Als Yuliia Ilienko nach Beginn des Krieges in der Ukraine nach Deutschland kam, stand sie vor großen Herausforderungen: Sie musste eine neue Sprache lernen, sich in einer fremden Umgebung zurechtfinden und ihren weiteren Bildungsweg gestalten. Heute studiert sie erfolgreich Angewandte Informatik an der HAW Hamburg und unterstützt andere Menschen, die in ähnlichen Situationen sind.
„Eine besondere Aufgabe war es für mich am Anfang, mein eigenes Tempo zu akzeptieren und mich nicht ständig mit anderen zu vergleichen“, erzählt die Studentin. Ihr Informatikstudium begann Ilienko mit wenig fachlichem Vorwissen. Hinzu kam die Schwierigkeit, Vorlesungen und Fachtexte in einer Sprache zu verstehen, die nicht ihre Muttersprache ist. „Mit der Zeit habe ich gelernt, geduldiger mit mir selbst zu sein und meinen eigenen Fortschritt wahrzunehmen“, erzählt sie.
Für die HAW Hamburg entschied sich Yuliia Ilienko bewusst. Besonders die praxisorientierte Lehre überzeugte sie. Ihr war es wichtig, theoretisches Wissen direkt in der Praxis anzuwenden.
Engagement für Menschen mit Fluchterfahrung
Bereits vor ihrem Studium engagierte sich Yuliia Ilienko ehrenamtlich für andere Menschen. Von Oktober 2023 bis Juni 2024 begleitete sie Geflüchtete, die noch nicht ausreichend Deutsch sprachen, zu Arztterminen, Behörden und Gesprächen mit Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälten. Sie übersetzte zwischen Deutsch, Ukrainisch und Russisch. Bei der ukrainischen Initiative „Sonyashny Kiel“ half sie außerdem, humanitäre Hilfssendungen für die Ukraine vorzubereiten.
Auch an der HAW Hamburg bringt sie sich aktiv ein. Sie unterstützte die Orientierungseinheiten für neue Studierende und arbeitet heute als Tutorin im Vorbereitungsstudium der Arbeitsstelle Migration. Dabei steuert sie nicht nur fachliches Wissen, sondern auch eigene Erfahrungen ein. Ihr Engagement habe sie sehr geprägt: „Durch diese Tätigkeit habe ich früh gelernt, Verantwortung zu übernehmen, mit sehr unterschiedlichen Menschen zu kommunizieren und auch in ungewohnten oder anspruchsvollen Situationen sicherer aufzutreten.“
„Man muss manchmal einfach den ersten Schritt machen“
Internationalen Studierenden rät Ilienko, sich Zeit für das Ankommen zu nehmen, Fragen zu stellen und Kontakte aktiv zu suchen. Ihr selbst hättem Lerngruppen und Gruppenarbeiten dabei geholfen, andere Menschen kennenzulernen. Dabei müsse niemand besonders extrovertiert sein. Oft reiche es, die Gelegenheiten im Hochschulalltag zu nutzen.
Studierenden, die aus Krisengebieten kommen, möchte sie besonders mitgeben, die eigenen Lebensumstände nicht aus dem Blick zu verlieren. Neben dem Studium könnten weitere Sorgen und Verantwortungen hinzukommen. Deshalb sei es wichtig, den eigenen Weg und das eigene Tempo anzuerkennen.
Ihre eigene Kraft schöpft Yuliia Ilienko aus Disziplin, Optimismus und den Begegnungen mit anderen Menschen. Auch in schwierigen Situationen versucht sie, das Positive zu sehen.
Blick in die Zukunft
Nach ihrem Bachelor möchte Ilienko ein Masterstudium aufnehmen und praktische Berufserfahrung sammeln. Besonders interessieren sie Software Engineering und Data Science. Auf einen bestimmten Bereich festlegen möchte sie sich jedoch noch nicht: Sie will weiter ausprobieren und herausfinden, wo ihre Stärken liegen.
Text: Ines Tobis
