Städtebauliches Testplanungsverfahren

Für die Neubauentwicklungen am Campus Berliner Tor hat sich die HAW Hamburg an einem städtebaulichen Testplanungsverfahren beteiligt. Ein städtebauliches Testplanungsverfahren ist ein Gutachterverfahren in dem  Planungsteams Entwürfe in einem vorbestimmten Zeitraum für ein Planungsgebiet mit Aufgabenstellung erarbeiten. Der Vorteil zu einem klassischen Stadtplanungs-Wettbewerb ist, dass die Planungsteams ein festes Honorar für Ihre Arbeit erhalten sowie Zwischenergebnisse präsentiert werden und die Jury sowie Sachverständige die Möglichkeit hatten, Hinweise und Anmerkungen zu geben.

Für das Planungsverfahren Berliner Tor im Auftrag der Stadtentwicklungsbehörde wurden vier Planungsteams zur Teilnahme eingeladen und haben Entwürfe erarbeitet.

Hintergrund

Aufgabenstellung

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Ablauf und Termine im Verfahren

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Nächste Schritte

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Ergebnisse

In der Jurysitzung vom 08.04.2021 wurde für den Fokusbereich der HAW Hamburg kein Entwurf prämiert. Zwei Entwürfe haben Potenzial und werden weiter ausgearbeitet.

Die vier teilnehmenden Büros waren (Reihenfolge wie auf dieser Seite dargestellt):

  • Behnisch Architekten Partnerschaft mbB, Stuttgart
  • ROBERTNEUN™ Architekten GmbH, Berlin
  • gmp International GmbH, Hamburg
  • Diener & Diener Architekten, Basel (CH) / Berlin

Die Entwürfe von Behnisch Architekten und RobertNeun werden weiter ausgearbeitet.

Entwurf von Behnisch Architekten - Partnerschaft MBB

Der Entwurf von Behnisch Architekten wird weiter überarbeitet.

Auszug aus dem Protokoll der Jurysitzung

Die Jury bedankt sich für den mutigen Entwurf. In den einzelnen Fokusbereichen ist er allerdings recht heterogen. Der konzeptionelle Zusammenhalt der Teilbereiche sowie die Integration in das bestehenden Stadtgefüge überzeugt nicht in Gänze.

Zum Campus der HAW Hamburg

  • Die Schaffung eines zentralen Platzes auf dem Campus der HAW Hamburg wird begrüßt. Der Bereich wird schon heute als Treffpunkt genutzt und eignet sich daher, um als zentraler adressbildender
    Platz entwickelt zu werden.
  • Die Wegeverbindungen und der Zugang von der Wallstraße werden als gut bewertet.
  • Das zu schaffende Volumen wurde aus Sicht der Jury sehr selbstverständlich auf dem Campus integriert.
  • In funktionaler Hinsicht wird der Vorschlag für den Campus als sehr brauchbar gewertet. Der Entwurf bietet für den Campus eine hohe Aufenthaltsqualität.
  • Die drei Baublöcke führen mit ihren Hochpunkten ein charaktervolles Motiv ein. Die Zwischenräume sind überzeugend. Die Formensprache der Baukörper lässt allerdings wenig Bezug zu den Bestandsgebäuden erkennen.
  • Die Sichtachse zwischen den Schumacher-Bauten wird verstellt. Der Durchgang im EG scheint zu gedrungen, um dies zu kompensieren. Das Büro hat sich nach eigenem Bekunden bewusst gegen die Erhaltung eines Blick-Korridors entschieden, da es in der Abfolge von kompakteren öffentlichen Räumen eine höhere Aufenthaltsqualität erkannte. Die Sichtweise ist nachvollziehbar.
  • Die Höhenentwicklung des Campus-Geländes wird stellenweise nicht ganz klar. Es ist insbesondere unklar, wie das parallel zu BT 11 verlaufende Außengelände an das Bestandsgebäude anschließt und die dargestellten Höhenunterschiede zu den Außenbereichen der Neubauten überwunden werden.
  • Das geplante 12-geschossige Hochhaus an der Straßenecke Wallstraße/Westphalensweg mit einer weit auskragenden Hochhausecke über einem Haupteingang wird kritisch bewertet. Die Auskragung überdacht eine Sielanlage, die erdgeschossig von Bebauung freizuhalten ist. Diese Lösung ist technisch extrem aufwendig und erscheint unter Kosten-Nutzen-Erwägungen unverhältnismäßig.
  • Es wird ein Mobilitätskonzept und insbesondere der Nachweis von PKW-Stellplätzen vermisst.
  • Anlieferung über einen Anlieferhof wird positiv bewertet.

Entwurf von ROBERTNEUN und VOGT

Der Entwurf von RobertNEUN wird weiter überarbeitet.

