Schlachtung tragender Nutztiere

Die HAW Hamburg und die VMF der Universität Leipzig beschäftigen sich mit einem zur Zeit hochaktuellen Thema: Die Schlachtung tragender Nutztiere in Deutschland.

Das Thema der Schlachtung tragender Nutztiere hat vor allem nach den Pilotstudien von LÜCKER 2003 und RIEHN et al. 2010, 2011 vermehrt Aufsehen in Deutschland erregt. Die genannten  Untersuchungen haben schon früh gezeigt, dass die Schlachtung gravider Rinder in deutschen Schlachtbetrieben kein Einzelfall ist, sondern vielmehr regelmäßig vorkommt. Dennoch fehlen zurzeit deutschlandweite Zahlen zur Häufigkeit der Schlachtung tragender Nutztiere.

Die Feten dieser tragenden Tiere sterben im fortlaufenden Schlachtprozess infolge eines Mangels an Sauerstoff; es kann in diesem Zusammenhang angenommen werden, dass dieser durch Sauerstoffmangel induzierte Tod mit nicht unerheblichen Leiden der Feten verbunden ist, zumal aktuelle Untersuchungen belegen, dass neuronale Strukturen zur Schmerzpathogenese spätestens im letzten Trimester vorhanden sind (Bellieni et Buonocore, 2012).

Zurzeit werden aber weder tragende Nutztiere, noch deren Feten im Hinblick auf die Schlachtung besonders rechtlich geschützt. Allein der Transport von Tieren, die mehr als 90% ihrer Trächtigkeit absolviert haben wird durch die VO (EG) Nr. 1/2005 reglementiert.

Zur Erfassung von bundesweiten Daten sowie Einschätzung der Tierschutzproblematik wurde durch das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL), im Rahmen der von Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt im September 2014 auf den Weg gebrachten Initiative „Eine Frage der Haltung – Neue Wege für mehr Tierwohl“, das Verbundprojekt „Untersuchungen zum Anteil von Trächtigkeiten bei geschlachteten Tieren und zu den Ursachen für die Abgabe trächtiger Schlachttiere unter Berücksichtigung der verschieden Tier- und Nutzungsarten“, kurz „SiGN“, der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg und der Veterinärmedizischen Fakultät der Universität Leipzig, über die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) gefördert (Förderkennzeichen 2814HS005/012) gestartet.

Im Rahmen des Projektes werden neben der Prävalenz der Schlachtung gravider Nutztiere unter Berücksichtigung von Rasse und Nutzungsrichtung auch das Alter der Feten, tierwohlassoziierte Faktoren, sowie Gründe für die Schlachtung und eine wirtschaftliche Bilanz ermittelt.

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