Modul 3: Lehr- und Lernräume

Die beiden Standorten Oberbillwerder und Berliner Tor sollen mit je einer neuen Bibliothek ein "Lernzentrum" erhalten. Damit die Lehr- und Lernräume auch nach Fertigstellung der Baumaßnahme noch modernen Anforderungen entsprechen, erfolgten in Zusammenarbeit mit HIS-HE Ideenwerkstätten und Workshops.

Am Campus Berliner Tor soll auf Baufeld 4 im Lernzentrum mit der Bibliothek, dem Studierendenzentrum sowie weiteren Einheiten wie die Arbeitsstelle für Studium und Didaktik, dem Zentrum für Karriereplanung und dem Campus Weiterbildung  Lehr- und Lernräume angeboten werden. Die Ergebnisse sollen auch auf das Projekt Oberbillwerder übertragen werden.

In diesem Modul wurden drei Themenfelder betrachtet:

  • Lehrräume
  • Lernräume
  • Synergien Bibliothek und Studierendenzentrum

Ein Fokus bei den Themenfeldern Lehr- und Lernräume wird die in den Jahre 2020 und 2021 stattgefundenen Veränderungen durch die Covid-19-Pandemie liegen und inwieweit diese Veränderungen erhalten bleiben und welche Anforderungen dies an Lehr- und Lernräume stellt.

Als Grundlage für diese Workshops dient auch die Lernraumstrategie der HAW Hamburg.

Folgend werden die Ergebnisse pro Themenfeld dargestellt.

HIS-HE hat zu Modul 3 im eigenen Magazin für Hochschulentwicklung berichtet. Eine digitale Ausgabe des Magazins finden Sie hier (Artikel zu diesem Projekt auf S. 10+11):

Magazin für Hochschulentwicklung 2|2020 (his-he.de)

Lehrräume

In einer Ideenwerkstatt am 15.01.2021 war das Ziel die Erarbeitung einer gemeinsamen Vorstllung davon wie zukünftige, moderne und hybrid nutzbare Lehrräume an der HAW Hamburg aussehen und welche Voraussetzungen gegeben sein sollten.

Nach jetzigem Kenntnisstand werden unter Bedingungen der Covid-19-Pandemie bis auf weiteres Präsenzveranstaltungen nur in kleinem Rahmen möglich sein. Nach der anfänglichen Umstellung auf digitale Lehre werden zunehmend hybride Lehrformate entwickelt. Für die weitere Zukunft der Hochschullehre stellt sich die Frage, inwieweit Präsenzveranstaltungen sinnvoll durch digitale Formate, weitere Lernorte und informelle Lernprozesse ergänzt werden können.

Im Fokus stehende Fragestellungen:

  • Welche technischen Anforderungen muss ein zukunftsfähiger Lehrraum abdecken?
  • Welche Raumgestaltung kann die zukünftigen didaktischen Anforderungen unterstützen?
  • Welche weiteren Rahmenbedingungen sind bei zukunftsfähigen Lehrräumen zu betrachten?
  • Wie sieht Ihr persönlicher idealer zukunftsfähiger Lehrraum aus?
  • Im Jahr 2031: Die neuen Lehrräume sind in Betrieb, wir sind aber nicht zufrieden. Warum?

Die Bearbeitung der Fragen erfolgte in Kleingruppen unter Berücksichtigung der Perspektiven, die sich aus den 21st Century Skills ergeben (4K-Kompetenzen). Dabei wurde vorab jeder Gruppe eine der nachfolgenden Kompetenzen zugeordnet:

  • Kollaboration
  • Kommunikation
  • Kreativität
  • Kritisches Denken

Folgend die Übersicht der Ergebnisse - die Raumanforderungen und Charakteristika der Lehrräume:

