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Das Leben verläuft nicht immer geradlinig

Das Leben verläuft nicht immer geradlinig, und manchmal nimmt der Weg, auf dem man sich befindet, eine unerwartete Wendung und führt einen an einen völlig anderen Ort. Für Temitope aus Nigeria war dies der Fall. Als Abiturientin mit hervorragenden Noten war ihr Weg vorgezeichnet. Wie viele Nigerianer würde sie Medizin studieren. Zuerst ging alles nach Plan, doch dann kam alles anders.

Afrikanische Studentin © HAW Hamburg/I. Weatherall

Temitope Odofin, BSc Information Engineering 2026

Im Jahr 2021 bekam Temitope einen Studienplatz für Medizin an einer ukrainischen Universität und begann zu studieren. Als jedoch im Jahr 2022 der Krieg in der Ukraine ausbrach, sah sie ihre Pläne zerbrechen. „Ich hatte Glück im Unglück und konnte nach Deutschland ziehen," blickt sie zurück. "Aber ich musste mein Leben neu beginnen. Deutschland war zunächst ein Sprung ins Ungewisse, aber rückblickend bin ich sehr dankbar, denn es war die richtige Entscheidung.“ 

Sie lernte Deutsch bis zum Niveau B1, benötigte jedoch C1, um sich für einen deutschsprachigen Studiengang bewerben zu können. „Ich wollte nicht noch ein oder zwei Jahre investieren, um dieses Niveau zu erreichen, und dann ein Medizinstudium von vorne beginnen – vorausgesetzt, ich würde einen Studienplatz bekommen. Ich wollte in meinem Leben vorankommen, also suchte ich nach englischsprachigen Bachelorstudiengängen und fand Information Engineering. Und die HAW Hamburg. Sie hat mich aufgrund ihrer starken Ausrichtung auf angewandte Wissenschaften und ihrer engen Verbindung zur Industrie sofort angesprochen.“

Temitope entschied sich für den Studiengang Information Engineering, weil er auf Englisch gelehrt wurde. Mittlerweile liebt sie ihn, weil er Themen an der Schnittstelle zwischen Software, Systemen und Ingenieurwesen beinhaltet und ihr ermöglicht, sowohl ihr analytisches Denken als auch ihre technischen Problemlösungsfähigkeiten zu entwickeln. Sie mag die technische Seite ihres Studiengangs und insbesondere die Mathematik, auch wenn sie sich noch intensiver als bisher damit auseinandersetzen muss. „Mathematik war schon immer mein Lieblingsfach, daher dachte ich zunächst, dass die Mathe-Kurse im Grundstudium ein Kinderspiel sein würden. Ich habe allerdings schnell gemerkt, wie falsch ich lag. Das Niveau der Abstraktion und Tiefe hat mich sehr stark herausgefordert. Aber mit harter Arbeit und der ständigen Unterstützung meines Professors konnte ich diese Herausforderungen meistern und sehr gute Noten erzielen. Und es ist genau diese Erfahrung, die unterstreicht, was mir am Studium an der HAW Hamburg am besten gefällt: Der Studiengang fordert mich akademisch heraus, bietet aber gleichzeitig starke Unterstützungssysteme, die den Studierenden zum Erfolg verhelfen.“

Es ist genau diese Erfahrung, die unterstreicht, was mir am Studium an der HAW Hamburg am besten gefällt: Der Studiengang fordert mich akademisch heraus, bietet aber gleichzeitig starke Unterstützungssysteme, die den Studierenden zum Erfolg verhelfen.

Temitope liebt nicht nur den Studiengang, sondern auch Hamburg. Als sie nach Deutschland zog, lebte sie zunächst in Freiburg. Obwohl sie den Menschen, die sie dort unterstützt haben, sehr dankbar ist, wusste sie, dass sie in einer Großstadt leben wollte. Bei ihrer Online-Recherche nach Studienorten stach Hamburg in den Videos, die andere Studierende geteilt hatten als lebendige, einladende und internationale Stadt hervor. „Ich liebe besonders die Balance, die Hamburg zwischen urbanem Leben und Natur bietet. Der Hafen, die Alster und die Grünflächen lassen die Stadt lebendig wirken, ohne einem jemals zu überwältigen.“

Als Stipendiatin haben wir Temitope gefragt, welche Tipps sie anderen internationalen Studierenden für ein erfolgreiches Studium geben kann, und sie hat einige schöne Ratschläge: „Ich glaube, man muss flexibel und belastbar sein und seine Zeit effizient einteilen, denn Kurse und Projekte stellen einen oft vor unerwartete Herausforderungen," erklärt sie. "Es ist auch wichtig, Menschen zu finden, die ähnliche Ziele haben und mit ihnen in Lerngruppen zusammenzuarbeiten. Das hilft, motiviert zu bleiben, Wissen auszutauschen und Herausforderungen effektiver zu meistern. Erfolg im Studium hängt nicht nur von der individuellen Leistung ab, sondern auch von einer Kombination aus Ausdauer, Zusammenarbeit und der Fähigkeit, sich an neue Situationen anzupassen.“

Und was bedeutet es für sie, ein Leistungsstipendium zu erhalten? „Dieses Stipendium zu erhalten, fühlt sich wie ein Schulterklopfen an. Eine Anerkennung dafür, dass meine harte Arbeit gesehen wird. Da ich es zum ersten Mal erhalte, ist es etwas ganz Besonderes und motiviert mich, weiterhin mein Bestes im Studium und darüber hinaus zu geben.“

Neben ihrem Studium arbeitet Temitope für die Vistajet GmbH, wo sie zusätzliche praktische Erfahrungen für ihre zukünftige Karriere sammelt und gleichzeitig ihr Studium finanziert. Sie arbeitet im Bereich „Reliability Engineering“ und lernt, wie Flugzeugsysteme mithilfe datengestützter Ansätze analysiert, bewertet und verbessert werden. „Mein kurzfristiges Ziel ist es, einen Master in Informations- und Kommunikationstechnik zu machen, und mein langfristiges Ziel ist es, an komplexen, realen technischen Systemen zu arbeiten.“ Was also als Weg in Richtung Medizin begann, hat sich zu einem Schwerpunkt auf Technik entwickelt, und das Leben fügt sich wieder zusammen.

Text & Foto: I. Weatherall

Kontakt

Ingrid Weatherall
International Office

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