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Informationen für:

Fakultät Wirtschaft und Soziales
Department Soziale Arbeit
Fakultät Wirtschaft und Soziales

adele - (Wieder-)Eingliederung alter, desorganisiert lebender Menschen in das Hilfe- und Unterstützungssystem

Laufzeit

01.01.2017 – 31.12.2019

Förderkennzeichen
03FH009SX6

Kurzbeschreibung

Im Rahmen des Projektes werden soziale Problemlagen von desorganisiert und zurückgezogen lebenden älteren Menschen identifiziert. In Zusammenarbeit mit Kooperationspartnern aus dem Sozial- und Wohnungssektor wird anschließend ein sozialraumbezogenes Interventionskonzept erstellt, das insbesondere der Verbesserung der gesundheitlichen Lebenslage der Zielgruppe und der Stärkung ihrer Teilhabe am gesellschaftlichen Leben dient. Aus der begleitenden Evaluation ergeben sich Handlungsempfehlungen u.a. zur Übertragbarkeit des Konzeptes auf andere Regionen. 

 

Projektinhalte

Desorganisiertes Wohnen ist ein zunehmend medienpräsentes Phänomen, wird dort jedoch in erster Linie aus einer voyeuristischen Perspektive angegangen. Tatsächlich steht es, u.a. aufgrund der damit verbundenen Schamgefühle auf der Seite der Betroffenen, Hilflosigkeit auf der Seite der Außenstehenden, im Alltag keineswegs im Fokus, obwohl die Auswirkungen vielschichtig sind:

  • Soziale Isolation und Einsamkeit
  • Verstärkung von Armutssymptomen
  • gesundheitliche Beeinträchtigungen
  • nachhaltige Schädigung von eigenem und angrenzendem Wohnraum sowie damit verbundene Kosten bzw. Wertminderungen etc.

Bedeutet das Leben in einem desorganisierten Haushalt für alle Altersgruppen eine erhebliche Beeinträchtigung der eigenen Lebensqualität, so sind aufgrund körperlicher Einschränkungen besonders ältere desorganisiert lebende Menschen auf Unterstützung angewiesen. Eine Hamburger Studie aus dem Jahr 2008 ergab, dass sich etwa ein Drittel der Wohnungen, in denen alte Menschen erst nach längerer Zeit tot aufgefunden wurden, in einem verwahrlosten Zustand befand (vgl. Studie „Leben (und Sterben) im Alter, Püschel 2008). Die Zahl der Einpersonenhaushalte in der Altersstufe 60plus wird voraussichtlich von 40% (2009) auf 43% bzw. 52% im Jahr 2030 steigen (vgl. Statistisches Bundesamt 2010; ebd. 2012a und b). Diese Entwicklungen sowie das vermehrte Auftreten altersbedingter Erkrankungen und Einschränkungen wie z.B. Demenz und Gebrechlichkeit, in deren Verlauf eine eigenständige Haushaltsführung nicht mehr (ausreichend) möglich ist, können das Auftreten desorganisierten Wohnens begünstigen. Daneben erhöhen oftmals auch gesellschaftliche Entwicklungen, wie z.B. die zunehmende individuelle Freiheit und die abnehmende soziale Kontrolle sowie mehr Einsamkeit besonders im hohen Alter, das Risiko, dass Menschen von außen unbemerkt in extrem problematischen Wohnsituationen leben (vgl. Huxhold et al. 2010; Stadt Dortmund 2014).

Bewusst wird im Projekt vornehmlich der Ausdruck „Desorganisiertes Leben“ verwendet, denn das Phänomen bezieht sich nicht ausschließlich auf das Wohnen, sondern versteht den Zustand der Lebenslage ‚Wohnraum‘ als ein Ausdruck tiefer liegender Probleme der BewohnerInnen . Dabei ist zumeist nicht nur der Wohnraum, sondern auch die eigene Person von der Desorganisation bzw. Vernachlässigung betroffen. 

Mittels Literatur-, Bedarfs- und Bestandsanalysen werden die sozialen Problemlagen desorganisiert lebender Menschen identifiziert:

  • Ab wann ist ein Lebens-/Wohnstil als desorganisiert zu bezeichnen?
  • Sind Muster im Auftreten und Erscheinungsbild der Desorganisation zu erkennen und wenn ja, welche?
  • Wie zeigt sich desorganisiertes Leben in den verschiedenen Dimensionen des Lebenslagenkonzeptes insbesondere im Zusammenhang mit dem Alter der Betroffenen?
  • Wie ist das soziale Netz der Betroffenen gestaltet?

Das Projektziel von adele ist die Konzeptionierung einer präventiven Interventionsstrategie, welche zur Verbesserung der Lebensqualität von desorganisiert lebenden älteren Menschen beiträgt. Mithilfe der aufgeführten Kooperationspartner aus Wissenschaft und Praxis wird die Intervention interdisziplinär erarbeitet und durchgeführt. Visual Essays dienen der Initiierung von Koproduktionen zwischen VertreterInnen unterschiedlicher Berufsgruppen (z.B. Wohnungswirtschaft, soziale Einrichtungen), um eine Überführung des Interventionsangebotes in ein Regelangebot mit Unterstützung aller Beteiligten anzuregen. Aus der begleitenden Evaluation ergeben sich Handlungsempfehlungen u.a. zur Übertragbarkeit des Konzeptes auf andere Regionen. Gegenstand der Evaluation ist zugleich eine Wirkungsmessung mit Bestimmung des Social Return on Investment. 

 

Partizipationsmöglichkeiten

Sie haben selber Probleme bei der Haushaltsführung? Sie kennen eine ältere Person, der die eigene Haushaltsführung schwer fällt? Sie sind Vermieter, Berufsbetreuer, Hausarzt, Handwerker, Pflegedienst oder gehören einer anderen Berufsgruppe an, die in Kontakt zu desorganisiert oder auch verwahrlost lebenden Menschen kommt? Dann melden Sie sich gerne! 

 

Verantwortlicher Ansprechpartner
Prof. Dr. Andreas Langer
HAW Hamburg
andreas.langer(@)haw-hamburg.de 

Wissenschaftliche Mitarbeiterin
Johanna Wessels
HAW Hamburg
johanna.wessels(@)haw-hamburg.de
040-428757080

Letzte Änderung: 21.02.18

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