Auszug aus dem Protokoll der Jurysitzung

Der Entwurf zieht aus der Analyse des Ortes nachvollziehbare Schlüsse und ist gestalterisch sehr konsistent. Insbesondere die vorgeschlagenen Gebäudestrukturen sind in ihrer konzeptionellen und typologischen Klarheit und ihrer Einbettung in den Kontext nachvollziehbar und überzeugend, ihre Dichte wird punktuell in Frage gestellt. In funktionaler Hinsicht lässt insbesondere der Campus noch Fragen offen.

Zum Campus der HAW Hamburg

  • Die Jury lobt den insgesamt konsequent durchgearbeiteten Entwurf. Die klaren Gebäudestrukturen auf dem HAW-Gelände werden grundsätzlich begrüßt. Dem Entwurf gelingt es, die Baumassen maßstäblich verträglich unterzubringen. Jedoch sind einige Gebäudekubaturen für die hier beschriebene Hochschulnutzung aus der Sicht der HAW problematisch und müssten überarbeitet werden.
  • Insbesondere das Bibliotheksgebäude westlich des Lohmühlenparks wird von der Jury gelobt. Es bildet mit dem gegenüberliegenden Gebäude und seiner unmittelbaren Umgebung im Wohnstadtteil St. Georg ein sehr schönes und klares städtebauliches Ensemble und formuliert auf selbstverständliche Weise eine einladende Geste an die Öffentlichkeit.
  • Die Aufenthaltsqualität auf dem Campus wird allerdings als optimierungsbedürftig beurteilt. Es fehlt eine klare Hierarchie der Außenräume und ein zentraler Treffpunkt.
  • Das mittlere Campusgebäude steht in der Sichtachse der Schumacher-Bauten, die Blickverbindung wird an den beiden seitlichen Korridoren und durch das transparente Erdgeschoss eingeschränkt aufrechterhalten. Dieser Ansatz ist aus dem Gesamtkonzept heraus nachvollziehbar, die Transparenz im Erdgeschoss müsste jedoch noch deutlicher werden. Inwieweit sie tatsächlich umgesetzt werden kann, wird teilweise kritisch hinterfragt. Der Baukörper wird in seiner Ausformulierung als zu voluminös betrachtet.
  • Die Höhensprünge auf dem HAW-Gelände sind sehr vereinfacht dargestellt. Es wird im Wesentlichen ein Höhenversprung entlang der Wallstraße ausgebildet. Die Gebäudeanschlüsse auch im Bestand sind teilweise nicht nachvollziehbar, zu wenig differenziert und kritisch zu prüfen.
  • Die vorgenannte Bebauung der HAW Hamburg befindet sich sehr nah an der nördlichen Schule. Gleichermaßen werden hierdurch die Freiräume der Berufsschule stark reduziert.
  • Es fehlt die Darstellung der Anliefersituation.
  • Die Flächenaufteilung der Mensa auf zwei Gebäude entspricht in der aufgezeigten Weise nicht den Anforderungen und kann so nicht umgesetzt werden.

Hinweis: Dieser Entwurf wird durch den Oberbaudirektor favorisiert. Seitens der HAW Hamburg werden große Defizite und Probleme gesehen und v.a. für die Baufelder 1 bis 3 werden die Kubaturen als nicht funktional für eine Hochschulnutzung betrachtet.

Entwurf von gmp Inter­natio­nal | WES

Dieser Entwurf wird nicht weiter verfolgt/ bearbeitet.

Auszug aus dem Protokoll der Jurysitzung

Die Jury bedankt sich für den deutlich und präzise durchgearbeiteten Entwurf.

Die vorgeschlagenen Maßnahmen zeigen innerhalb der Fokusräume sehr unterschiedliche Herangehensweisen auf. Der konzeptionelle Zusammenhalt zwischen den Einzelräumen wird jedoch nicht in Gänze deutlich. Durch die vielfältigen und heterogenen Ansätze erzeugt das Konzept in seiner Gesamtbetrachtung nur in Teilen ein konsistentes Gesamtbild.

