Angewandte Forschung bringt Freude ins Studium

Der internationale Student Christian Ramos Parra aus Ecuador steht vor dem letzten Semester seines Masterstudiums „Berechnung & Simulation in Maschinenbau“. Seinen Bachelor hat er ebenfalls an der HAW Hamburg gemacht. Der rote Faden in seinem Studium ist die angewandte Forschung in der Medizintechnik, die er für sich entdeckt hat. Aber eigentlich war ein Studium in Deutschland gar nicht der Plan.

Student im Labor© HAW Hamburg/Weatherall

Christian Ramos Parra, Masterstudent 2026

Christians eigentlicher Plan war nach Kanada zu gehen. Er erhielt auch einen Studienplatz an einer kanadischen Universität, konnte ihn jedoch nicht annehmen, da sein Antrag auf ein Visum abgelehnt wurde. Seine Mutter schlug ihm vor, stattdessen über ein Studium in Europa nachzudenken, und sein Cousin, der in Spanien promovierte, ermutigte ihn ebenfalls dazu.

Christian war noch nie in Europa gewesen, aber „German Engineering“ und eine neue Sprache klangen nach einer spannenden Herausforderung. Ende 2015 zog er nach Deutschland, um von Grund auf Deutsch zu lernen. Als er das Niveau C1 erreicht hatte, konnte er seine Studienpläne weiterverfolgen. „Hamburg war zunächst nur mein Sprungbrett, um Deutsch zu lernen. Ich wollte dann in eine bekanntere Stadt wie Frankfurt ziehen. Aber wie viele andere internationale Studierende, habe ich mich in Hamburg verliebt und beschloss, hierzubleiben.“

Nachdem Christian ein Jahr am Studienkolleg Hamburg absolviert hatte, um die Voraussetzungen für ein Studium in Deutschland zu erfüllen, begann er im Wintersemester 2018/19 sein Bachelorstudium der Mechatronik an der HAW Hamburg. Aber zu Beginn fühlte er sich völlig fehl am Platz: „Die meisten Studierenden hatten bereits eine Ausbildung, und es kam mir vor, als ob sie den ganzen Lernstoff bereits kannten. Ich hatte das Gefühl, einen großen Fehler gemacht zu haben, aber ich beschloss, weiterzumachen.“

Ich arbeitete an einem Röntgengerät im Hochschullabor, führte CT-Scans durch und suchte nach Lösungen für Probleme, die bei der CT-Technologie auftreten. Gerade durch diesen Anwendungsbezug im Labor habe ich mein Bachelorstudium am Ende geliebt.

Im Laufe der Zeit glichen sich die Wissensstände jedoch aus, und sein gewähltes Spezialgebiet – angewandte KI in der Medizintechnik – wurde zum Highlight seines Studiums. „Der Schwerpunkt meiner Bachelorarbeit lag auf Deep-Learning-basierten Ansätzen für die Röntgen-Computertomographie (CT)“, erklärt er. „Ich arbeitete an einem Röntgengerät im Hochschullabor, führte CT-Scans durch und suchte nach Lösungen für Probleme, die bei der CT-Technologie auftreten. Gerade durch diesen Anwendungsbezug im Labor habe ich mein Bachelorstudium am Ende geliebt.“ Christian setzte die Forschung fort, als er im April 2025 mit seinem Masterstudium in „Berechnung & Simulation in Maschinenbau“ anfing. Die neuesten Erkenntnisse sind so interessant, dass sein Betreuer, Prof. Dr. Robin Wilke und er planen, sie zu veröffentlichen.

Während seines Studiums hat Christian auch als Werkstudent viel Berufserfahrung gesammelt und gleichzeitig sein Studium finanziert. Seit 2022 arbeitet er bei der Beiersdorf AG im Bereich „Quality Management Digital & Analytics“. Für ihn war dies von Vorteil, da es ihm Möglichkeiten für seine berufliche Entwicklung eröffnete und er gleichzeitig weiterhin in der Forschung tätig sein konnte. „Durch meine Arbeit in der Industrie habe ich gelernt, wie Projekte von der Konzeption bis zur Umsetzung durchgeführt werden und dabei die Bedürfnisse der Stakeholder berücksichtigt werden.“ Nach Abschluss seines Masterstudiums möchte Christian zunächst weitere Berufserfahrung in der Industrie sammeln, um dann in einen Bereich zu wechseln, in dem er schwerpunktmäßig mit Innovationen oder Forschung experimentieren kann.

Zu Beginn seines letzten Semesters wurde Christians harte Arbeit mit einem Stipendium der HAW Hamburg für hervorragende akademische Leistungen belohnt. Er war einer von drei internationalen Masterstudierenden, die diese Auszeichnung im Wintersemester 2025/26 erhielten. Er sieht darin eine echte Bestätigung für all die Mühen, die er auf sich genommen hatte, um seine Ziele zu erreichen. Und seinen bisherigen Weg als einen Beweis dafür, dass die besten Pläne nicht immer die ersten sind.

Text & Foto: I. Weatherall

Kontakt

Ingrid Weatherall
International Office

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