Endlich nach Hause! Nach einem schweren Unfall kann die Patientin die Intensivstation verlassen. Jetzt ist das Schlimmste überstanden, das alte Leben wartet auf sie – denkt sie. Aber das alte Leben ist nicht mehr da: Die Patientin hat Albträume und kann nicht mehr schlafen, und in ihrem Job kommt sie nicht mehr zurecht, weil sie sich einfach nicht mehr konzentrieren kann. Sie versucht, ihre Probleme mit sich selbst auszumachen – sie hat doch so vieles hinter sich gebracht, und dann scheitert sie am Alltag? Um Patient*innen künftig für diese Situation stark zu machen, startet die Pflegewissenschaftlerin Tabea Rosenthal jetzt mit einem Forschungsprojekt im Rahmen ihrer Promotion an der Hochschule für angewandte Wissenschaften Hamburg (HAW Hamburg) in Kooperation mit dem BG Klinikum Hamburg.
Nichts ist mehr, wie es war
Nach einem schweren Unfall oder einer schweren Erkrankung mit Behandlung auf der Intensivstation ist meistens nichts mehr wie vorher. Häufig bleiben körperliche und psychische Folgen zurück, die eine Rückkehr in den Alltag schwierig, wenn nicht sogar unmöglich machen. Und schwer verletzte Patient*innen verlassen das Krankenhaus nicht nach ein paar Tagen – sie bleiben Wochen oder Monate auf der Intensivstation. Auch diese Zeit hinterlässt Spuren. Wie die genau aussehen, ist bisher unzureichend erforscht. In ihrem Promotionsprojekt untersucht Tabea Rosenthal darum die Folgen intensivstationärer Behandlung und ihren Einfluss auf die Lebensqualität von Patient*innen.
Rosenthal hat ihren Master im berufsbegleitenden Studiengang Pflege an der HAW Hamburg gemacht und parallel dazu als Pflegekraft auf Intensivstationen des BG Klinikums gearbeitet. Sie ist examinierte Pflegefachkraft und versorgt auch während ihrer Promotion weiterhin Patient*innen. So ist sie nicht nur tief in der Realität des Pflegeberufs und des Alltags der Intensivpatient*innen verwurzelt, sondern auch ganz nah dran am Inhalt ihres Forschungsprojekts: In den nächsten drei Jahren wird sie ehemalige Intensivpatient*innen des BG Klinikums im ersten Jahr nach deren Entlassung dreimal befragen.
Ziel der Arbeit von Rosenthal ist es, Daten zu sammeln, wie sich die Gesundheit der Patient*innen – psychisch, kognitiv, körperlich und sozial – nach ihrer Entlassung aus der Intensivstation entwickelt. Um daraus Empfehlungen abzuleiten, was auf Intensivstationen verändert werden kann, um die Menschen besser auf ihre Rückkehr in den Alltag vorzubereiten.