Raumstrukturen(digitale)
Kollaboration
OrganisationTechn.
Voraussetzungen
GrundsätzlichesLage
An Lehrinhalte anpassbar
Einladend, stimulierend, transparent, hell
Verschiedene Settings
Rückszugsmöglichkeiten
Nutzungsoffen
Zonierung
Auf Gruppengrößen anpassbar
Garderoben + Schließfächer
Breites Raumportfolio
Basis-/ fachspezifische Ausstattung
Lagermöglichkeiten
Flexibles Mobiliar
Hybride Lehre
Spezielle Raumsettings
Software
Hardware
Kollaborationstools
Digitaler sowie persönlicher Kontakt
Elektronisches Leitsystem
Online- Buchungssystem
Schließsystem
WLAN + Netzwerk
Service Support
Backups
Ergonomische Möbel
Standard-Ausstattung
Mobile, interaktive Monitore
Nutzbare (beschreibbare, magnetische) Wände
Raumklima
Fachspezifische Ausstattung
Innovative technische Ausstattung
Raumakustik- und Lichtkonzept
Steckdosen und LAN-Anschluss an jedem Tisch
Lehre und (selbstständiges) Lernen
„Haus des offenen Lernens“ (24/6)
Verantwortlichkeiten
Spielregeln
Regelmäßige Evaluation und ggf. Anpassung
Ausreichende Menge, jedoch ohne „zuviel“
Pausenräume, Caféterien
Medienausleihe
Zentrale Lage

 

Lernräume

In einem digitalen Workshop am 05.02.2021 wurde die zukünftige Verortung von sowie Anforderungen an die Selbstlernflächen am Campus Berliner Tor. Die Ergebnisse sollen auf den Campus Oberbillwerder übertragbar sein. An Hand von verschiedenen Personae mit anschließender Customer-Journey-Methode wurden Hauptlernorte identifiziert . Dabei standen folgende Themen im Fokus:

  • Individuelle Bedürfnisse und Gewohnheiten der Nutzer:innen (Studierende)
  • Identifizierung & Verortung von Lernorten auf dem Campus
  • Anforderungen an die unterschiedlichen Lernorte

Als Hauptlernorte wurden die Bibliothek (B), die Fakultätsgebäude (F) sowie Außen- und Zwischenbereiche (AZ) identifiziert. Folgend sind in einer Tabelle die Anforderungen zusammengefasst. Die Anforderungen ohne Markierung ( ) sind übergreifende Anforderungen.

Raumstrukturen

Atmosphäre

Techn.
Voraussetzungen

Grundsätzliches

Lage

Flexibel abtrennbare Arbeitsbereiche

Verschiedene Lernraumsettings

Auf Flächen „Räume“
schaffen (AZ)

Einzel und Gruppen-
arbeitsplätze

Ruhige Arbeitsbereiche

Fachspezifische Lernflächen (F)

Außen: Ausstellungsfläche (AZ)

Walks-to-talk (AZ)

Akustik

Lichtverhältnisse

Raumklima

Ergonomisches Mobiliar

Einladende Gestaltung

Sicherheitsgefühl

Hohe Aufenthaltsqualität (B)

Blick ins Grüne (F)

Witterungsgeschützt (AZ)

bequeme Sitzmöglichkeiten (AZ)

Strom/ Lademöglichkeiten

WLAN

Infoscreens

Konferenztools

Separater
Technikraum (B)

Leih-Laptops (B)

Schließfächer (B)

Große Monitore (F)

24/6 verfügbar bzw. geöffnet

Barrierefrei

Servicepersonal

Verpflegungseinrichtungen

WC

Campuszentral

Kurze Laufwege (B)

Nähe zu Lehrenden (F)

Nähe zu Studierenden (AZ)

Ergebnis-Zusammenfassung Lernräume von HIS-HE

Die Verteilung der Arbeitsplätze zum studentischen Selbstlernen am Campus Berliner Tor sollte anhand der im Workshop identifizierten Hauptlernorte eingeplant werden, d.h. Selbstlernflächen sind sowohl in räumlicher Nähe zu den jeweiligen Fakultäten als auch innerhalb eines zentral gelegenen Gebäudes zu realisieren.

HIS-HE empfiehlt, Lehr- und Lernflächen gemeinsam zu denken und in ein gemeinsames Konzept zu überführen.

Das zentral gelegene Gebäude könnte als „Haus des offenen Lernens“ etabliert werden, in dem Lehr- und Lernflächen mit Standardausstattung zentral und für alle Studierenden und Lehrenden leicht zugänglich, ggf. mit individueller Zugangsberechtigung, vorgehalten werden.

