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Fakultät Wirtschaft und Soziales
Department Soziale Arbeit
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Vorträge

Tarek Naguib
Racial Profiling - Sicherheit um jeden Preis?
Problem und Umgang

Der Beitrag widmet sich dem Thema des Racial Profiling, einem sozialen Problem, das in der rechts- und sozialwissenschaftlichen Literatur der Schweiz noch kaum diskutiert wird. Grundlage bilden eine qualitative Studie von 30 Interviews mit Schwarzen Menschen und People of Colour, eine Analyse von Stellungnahmen von Mitarbeitenden der Polizei, die Analyse des Forschungskollektivs "Rassismus vor Gericht" sowie die aktivistischen Arbeiten der Schweizer Allianz gegen Racial Profiling (www.stop-racial-profiling.ch). Gestützt darauf und im Lichte der Critical Race Theory – einer rechtstheoretischen Bewegung, die das Verhältnis von Rassismus und Recht untersucht – wird ausgelotet, welche Handlungsmöglichkeiten bestehen, um Racial Profiling als strukturelles, institutionelles und personales Problem umzugehen.

Zur Person
Tarek Naguib ist Jurist mit Schwerpunkt im Antidiskriminierungsrecht, tätig an der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften ZHAW, der Université Fribourg und der HU Berlin. Mitbegründer der Allianz gegen Racial Profiling und des Instituts Neue Schweiz / Nouvelle Suisse / Nuova Svizzera. Zu seinen Themen gehören Rassismus und Recht, Legal Gender Studies, Disability Legal Studies, Intersektionalität und Postkategorialität. Er ist als Gutachter zu Diskriminierung tätig und gibt Trainings für Behörden und NGOs zu Antirassismus, Antiableism, Feminismus und LGBTIQ*-Recht.

 

Schohreh Golian Esfahani
Rassifizierung und Kriminalisierung von Jugendlichen im städtischen Raum - Einblick in eine Untersuchung

In diesem Beitrag werden Ergebnisse einer Studie zum Racial Profiling am Beispiel des „Altona-Altstadt-Falls“ präsentiert. Dabei wird polizeiliches Handeln auf seine Auswirkungen im Hinblick auf stigmatisierende Raumpolitiken untersucht und als ein Handeln , das mittels Kriminalisierung Verdrängungsprozesse im städtischen Raum in Kauf nimmt. Der „Altona-Altstadt Fall“ aus dem Jahre 2013 wurde medial als eine „urbane Panik“ inszeniert, wobei das polizeiliche Handeln als eine legitime ordnungspolitische Intervention dargestellt wurde, während die Vorwürfe des Racial Profiling seitens der migrantischen Jugendlichen dethematisiert wurden. In diesem Vortrag, wird die Perspektive der davon Betroffenen in den Vordergrund gerückt, und dabei mögliche Handlungsstrategien im Umgang mit der Dethematisierung von Racial Profiling entwickelt.

Zur Person
Schohreh Golian Esfahani, MA cand., Universität Hamburg

 

Birte Weiß
„Die Wohnung ist leider schon vergeben.“ – Rassistische Diskriminierung auf dem Wohnungsmarkt. Möglichkeiten und Grenzen von Intervention aus der Perspektive der Antidiskriminierungsberatung

Der Zugang zu Wohnraum ist, insbesondere in Städten wie Hamburg, umkämpft. Dies hat soziale Ausschlüsse zur Folge. Hinzu kommen Handlungen und Mechanismen rassistischer Diskriminierung auf dem Wohnungsmarkt. Sie werden von verschiedenen Wohnungsmarktakteur_innen auf verschiedene Weisen produziert. Bei privaten Vermieter_innen überwiegt die Ablehnung aufgrund von (unrechtmäßigen) Anforderungen an Deutschkenntnisse oder an die Zusammensetzung der Nachbar_innen eines Hauses. Bei Wohnungsbaugenossenschaften oder städtischen Vermieter_inen spielen eher strukturelle Vorgaben für die Zusammensetzung der Quartiersbevölkerung eine Rolle (Quoten). Neben Verdienstanforderungen, die zunehmend mehr Menschen nicht erfüllen können, bergen Auflagen wie z.B. der Schufa-Nachweis spezifische Diskriminierungsrisiken.

Diskriminierung ist aber für Betroffene häufig schwer nachzuweisen, ihre Kenntnis von Diskriminierungsschutzrechen und der Möglichkeit, sie durchzusetzen zudem oft unzureichend. Es gibt bisher kaum Klagen nach dem Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz, die Wege der Rechtsdurchsetzung aufzeigen und das Bewusstsein für diskriminierende Vorgaben und Strukturen ist sehr gering.

Der Beitrag beleuchtet erste Erfolge der Rechtsdurchsetzung, Handlungsmöglichkeiten für Betroffene, Anforderungen an Unterstützung und die Bedeutung einer sozialpolitischen Debatte um rassistische Diskriminierung beim Wohnungsmarktzugang aus der Perspektive der Antidiskriminierungsarbeit.

Zur Person
Birte Weiß ist Kulturwissenschaftlerin und systemische Beraterin. Sie arbeitet in Fortbildung, Training und Beratung zu den Themenfeldern Antirassismus, Interkulturelle Öffnung und Antidiskriminierung. Im Träger basis & woge e. V. ist sie für den Arbeitsbereich Antidiskriminierung verantwortlich und zuständig für die Antidiskriminierungsberatungsstellen amira (verikom/basis & woge e.V.) und read. Sie ist Vorständin im Antidiskriminierungsverband Deutschland, advd.

Letzte Änderung: 05.10.17

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