„Die Biogasanlage war von Anfang an etwas wunderbar Neues, eine komplett andere Geschichte.“



Jörn Franck, Leiter der Hamburger Müllverbrennungsanlage Stellinger Moor, ist Absolvent vom Berliner Tor und Geschäftsführer der einzigen Biogasanlage in Hamburg.

Jörn Franck ist ein offener, freundlicher Mensch. Direkt, aufmerksam und fast jungenhaft mit seinen knapp 2 m Größe, ist der am Berliner Tor ausgebildete Ingenieur der Verbrennungstechnik seit 17 Jahren Leiter der Müllverbrennungsanlage der Stadtreinigung Hamburg. Aber wir sitzen heute nicht (nur) deshalb mit ihm in der Chefetage am Stellinger Moor, interessant vor allem ist seine Tätigkeit als Geschäftsführer der BioWerk Hamburg , einer Tochter u. a. der Stadtreinigung Hamburg, die seit 2006 eine Biogasanlage auf dem Gelände betreibt.

Im dritten Jahr ist die Pionieranlage des BioWerks inzwischen ein integraler Bestandteil des gesamten Müllentsorgungsparks. Warum erläutert uns Jörn Franck: „Die Biogasanlage war von Anfang etwas wunderbar Neues, eine komplett andere Geschichte, weil es sich dabei um einen lebenden Organismus handelt und nicht um Verbrennungstechnik. Da galt für alle - dazu lernen.“ Unterstützung erfährt BioWerk bei der Betreuung des biologischen Prozesses durch Prof. Paul Scherer von der Fakultät Life Sciences der HAW Hamburg. Die technische Seite des Anlagenbetriebes übernimmt BioWerk selbst. Scherers Labor in Bergedorf bekommt wöchentlich eine Probe aus dem Herz der Anlage, dem Fermenter, in den der Organikbrei der aus Speiseresten hergestellt wird, eingespeist wird. Bei den richtigen Umgebungsbedingungen entsteht hier Biogas, ein methanreiches Gas, welches energetisch genutzt wird. Bei ungünstiger Zusammensetzung kann es schon mal zur Übersäuerung und damit Zerstörung der methanbildenden Bakterien im Reaktor kommen, womit die Anlage – die ähnlich einem Kuhmagen mit Verdauungstrakt funktioniert – erst einmal lahm gelegt wäre. Um das zu verhindern ist eine regelmäßige Kontrolle der Biologie nötig. Deshalb gilt es, die Speisung der Bakterien vorsichtig vorzunehmen und darauf zu achten, dass das,  was durch die Vertragspartner aus den Mensen, Restaurants und Supermärkten in der Anlage „auf den Tisch“ kommt, richtig dosiert wird.

 


Jörn Franck vor der Biogasanlage


Eine weitere Innovationen der Biogasanlage, die in ihrer Art in Hamburg einzig ist, ist die Entpackungstechnologie, das heißt die Art und Weise, wie verpackte Lebensmittel entpackt werden, um die organischen Inhaltsstoffe für die Biologie zu erhalten. Die Verpackungsreste kommen in die Müllverbrennungsanlage und werden dort ebenfalls energetisch zur Strom- und Wärmeerzeugung genutzt, was ein perfektes Recycling darstellt.

Fünf Mitarbeiter betreiben die Biogasanlage, die ihren geplanten Durchsatz von 20.000 t/a mit 19.600 t in 2008 fast zu 100 % erreicht hat. Das produzierte Biogas, welches in einem Motor zu Strom und Wärme umgewandelt wird, bringt ebenso wie die angelieferten Abfälle Geld ein. Die Optimierung des Energieertrages der Anlage steht deshalb auch im Mittelpunkt - eine für Franck spannende und zukunftsträchtige Aufgabe. Sich mit Themen der Erneuerbaren Energien zu beschäftigen hat für den ehemaligen Maschinenbau-Studenten vom Berliner Tor Tradition. „`Atomkraft nein Danke!´ war das Motto Anfang der 80er. Ingenieure galten als Zerstörer und waren unsexy; Brockdorf war ganz schön nass“, so seine Erinnerungen an seine Sturm- und Drangzeit im Studium.

Das Thema „Erneuerbare Energien“ hat den Ruf der Ingenieure grundlegend verändert und ihnen wieder moralisch-ethischen Wert und damit Image eingetragen. Das in den kommenden Jahren hochaktuelle Thema „Erneuerbare Energien“ bietet eine gute Vermarktung für Ingenieure und  auch für Ingenieurinnen. Allerdings, so sein Credo, darf bei dem Appell nach neuen Studiengängen in diesem Bereich nicht das profunde ingenieurwissenschaftliche Know-how verloren gehen. „Ein guter Ingenieur muss fit in den Grundlagen sein, um etwas mit dem Thema anfangen zu können“, so Franck. Dass eine zukunftsorientierte und menschenfreundliche Technik für ihn soziale Kompetenzen mit einschließt, zeigt sich in seinem eigenen Werdegang: Viel Auslandserfahrung und der Zivildienst mit behinderten Kindern haben ihn immer wieder auf das menschlich-soziale Umfeld gestoßen; konsequent aber persönlich, so beschreibt er seinen Führungsstil; offenbar in 17 Jahren ein gutes Erfolgsrezept.
Text: Katharina Jeorgakopulos

Kontakt:
Dipl.-Ing. Jörn Franck
<link mail ein fenster zum versenden einer>biowerk@srhh.de

Foto: Linda Sperling

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