Aufgrund der empfohlenen zentralen Lage sollte durch die Hochschule geprüft werden, ob das „Haus des offenen Lernens“ in den Gebäudekomplex des Baufeld 4 (Campus Berliner Tor) zu integrieren ist, um eine räumliche Nähe zur Bibliothek sowie zum neu zu schaffenden Servicecenter zu ermöglichen (siehe hierzu die Ergebnisse des Workshops Synergieeffekte HIBS und Studierendenzentrum). Durch diese räumliche Nähe kann die Funktion des Servicecenters als zentrale Anlaufstelle für alle Studierenden und Studieninteressierten gestärkt werden.

Die studentischen Selbstlernflächen zum informellen Lernen auf Zwischen- und Außenflächen können dabei zusätzlich zu den rechnerisch ermittelten Arbeitsplätzen zur Verfügung gestellt werden, da sich diese innerhalb der Gebäude auf den Verkehrsflächen sowie außerhalb der Gebäude im nicht umbauten Raum befinden.

Synergieeffekte Bibliothek, Studierendenzentrum und weitere kleine Einheiten

Am Campus Berliner Tor soll auf Baufeld 4 mit einer zentralen Bibliothek als Lernzentrum zusammen in einem Gebäude mit dem Studierendenzentrum, einem Bistro sowie dem Zentrum für Karriereplanung, dem Campus Weiterbildung, der Arbeitsstelle Migration, der Arbeitsstelle für Studium und Didaktik und der Stabsstelle Forschung und Transfer ein neuer zentraler Anlaufpunkt entstehen. In einem Workshop mit Vertreter:innen dieser Einrichtungen wurden Funktionsbeziehungen und mögliche gemeinsame Aufgaben, Serviceleistungen und Anforderungen betrachtet.

Im Fokus standen dabei

  • individuelle Bedürfnisse und Anforderungen der zu bündelnden Einrichtungen
  • Identifizierung von Gemeinsamkeiten und Unterschieden
  • Diskussion möglicher Rahmenbedingungen

Charakterisierung

Anforderungen an den Raum

Techn. und baul.
Anforderungen

Herausforderungen

Zentraler Anlaufpunkt auf dem Campus

Kurze Wege

Hohe Aufenthaltsqualität

Barrierefrei

Eigenes Profil

Präsentation aus der Hochschule heraus

Bindeglied in den Stadtteil

Einladend

Gemeinsames Foyer & Welcome Center

Fördert Kommunikation

Gemeinsames Arbeiten

Rückzug und Erholung

Gemeinsame Nutzung

Medienwerkstatt

Multifunktional und flexibel

Regulierter Zugang

Wertschätzend

Neues Lehr- und Lernverständnis

Fördert Kontakte

Raumbuchungssystem

Anpassbare Beleuchtung

Langfristige Flexibilität

Schallschutz

Barrierefreiheit

Praktische Bewirtschaftung

Etablierung Raumbuchung

Takt der Lehre

Hohe Ausstattungsqualität

Hierarchiefreie Anordnung

Studentische Identifikation

Der Gebäudekomplex sollte durch eine gute Beschilderung und/oder Gestaltung des Außengeländes am Campus schnell und intuitiv für alle Studierenden, Lehrenden sowie externen Besucher:innen erreichbar sein.

Er bündelt die Einrichtungen des neu zu schaffenden Servicecenters mit der HIBS sowie idealerweise dem „Haus des offenen Lernens“, um die vorhandenen Synergien hinsichtlich inhaltlicher Schwerpunkte, Angebote sowie Flächenbedarfe optimal nutzen zu können.

Innerhalb des Servicecenters sind unter der Berücksichtigung der in den Workshops erarbeiteten Punkte zur Organisation und Ausgestaltung folgende Einrichtungen angesiedelt: Studierendenzentrum, Stabstelle Forschung und Transfer, Zentrum für Karriereplanung, Arbeitsstelle Studium und Didaktik, Campus Weiterbildung, Arbeitsstelle Migration.