Zum Campus der HAW Hamburg

  • Der Entwurf stellt zwischen den alten und den neuen Gebäuden der HAW Hamburg auf zwei Ebenen durchgehende Verbindungen her, was in funktionaler Hinsicht begrüßt wird. Atmosphärisch überzeugen die Einfügungen in den Bestand weniger. Größe und Anordnung der Hochpunkte auf dem Campus erschließen sich ebenfalls nicht vollständig und schaffen entlang der Wallstraße eine sehr mächtige Baumasse.
  • Die offene Sichtachse zwischen den beiden denkmalgeschützten Schumacher-Schulen wird positiv bewertet. Die zahlreichen Einschnitte in den sog. „HAW-Terrassen“ mindern allerdings die Qualität und Nutzbarkeit der Campusfreifläche und die Wegeverbindungen.
  • Die Barrierefreiheit muss optimiert werden. Z.B. fehlt auf BF 3 gegenüber dem vorausgegangenen Entwurfsstand eine Erschließungsrampe auf das tiefere Niveau. Durch die Reduzierung der Freifläche im EG ist die dort bereits bestehenden Aufenthaltsqualität vor der Mensa weiterhin zu gewährleisten.
  • Die Nutzerinteressen wurden gut umgesetzt, die Gebäudetiefen werden positiv bewertet.
  • Es wird der Nachweis der Obdachlosenunterkunft vermisst.
  • Die HAW sieht in technischer Sicht einige Problempunkte. Die in Baufeld 3 geplante Tiefgarage im 2. UG kollidiert mit einer vorhandenen Sielleitung, die nicht verlegt werden kann. Das geplante 15-geschossige Hochhaus an der Straßenecke Wallstraße/Westphalensweg mit einer weit auskragenden Hochhausecke über einem Haupteingang wird kritisch bewertet. Die Auskragung überdacht eine Sielanlage, die erdgeschossig von Bebauung freizuhalten ist. Diese Lösung ist technisch extrem aufwändig und erscheint unter Kosten-Nutzen-Erwägungen als unverhältnismäßig.
  • Es wird ein Konzept zur Begrünung der Dächer vermisst.
  • Die Idee, im Umfeld der Hochschule Flächen für die Ansiedlung von Unternehmen vorzusehen, erscheint aus Sicht der HAW sinnvoll.
  • Es wird angeregt, den Campus stärker im Stadtbild zu verankern. Die Durchlässigkeit der Gebäude im EG ist besonders wichtig und sollte auch durch die Neukonzeptionen auf dem gesamten Campus gewährleistet werden (z. B. Baufeld 4).
  • Der Baukörper parallel zu BT11 wird wegen seiner Trennwirkung zwischen neuem und altem Campus kritisch gesehen.

Entwurf von Diener & Diener Architekten | Latz + Partner Landschaftsarchitektur

Dieser Entwurf wird nicht weiter verfolgt/ bearbeitet.

Auszug aus dem Protokoll der Jurysitzung

Der Entwurf verfolgt den Ansatz, das Gleisfeld als Teil der Stadtlandschaft zu betrachten und in dieser Rolle zu qualifizieren. Dies ist nachvollziehbar. Der minimalinvasive Ansatz wird begrüßt. Die vorgeschlagenen baulichen Maßnahmen rund um das Gleisfeld werden wirken insgesamt sehr selbstverständlich und plausibel, werden in ihrer Zurückhaltung allerdings teilweise auch kontrovers diskutiert.

Insgesamt wird der Entwurf insbesondere in Hinsicht auf die Gestaltung der öffentlichen Räume und die Erschließung als sehr realisierungsnah bewertet.

Zum Campus der HAW Hamburg

  • Die Bebauung an der Wallstraße wird als sehr voluminös und kompakt, die Belichtungssituation auf Grund der Gebäudetiefen kritisch gesehen. Eine adäquate Belichtung aller Räume in den Hochschulgebäuden ist anzustreben.
  • Für die vorgeschlagene Kompaktheit sprechen kurze Wege, was für einen effizienten Hochschulbetrieb wichtig ist.
  • Der Entwurf bietet eine vielfältige und abwechslungsreiche Durchwegung an. In der Folge bleibt er in der Adressbildung jedoch etwas unklar. Auch gelingt es nicht in jeder Hinsicht, die Orientierung zu erleichtern. Es wird eine spezifische Ankunftsqualität und ein attraktiver zentraler Treffpunkt vermisst.
  • Die überwiegend einhüftige Erschließung der Gebäude wird hinsichtlich der Wirtschaftlichkeit hinterfragt. Die Raumtiefen erscheinen zu hoch.
  • Der Atriumsbereich wird unter dem Blickwinkel der Sicherheit kritisch gesehen. Der Campus benötigt eine funktionierende soziale Kontrolle.
  • Die räumliche Anordnung des Dekanats-Gebäudes auf dem HAW-Gelände wird hinterfragt. Die Situierung zwischen den denkmalgeschützten Schulen wird kontrovers diskutiert.
  • Die Jury begrüßt die Idee und Anordnung der Campus-Brücke über die Bahntrasse. Das HAWGelände könne so noch besser an den Stadtteil Borgfelde angeschlossen werden. Außerdem ergänzt die Brücke das Radverkehrsnetz sinnvoll.
  • Es ist zu prüfen, inwieweit der hohe Baukörper auf Baufeld 5 zu einer Verschattung des Lohmühlenparks führt.