Wie sprechen Kinder über Körper, Geburt und Gesundheit? Wie gelingt Sexualpädagogik kindgerecht? Ein neues Projekt der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg (HAW Hamburg) zeigt: Hebammen können bei diesen Fragen eine Schlüsselrolle spielen. Ab dem Wintersemester 2025/26 entwickeln dual Studierende des Bachelorstudiengangs Hebammenwissenschaft an der HAW Hamburg interaktive Unterrichtseinheiten für Hamburger Grundschulen. Ziel ist es, die Gesundheitskompetenz und das Körperbewusstsein von Viertklässler*innen zu stärken. Gefördert wird das Projekt von der Claussen-Simon-Stiftung.
„Kinder kommen heute mit vielen Fragen zu Körper, Gesundheit und Geburt in die Schule. Grundschullehrkräfte leisten hier bereits wichtige Bildungsarbeit und greifen diese Themen altersgerecht im Unterricht auf. Mit unserem Projekt möchten wir diese Arbeit unterstützen und ergänzen – durch zusätzliche fachliche Perspektiven und praxisnahe Zugänge“, erklärt eine der beiden Projektleiterinnen, Dr. Nina Reitis, Hebamme sowie Hebammen- und Gesundheitswissenschaftlerin.
„Unser Ziel ist es, gemeinsam mit den Schulen einen geschützten, wertschätzenden Lernraum zu schaffen, in dem Kinder offen und unaufgeregt Fragen stellen können“, ergänzt ihre Kollegin Susanne Schulz-Ille, Hebamme, Sexualwissenschaftlerin und -pädagogin. „Hebammen bringen hierfür neben fundiertem Fachwissen auch Erfahrung im sensiblen Umgang mit körperbezogenen Themen ein, die den schulischen Unterricht sinnvoll bereichert.“
Im neuen Wahlpflichtmodul „Hebammenstudierende an Grundschulen“ entwickeln die Studierenden im Laufe des Wintersemesters 2025/26 gemeinsam mit Lehrkräften und Eltern ihr Unterrichtskonzept. Anfang 2026 sollen die ersten Unterrichtsstunden an Hamburger Grundschulen stattfinden. Praktische Übungen, Modelle, Rollenspiele und kleine Experimente sorgen dafür, dass Kinder aktiv mitdenken und eigene Fragen einbringen können.
Das Projekt greift zentrale gesellschaftliche Themen auf: Gesundheitsförderung, Prävention und Bildungsgerechtigkeit. Wer früh lernt, Verantwortung für den eigenen Körper zu übernehmen und offen über Gesundheit zu sprechen, entwickelt Kompetenzen, die weit über die Schulzeit hinausreichen. Gleichzeitig erwerben die angehenden Hebammen pädagogische und kommunikative Fähigkeiten, die sie auf ihre spätere Rolle in der Gesundheitsförderung vorbereiten.
„Im Zentrum des Projekts steht die qualitativ hochwertige Umsetzung an Hamburger Grundschulen“, betont Susanne Schulz-Ille. Dr. Nina Reitis: „Uns geht es darum, die akademische Hebammenausbildung sinnvoll mit schulischer Gesundheitsbildung zu verbinden und einen Beitrag zur Prävention sowie zur Stärkung psychosozialer Gesundheitsressourcen von Kindern zu leisten. Gleichzeitig sammeln die Studierenden wertvolle Erfahrungen an der Schnittstelle von Gesundheitsförderung, Pädagogik und Praxis.“