Das „Haus des offenen Lernens“ steht allen Studierenden und Lehrenden der Hochschule offen. In ihm sind insbesondere Lehr- und Lernflächen mit Standardausstattung bereitgestellt, ergänzt durch Flächen zum informellen Lernen z.B. auf Fluren und in Nischen.

Gemeinsamer Anlaufpunkt innerhalb des Gebäudekomplexes ist ein Welcome-Center, bei dem die Besucher:innen wichtige Informationen erhalten oder durch das sie in die jeweiligen Bereiche weitergeleitet werden. Es sollte so gestaltet sein, dass es zusätzlich als Begegnungsstätte fungiert und zum Verweilen einlädt, um den spontanen Austausch aller Besucher:innen zu ermöglichen.

Fallbeispiele und weiterführende Links (von HIS-HE)

Räume für Kommunikation & Kollaboration

LinC, Oregon State University https://is.oregonstate.edu/learning innovation center/linc pictures

Pulse, TU Delft https://campusdevelopment.tudelft.nl/en/project/pulse/

American International College (AIC), Kuwait https://www.steelcase.com/eu de/forschung/artikel/themen/aktiv lernen/neues uni feeling in kuwait/

Library, TU Delft https://www.tudelft.nl/en/library/using the library/facilities study places

BK City, TU Delft https://www.tudelft.nl/en/architecture and the built environment/about the faculty/facilities

Frankfurt School of Finance & Management https://www.feco.de/projekt/frankfurt school of finance management/

Lernzentrum , FH Bielefeld https://www.fh bielefeld.de/bib/lernzentrum/raume

Learning Center, UB Mannheim https://ukw innenarchitekten.de/ub mannheim learning center/

Räume für Kreativität

CreativeLab „ FreiRaum “, Innovationscampus Wolfsburg https://www.innovationscampus.com/fileadmin/user_upload/FreiRaum_Facts_Figures.pdf

Denkraum, Why Guys, Braunschweig https://www.thewhyguys.de/kreativraume/denkraum

Innovation Space, TU Eindhoven https://www.youtube.com/watch?v=mJQG5FzaEbc , https://educationguide.tue.nl/broadening/innovation space/

Harald Herlin Learning Centre , Alvar Aalto Universität, Espoo https://www.aalto.fi/fi/toimipisteet/harald herlin oppimiskeskus

Räume für kritisches Denken

IDE Arena, TU Delft https://www.tudelft.nl/teachingacademy/edlabs/other buildings/ide arena/

Arena Hörsaal, Learning Innovation Center, Oregon State University https://is.oregonstate.edu/sites/is.oregonstate.edu/files/booralearninginnovationcenter10.jpg

Harvard Case Study Room (IIM Seminarraum ), TU Graz https://www.tugraz.at/institute/iim/infrastruktur/iim seminarraum/

Haus des offenen Lernens & Bibliothek

Pulse, TU Delft https://campusdevelopment.tudelft.nl/en/project/pulse/

StudiTUM , TU München https://www.sv.tum.de/themen projekte/studitum haeuser der studierenden/

BK City, TU Delft https://www.tudelft.nl/en/architecture and the built environment/about the faculty/facilities

Hunt Library, NC State University https://www.ncsu.edu/huntlibrary/find/

Library, TU Delft https://www.tudelft.nl/en/library/using the library/facilities study places

LEO Lernort, Universität Kassel https://www.uni kassel.de/einrichtung/servicecenter lehre/besser studieren/leo lernort

HIS HE:Medium 2|2020 Zukunftsorientierte Lernräume: https://his he.de/publikationen/detail/zukunftsorientierte lernraeume

Weitere Informationen

HIS HE:Medium 1|2021 Raum für Zukunftskompetenzen: https://his he.de/meta/presse/detail/ his hemedium 012021 erschienen neue raeume fuer neue lehre raum fuer zukunftskompetenzen

HFD Arbeitspapier Nr. 44 Zukunftsfähige Lernraumgestaltung im digitalen Zeitalter:

https://hochschulforumdigitalisierung.de/sites/default/files/dateien/HFD_AP_44 Zukunftsfaehige_Lernraumgestaltung_Web.pdf

 

Letztes Abrufdatum: 02.07.2021