwohl Heinrich Blasius nur sechs Jahre an physikalischen Forschungseinrichtungen gearbeitet hatte, werden seine Erkenntnisse heute noch zitiert und sein Name ist zumindest im Bereich der Strömungs-Physik weithin bekannt.

Im Jahr 1912 entschied sich Heinrich Blasius bewußt gegen einen weiteren Verbleib in der physikalischen Forschung und wurde aus Überzeugung Lehrer an der Ingenieurschule Hamburg. Lehrer zu sein, wurde seine Passion. Er schrieb mehrere Lehrbücher, u.a. über Wärmelehre und "Die Mechanik". Von 1945 bis 1950 war er Abteilungsleiter an der Ingenieurschule am Berliner Tor und engagierte sich beim Wiederaufbau der Hörsäle und Laboratorien nach dem II. Weltkrieg. Im Anschluss daran sollte er eigentlich in den Ruhestand gehen.

Aber Heinrich Blasius akzeptierte keine Pensionsgrenze. Er bestand darauf, weiter lehren zu dürfen, solange niemand an seiner geistigen und körperlichen Fitness zweifele. Noch in den 60er Jahren fuhr er mit dem Rad die 150 Kilometer nach Hannover in einem Tag. Und bis zu seinem Tod, am 24. April 1970, blieb er als Lehrer an der Ingenieurschule beruflich aktiv.

Letzte Änderung: 25.02.15

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